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Gott als „der ganz Andere“

Angedacht : Gott als „der ganz Andere“

Pfarrer Ulrich Kern von Heilig Geist in Ratingen West hat sich Gedanken zum Fest Darstellung des Herrn (Lichtmess) am 2. Februar gemacht.

Rund um das schöne Fest Darstellung des Herrn (Lichtmess) am 2. Februar werden die Tage langsam länger. In diesen für uns alle vielfältig belastenden Zeiten tut dies besonders gut. Wir dürfen ganz gewiss die Botschaft des Lichtmess-Festes auch mit in den aufkeimenden Frühling nehmen: „Meine Augen haben das Heil gesehen“. (Lk 2,30) So sagt es der greise Simeon angesichts des Jesus-Kindes, dem er im Tempel zu Jerusalem begegnen darf.

Dies ist ein „frommes“ Wort, sicherlich, aber eben nicht nur. Er bezeichnet deutlich auch die Erfahrung der Gottesnähe zu einer verletzlichen und verletzbaren Welt. Gott zeigt sich unter Menschen – entschieden als der ganz Andere. So wurde der erwachsene Jesus von allen erlebt, die ihm begegnen durften. Seine herausfordernde Eindeutigkeit zugunsten der Kleinen und Schwachen kann denen, die in unserer Kirche schwere Schuld auf sich geladen haben, nicht angenehm sein: „Für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde…“ (Mt 18,6 b)

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Die kleine Szene im Tempel zu Jerusalem bietet den Grund einer an sich kaum glaublichen, kaum fassbaren Erkenntnis über den Gott Jesu Christi: Gott glaubt an den Menschen, weil er die Hoffnung auf ihn nicht aufgibt. Glaubt an seine Fähigkeit, vor allem Bereitschaft, zu Selbstreflexion und Umkehr, die immer Früchte tragen müssen. Dies ist für mich das vielleicht größte Wunder im Nachdenken über Gott. Wie beeindruckend bringt der evangelische Theologe Rudolf Bultmann dieses Wunder ins Wort, wenn er schreibt, „daß im Scheitern der Mensch erst wirklich zu sich selbst gebracht wird“.

Solcherart bestürzende Vorstellung von Gottesnähe kann nichts weniger als demütig machen.