Ratingen : Für Seniorenrat gibt es nur die Briefwahl

Ratingen : Für Seniorenrat gibt es nur die Briefwahl

Noch bis zum 6. Dezember laufen die Stimmabgaben. Die Unterlagen werden rund 28.300 Bürgern zugestellt.

Das Gremium ist sehr wichtig, gilt es doch als Sprachrohr für rund ein Drittel der Ratinger Bürger. Bis zum 6. Dezember werden die Wahlen zum neuen Seniorenrat der Stadt Ratingen für die Wahlperiode 2020 bis 2024 ablaufen. Da ausschließlich per Briefwahl gewählt wird, erhalten in diesen Tagen die rund 28.300 Wahlberechtigten – das sind die über 60-jährigen Bürger, die seit mindestens drei Monaten in der Stadt leben  –  ihre Briefwahlunterlagen mit der Post.

Bis spätestens 6. Dezember, 12 Uhr, muss der jeweilige Wahlbrief mit dem Stimmzettel und dem dazugehörigen Wahlschein dann bei der Stadt Ratingen (Bürgerbüro und  Rathaus-Briefkasten, dieser ist gegenüber dem neuen Rathaus an der Minoritenstraße 3 zu finden) eingegangen sein. Dabei ist der jeweils beigefügte Wahlschein nicht abzutrennen, sondern das gesamte Schreiben (Wahlbenachrichtigung und Wahlschein) ist in dem roten Briefumschlag zurückzusenden. Der Stimmzettel mit den angekreuzten Kandidaten kommt in den blauen Briefumschlag, und dieser ist ebenfalls mit dem roten Wahlbrief zurückzuschicken.

Wer gar nicht so genau weiß, was der Seniorenrat eigentlich macht oder welche Personen überhaupt zur Wahl stehen, dem hilft ein Blick in die Extra-Ausgabe der Seniorenzeitung „Aus unserer Sicht“: Auf 16 Seiten sind alle 39 Kandidaten mit Fotos und persönlichen Angaben dargestellt, es gibt umfassende Informationen über die Aufgaben, Erfolge und Ziele des Seniorenrates sowie zum Wahlverfahren selbst. Zudem werben Bürgermeister Klaus Pesch in seinem Grußwort und Sozialdezernent Harald Filip in einem Interview für eine rege Teilnahme an der Seniorenratswahl. Die Sonderausgabe der Zeitung „Aus unserer Sicht“ liegt an vielen Stellen zur kostenlosen Mitnahme aus.

Sehr erfreulich: Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendrat. So haben Seniorenrat und Jugendrat die Taschengeldbörse ins Leben gerufen. Die Idee ist einfach gut und so naheliegend. Man muss es nur machen und umsetzen. Der Jugendrat und der Seniorenrat sind nicht dafür bekannt, Debattierklubs zu sein. Beide Gremien gehen mit viel Herzblut und Engagement an ihre Aufgaben heran. Denn sie wissen: Sie vertreten große gesellschaftliche Gruppen und tragen Verantwortung für die Lebensbedingungen in der Stadt.

Längst ist es zu einem Schulterschluss der Generationen gekommen: Beharrlich hat man an diesem Projekt gearbeitet, hat viele Fakten gesammelt und das Ganze in ein Konzept gegossen. Die Taschengeldbörse versteht sich als Kontaktbörse und Serviceplattform für Jugendliche ab 15 Jahren und für ältere Menschen, die möglicherweise in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Beide Seiten profitieren von dem Projekt: Ältere Menschen lernen Jugendliche kennen. Man kommt miteinander ins Gespräch, lernt voneinander. Nicht selten können solche Begegnungen für die spätere Berufswahl der Schüler wegweisend sein.

Sehr erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Zusammenarbeit zwischen Jugendrat und Seniorenrat sehr nachhaltig funktioniert. Beide Gremien tauschen sich aus, man spricht über aktuelle politische Dinge und erfährt aus erster Hand, was junge und ältere Menschen bewegt. Kein Wunder, dass Michael Hansmeier, Mitarbeiter des Jugendamtes, die Idee der Taschengeldbörse einfach genial fand.

Es sind die vermeintlich kleinen Dinge des Lebens, die große Probleme bereiten können. Die Mitglieder des Seniorenrates wissen dies angesichts alltäglicher Erfahrungen nur zu gut. Das Gremium feierte in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Und dies sorgte bei Dr. Helmut Freund, dem Vorsitzenden, und seinem Vorstandsteam für eine intensive Mischung aus Zufriedenheit und Tatendrang. „Uns ist es vor allem wichtig, dass wir generationenübergreifend arbeiten“, betonte Freund, der die enge Kooperation mit dem Jugendrat herausstellte.

Es sind oft nur Kleinigkeiten, die das tägliche Leben erschweren. Beispiel: Das Einsteigen in einen Bus, der nicht nah genug an die Bordsteinkante gefahren ist, wird zu einem gefährlichen Balanceakt. Der Seniorenrat führt immer wieder Gespräche mit der Rheinbahn, um auf solche Mängel hinzuweisen. Dass die neuen Sitzbänke auf dem Düsseldorfer Platz keine Lehnen haben, ist aus Sicht von Freund ein Ärgernis. „Viele denken ja nicht daran, dass man sich beim Aufstehen von der Bank abstützen muss“, betonte er. Vorstandskollegin Suse Nowka berichtete von gelungenen Angeboten, die einen hohen Informationsgehalt haben: So gab es Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen zur Gesundheitsreform, Pflegeversicherung oder zum Thema „Abzocke im Alter“. Auf dem Rollatortag im Sommer des vergangenen Jahres stand ein Rheinbahnbus auf dem Marktplatz: Senioren konnten das Ein- und Aussteigen üben.

In manchen Städten gibt es dieses Gremium gar nicht. Freund erläuterte: „Wir haben in NRW rund 400 Kommunen, von denen nur etwa 170 eine kommunale Seniorenvertretung haben.“