Geschichte : So erlebte die Stadt die November-Revolution

Es waren unruhige Zeiten: Nun gibt es eine Broschüre über die Weimarer Republik. War Ratingen eine Zentrale der Spartakisten?

Es war eine interessante Veranstaltung: Beim Vortrag von Dr. Klaus Wisotzky anlässlich der gut besuchten Herbstversammlung des Ratinger Heimatvereins ging es um das Thema „Unruhige Zeiten – Die November-Revolution 1918 in Ratingen“, wo „Räuber, Spitzbuben und Erpresser“ ihr Unwesen trieben und den Hochwald des Grafen von Spee abgeholzt hätten.

Ratingen – eine Zentrale der Spartakisten? Der Vortrag gab nicht nur eine Antwort auf diese Frage, sondern er ging auch auf die Ereignisse während der Revolutionszeit ein und ihre Auswirkungen auf die Politik und Gesellschaft.

Der Referent konnte dabei auf umfangreiche Arbeiten aus der Zeit zurückgreifen, in der er das Stadtarchiv Ratingen geleitet hat.

Die Ereignisse dieser Zeit können auch heute noch so präsent sein, weil aufgrund des Versammlungsrechtes im Kaiserreich Parteiversammlungen von der Polizei beobachtet wurden, die jeweils ein Protokoll zur Information für den Bürgermeister anfertigte.

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Auf diese Weise sollten staatsgefährdende Umtriebe beobachtet werden.

Auch am Ende des Kaiserreiches wurde dies noch praktiziert, so dass wir heute noch recht genau darüber informiert sind, wie das Ende des Ersten Weltkrieges in Ratingen in der Bevölkerung aufgenommen wurde.

Hier zum Beispiel ging es um die Gastwirtschaft „Düsseldorfer Hof“ (heute Deutsche Bank, Düsseldorfer Straße), über die während der Ausrufung der Weimarer Republik berichtet wurde.

Das Lokal „Düsseldorfer Hof“ des Gastwirtes Emil Peltzer hatte, wie damals üblich, einen großen Saal. Die Säle wurden für Vereinsaktivitäten wie Theateraufführungen oder Musikdarbietungen genutzt, und sie dienten den Parteien als Versammlungslokal.

Zumeist hatte jede der Parteien ein bevorzugtes Lokal.

Die damals stärkste Partei mit dem größten Einfluss im Raum Düsseldorf und Ratingen, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (kurz USPD), tagte am 9. November 1918 im Düsseldorfer Hof, um über die Einrichtung eines Arbeiter- und Soldatenrates zu entscheiden.

Der Druck der revolutionären Bewegungen war schon am 7. November 1918 so sehr angewachsen, dass zunächst König Ludwig in Bayern abdanken musste. Nur zwei Tage später dankte dann auch noch Kaiser Wilhelm II. ab.

Dies hatte er jedoch nicht freiwillig und selbst getan, sondern diese Entscheidung hatte der erste Reichskanzler Prinz Max von Baden getroffen, denn die Niederlage im Kriege bedeutete auch das Ende der Monarchie.

Noch am gleichen Tag wurde die Weimarer Republik ausgerufen, und zwar gleich zwei Mal.

Um 14 Uhr rief Philip Scheidemann, SPD, vom Balkon des Reichtages in Berlin die „Deutsche Republik aus“.

Genau zwei Stunden später verkündete Karl Liebknecht von der linken Spartakusgruppe (später KPD) vom Südbalkon des Berliner Stadtschlosses aus dass es von nun ab die „freie sozialistische Republik“ gebe.

Die USPD in Ratingen reagierte umgehend, und man bestimmte sofort aus den eigenen Reihen einen Arbeiterrat (bestehend aus vier Männern) und eine Bürgerwehr (bestehend aus 14 Männern).

Diese sollten für Sicherheit und Ordnung in Ratingen sorgen.

Der Friedensvertag von Versailles im Jahr darauf führte auch in Ratingen zum Ausrufen einer allgemeinen Landestrauer.

Armut, rasante Geldentwertung (die Stadtverwaltung druckte Geld), provozierten Plünderungen und Diebstähle.

In den Spee’schen Wäldern rings um die Stadt wurde Brennholz besorgt. „Allerdings nur von acht Bäumen, um die größte Not zu lindern.“

Die Ratinger Wälder lieferten nicht nur Holz, sie eigneten sich auch gut für Verstecke.

Der Stinkesberg diente zum Kriegsende 1918 als Versteck für ein großes Waffenlager, das von Spartakisten angelegt oder in Besitz genommen worden war und von ihnen bewacht wurde.

Als es entdeckt wurde, wurde einer von ihnen namens Kornblum erschossen, nachdem er zuerst aus einem Revolver gefeuert hatte. Der Bruder des Getöteten schwor aufgrund dieser Tat Rache.

In der Nacht darauf wurde dann ein Ratinger Polizist, Johann Zöller, in seinem Amtszimmer am Schreibtisch aus der dunklen Minoritenstraße heraus erschossen. Wer sich für diese und andere historische Geschichten interessiert, kann eine neu zusammengestellte Broschüre über die Weimarer Republik im Handel und in der Touristinformation für fünf Euro kaufen, im Stadtarchiv einsehen, im Medienzentrum ausleihen.

Darin gibt es viele Geschichten über ein ganz wichtiges Stück Geschichte, das sich in Ratingen abgespielt hat.

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