Geschichtsverein Heiligenhaus hat „Cis Hilinciweg“ herausgegegen

Heiligenhaus : Erinnerungen an schwierige Zeiten

Der Geschichtsverein Heiligenhaus hat die 18. Broschüre des „Cis Hilinciweg“ herausgegeben.

„Drei Wochen vor der offiziellen Kapitulation, am 17. April 1945, war für mich der Krieg zu Ende. Es war mein Namenstag, ein strahlend schöner Sonnentag mit dicken weißen Kumuluswolken am Himmel, die aber nicht bedrohlich wirkten. Das Gefühl einer grenzenlosen Freiheit, nachdem wir monatelang im Keller gehaust hatten, überwog alles.“ So beginnen die Erinnerungen des damals zehnjährigen Rolf Watty an die Kriegs- und Nachkriegszeit in Heiligenhaus, aufgeschrieben für die neueste Ausgabe der Broschüre „Cis Hilinciweg“.

Es ist die 18. Ausgabe, die der Geschichtsverein Heiligenhaus herausgibt. Auf 44 Seiten ist sie gefüllt mit Geschichten, die diesmal tatsächlich einen Schwerpunkt haben, nämlich Kriegs- und Nachkriegszeit. Hartmut Nolte hat dazu die Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg in Heiligenhaus zusammengetragen und mit Fotos zerstörter Wohnhäuser, Betriebe und Werkstätten belegt. Die Fotos der Zerstörungen stammen alle aus dem Stadtarchiv.

In dieser bewegten Kriegszeit versah der beliebte Pfarrer Wilhelm Stephany in der evangelischen Gemeinde in Heiligenhaus seinen Dienst. Er übernahm die vakante Stelle im Jahr 1932. Material zum Wirken von Stephany fand sich im Nachlass von August, Steinbrink, dem langjährigen Vorsitzenden des Geschichtsvereins. Diese Unterlagen hat der Neffe des ehemaligen Pfarrer, Reiner Stephany, überarbeitet und mit persönlichem Wissen seiner Familie angereichert. Bei der Präsentation der neuen Broschüre war Reiner Stephany aus Hamm nach ins Museum Abtsküche gekommen, um Einblicke in das Leben seines 1954 verstorbenen Onkels zu geben. Besonders freut ihn, dass sein Onkel bis heute nicht vergessen ist und es sein Grab in Heiligenhaus immer noch gibt.

Ruth Ortlinghaus erinnert in „Cis Hilinciweg“ an die Film-Dokumentation mit Zeitzeugen über die Nazizeit in Heiligenhaus. Schüler der Gesamtschule haben diesen Film mit dem Titel „Heil Heiligenhaus“ gedreht. Aus fünf Stunden Interviews wurde schließlich ein Beitrag von 40 Minuten. Bei der Uraufführung vor 100 Gästen, so schreibt Ortlinghaus, hätten viele ihre Tränen nicht verbergen können. Der von ihr wärmstens empfohlene Film ist für 15 Euro im Heiligenhauser Club zu haben.

Ein Postkartenmotiv aus dem Stadtarchiv vom Herzen der Hofermühle. Rechts lag der Kalksteinbruch mit seinen Brennöfen. Foto: Blazy, Achim (abz)

Doch nicht nur der Krieg hat die Autoren des Heimatvereins bewegt. Adolf-Hermann Mackroth beschäftigt sich mit der Hofermühle und der dortigen Kalkgeschichte. Denn in der Zeit von 1902 bis 1945 befanden sich im Ortsteil Hofermühle zeitgleich zwei Kalkbrüche. Rolf Hitzbleck schließlich hat sich der Geschichte der katholischen Kirchengemeinde in Heiligenhaus angenommen. Wie er bei der Arbeit an der Chronik feststellen musste, „hatte ich doch einige Lücken“. Und damit die Spedition Eischeid, die viele Jahre lang den Stadtmarketing Arbeitskreis Kultur in Heiligenhaus unterstützt hat, nicht in Vergessenheit gerät, hat Ruth Ortlinghaus die Geschichte des Unternehmens aufgeschrieben.