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Ratingen: Geschichte erfahrbar machen

Ratingen : Geschichte erfahrbar machen

Interview mit den Vorsitzenden des Vereins der Freunde und Förderer des Museums Cromford, Hans Hüppe und Helga Hülsmann. Der Verein sucht verstärkt den Kontakt zu Schulen und zur Wirtschaft.

Wie sehen Sie den Förderverein Cromford in seinem 14. Bestehensjahr aufgestellt?

Hüppe Wir haben knapp 230 Mitglieder und sind damit sehr zufrieden. Natürlich würden wir uns jederzeit über weitere Mitglieder freuen, vor allem über jüngere. Da geht es uns wohl so wie vielen anderen Vereinen.

Ein erklärtes Ziel des Vereins ist es, die vorhandenen Museumsgebäude mit Leben zu füllen. Ist dies aus Ihrer Sicht gelungen?

Hüppe Ja, das ist gelungen. Es gilt, weiterhin das Historische zu pflegen. Der Förderverein möchte das Museum hierbei unterstützen. Dabei sehen wir unsere Hauptaufgabe darin, die Menschen an das Museum heranzuführen und auf die Bedeutung aufmerksam zu machen — gerade in der heutigen virtuellen Welt, wo früher selbstverständliche Fähigkeiten wie Dinge zu sehen, zu fühlen oder zu hören verloren gehen. Hier im Industriemuseum kracht und knirscht es, hier kann man Baumwolle zupfen. Dies ist ein lebendiger Ort, an dem Geschichte aktiv erfahrbar wird.

Hülsmann In dieser Richtung wollen wir weitere Perspektiven entwickeln, um Jugendliche vermehrt anzusprechen. So werden wir zum Beispiel verstärkt auf Ratinger Schulen zugehen. Mit dem Adam-Josef-Cüppers-Berufskolleg gibt es erste Kontakte.

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Wie groß ist denn generell das Interesse an Industriekultur und -geschichte in Zeiten des strukturellen Wandels?

Hüppe Es ist schwieriger geworden, Interesse zu wecken. Andererseits muss man aber betonen, dass vor allem die ältere Generation, die zum Teil selbst in den früheren Fabriken und Unternehmen gearbeitet hat, sich heute sehr dafür interessiert. Ihre Erfahrungen können sie anschaulich an die jungen Menschen weitergeben, zum Beispiel über unsere Erlebnisangebote.

Hülsmann Dass Interesse auf jeden Fall vorhanden ist, zeigt die erfahrungsgemäß rege Teilnahme an unseren Reisen und Firmenbesichtigungen. Bei diesen Angeboten haben wir regelmäßig viel Resonanz.

Ihr Verein ist aktiv und bietet vielfältige Aktivitäten. Dennoch könnten Sie noch intensiver nach außen wirken. Würden Sie dem zustimmen?

Hüppe In gewisser Weise ja. Zwar versuchen wir schon, uns nach außen zu öffnen, und mit unserem Parkfest, den Cromford-Gesprächen und unserer Zeitung Cromford-Chronicle gelingt das auch. Natürlich möchten wir gerne noch mehr wahrgenommen werden, zumal unser Verein sich ja auch deutlich von den anderen Publikumsvereinen in der Stadt unterscheidet. Wir sind kein Heimatverein, sondern sprechen mit dem Thema Industrie eher übergeordnete Bereiche an, die eine Fülle von Themen bieten. Ich denke da an soziale Aspekte wie etwa Kinderarbeit, aber auch an Technik und Mode. Diese Potenziale möchten wir künftig mehr ausschöpfen. Unabhängig davon muss man realistisch einräumen, dass Museumsarbeit ein Thema bleibt, dass nicht von generellem Interesse ist.

Hülsmann Erst auf der letzten Mitgliederversammlung haben wir beschlossen, eventuell einen Förderpreis für junge Menschen auszuschreiben, die sich zum Beispiel in einer Facharbeit mit unserem Haus beschäftigen. Themen gibt es ja genug. Außerdem möchten wir verstärkt mit der Ratinger Wirtschaft zusammenarbeiten. Allerdings sage ich auch deutlich, dass eine gewisse Abgrenzung durchaus bewusst gewollt ist.

Ihr populärstes Angebot ist das Parkfest. Gibt es im Biennale-Jahr und zum 100. Geburtstag des Poensgenparks besondere Pläne?

Hülsmann Ja, unser Thema am 1. September heißt dieses Mal "Auf die feine englische Art". Es wird unter anderem Crocket und Cricket-Spiele geben, einen Hut- und einen Tortenwettbewerb sowie Kutschfahrten. Und wir haben ein tolles Kinderprogramm mit historischen Kinderspielen. Abends gibt es dann wieder das traditionelle Feuerwerk.

Ist es eigentlich schwer, dafür Sponsoren zu gewinnen?

Hüppe Ja, sehr schwer. Als wir das erste Parkfest vor acht Jahren organisiert haben, war es noch wesentlich leichter, Geldgeber zu finden. Was sicher unter anderem auch daran liegt, dass es eben sehr viele Vereine gibt, die Sponsoren suchen.

Hülsmann Und es ist eindeutig so, dass im Sport mehr gesponsert wird als für kulturelle Veranstaltungen. Wir hoffen noch auf städtische Unterstützung und freuen uns, dass Bürgermeister Harald Birkenkamp in diesem Jahr Schirmherr des Parkfestes ist.

Der Kostenträger der Rheinischen Industriemuseen, der Landschaftsverband Rheinland, steht unter finanziellem Druck. Wie schätzen Sie die Rolle Ihres Fördervereins in diesen Zeiten ein?

Hüppe Die Realität sieht tatsächlich so aus, dass die staatlichen Zuschüsse künftig zurückgeschraubt werden. Nicht alles, was man finanzieren möchte, wird man finanzieren können. Daher wird die Arbeit aller Fördervereine immer wichtiger. Wir sehen unsere Aufgabe darin, das Museum Cromford dort zu unterstützen, wo es eng wird, vor allem auch in der lokalen Öffentlichkeit. Im sozialen Bereich wird die Bedeutung des Ehrenamts gerne hervorgehoben. Wir sind in unserem Verein alle ebenso ehrenamtlich tätig und engagieren uns unentgeldlich.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Museumsleitung?

Hülsmann Hervorragend.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Vereins?

Hüppe Vor allem mehr Raum für Aktivitäten. In der historischen Achse mit dem Haus zum Haus und dem Poensgenpark bieten sich vielfältige Themen. Wir sind für alles offen.

Hülsmann Und natürlich wünschen wir uns noch ein paar mehr Mitglieder und darunter welche, die sich aktiv einbringen.

Regina Hartleb führte das Gespräch mit dem Vorstand.

(RP)