Ratingen: "Gegen Angsträume kämpfen"

Ratingen: "Gegen Angsträume kämpfen"

Montags-Interview mit Franziska Chrobok und Marco Di Salvo, Mitglieder des Jugendrates. Die beiden Schüler formulieren ihre Ziele und sprechen über Politik und das, was sie ärgert.

Der Jugendrat ist Ende des vergangenen Jahres neu gewählt worden, ihr beide seid als Sprecher und Pressesprecherin in der ersten Sitzung gewählt worden. Was ist das für ein Gefühl?

Di Salvo Ich wurde ja zusammen mit Maik Dubbert zum Sprecher gewählt, wir sind also ein Sprecherteam und vertreten gemeinsam den Jugendrat. Das ist schon eine Ehre, schließlich bin ich erst letztes Jahr dazugekommen. Natürlich freue ich mich, dass ich die anderen im Jugendrat überzeugen konnte, dass ich sie gut vertreten werde.

Chrobok Für mich ist das auch eine Ehre, auch wenn ich als Pressesprecherin nicht so im Vordergrund stehe. Aber es ist doch schön, wenn man sieht, wie durch eigenes Engagement Ergebnisse zustande kommen.

Ihr seid jung, geht zur Schule und habt bestimmt auch viele Hobbys. Warum macht Ihr beim Jugendrat mit, anstatt euch mit Freunden zu treffen und mit denen Spaß zu haben?

Di Salvo Nebenbei bin ich auch Schülersprecher und engagiere mich an meiner Schule. Das macht mir Spaß und ist einfach interessant. Das ist wichtig, sich für etwas einzusetzen, das einen selbst betrifft und zu überlegen, wie man etwas verbessern kann.

Chrobok Letztes Jahr durfte ich zum ersten Mal bei der Kommunalwahl mitmachen. Da hab ich mir zum ersten Mal die Wahlprogramme der Parteien durchgelesen und da stand sehr viel Mist drin, von dem ich eine andere Meinung hatte. Einen Monat später stand dann die Wahl zum neuen Jugendrat an und da hab ich mir gedacht, ich probier's einfach mal aus, vielleicht kann ich ja etwas an der Ratinger Politik verändern.

Worum geht's bei eurem Amt? Was sind für euch die wichtigsten Aufgaben?

Di Salvo Wir vertreten die Interessen der Jugendlichen in der Stadt gegenüber der Politik und der Verwaltung. Wir schauen, was man verbessern könnte, und versuchen, diese Verbesserungen auch durchzusetzen.

Werdet ihr eigentlich von den erwachsenen Politikern und der Verwaltung ernst genommen oder eher belächelt?

Di Salvo Ich denke schon, dass wir ernst genommen werden. Allein, dass der Jugendrat vor dem Stadtrat und den Ausschüssen sprechen darf und angehört wird, zeigt das doch schon.

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Chrobok Stimmt, das glaube ich auch. Bei unserer ersten Sitzung war zum Beispiel Bürgermeister Harald Birkenkamp da. Und bei den Sitzungen sind eigentlich immer Vertreter der Ratinger Parteien dabei. Ich glaube, die da oben freuen sich schon, dass auch Jugendliche sich für Politik interessieren und mitwirken möchten.

Was hat euch in letzter Zeit in Ratingen richtig geärgert, wo würdet ihr am liebsten mal dazwischen gehen und Eure Meinung sagen?

Chrobok Also die Kritik an den Jugendlichen an Altweiber fand ich ziemlich übel. Bei den Jugendlichen wird sofort gemeckert, aber die Erwachsenen können sich daneben benehmen, wie sie wollen. Und auch die Moskitos an der Eishalle waren eine absolute Unverschämtheit. Das war verächtlich allen Jugendlichen gegenüber.

Di Salvo An Altweiber hat mich vor allem geärgert, dass die Feuerwehr bekannt gegeben hat, zehn Jugendliche unter 16 Jahren seien mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gekommen. Dabei waren es nur zwei. Diese negativen Randerscheinungen lenken vom großen Erfolg der Altweiberparties ab. Man sieht nur das Schlechte und nie das Gute.

Welches Ziel habt ihr für 2010? Was steht als nächstes auf dem Plan, welche Projekte haben Priorität?

Di Salvo Als nächstes gibt es wieder die Informationsveranstaltung "Deine Wahl" vor der Landtagswahl. Damit versuchen wir, Jugendlichen die Landtagswahlen näher zu bringen und Mitglieder der einzelnen Parteien stellen sich dort vor. Außerdem entsteht in West Am Sandbach eine neue Skateranlage. Da hoffen wir, dass wir an der Planung auch wieder beteiligt werden.

Chrobok Als nächstes kommt im Sommer das Polit-Dinner. Da kochen Jugendliche gemeinsam mit Politikern und können dabei Fragen stellen. Wir wollen erreichen, dass das Jugendkulturjahr wiederholt wird. Das war nämlich klasse.

Di Salvo Ein Projekt wird auch die Bekämpfung der dunklen Ecken sein, also der Angsträume. Nachdem es mehrere Vorfälle in Lintorf im Drupnaspark gab, wo Jugendliche angegriffen wurden, besteht da dringend Handlungsbedarf.

Christiane Bours führte das Gespräch.

(RP)