Heiligenhaus: Für "Frohsinn"-Sänger zählt jede Stimme

Heiligenhaus: Für "Frohsinn"-Sänger zählt jede Stimme

Im Januar 2013 wagte der Verein einen Neustart, nennt sich seither "vokale Frohsinn Holding" - und hat damit Erfolg.

Im Halbkreis sitzen die Sängerinnen um das Piano herum. An den Tasten sitzt Chorleiter Hermannjosef Roosen und er will von den "Frohsinn-Ladies" in diesem Moment Michael Jacksons "Heal the world" hören und das so schön wie möglich. Dabei geht es um die Feinarbeit, an der Betonung der Silben wird bis in die kleinste Nuance gearbeitet. Die insgesamt 23 "Ladies" sind der noch recht frisch-gegründete Frauenchor, der neben dem Herrenchor "Frohsinn" seit letztem Jahr unter dem gemeinsamen Dach einer Frohsinn-Holding firmieren. "Die Männer singen nicht mit den Frauen gemeinsam, sondern jeweils im eigenen Chor", stellt Ingo Hannuschka aus dem Vorstand klar, immer wieder gebe es diesbezüglich Missverständnisse.

Denn im Januar 2013 hat der älteste Männergesangverein der Stadt mit Chorleiter Roosen einen neuen Weg eingeschlagen. "Das war notwendig und geschah wohl im letzten Moment", sagt Tenor Peter Ihle, seit 56 Jahren dabei und somit langjährigstes Mitglied. Schon jetzt, nach 20 Monaten sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: nicht nur die Mitgliederzahl hat sich von 24 Mitgliedern im Januar 2013 auf 47 Mitgliedern 2014 beinah verdoppelt, auch das Durchschnittsalter ist enorm gesunken. Lag es zum Neustart noch bei 72 Jahren, so haben viele jüngere Mitglieder - die Jüngste ist 13 - den Schnitt auf 55 Jahre gesenkt.

Einen enormen Anteil hat natürlich der Frauenteil, doch auch der Männerchor (aktuell 24 Sänger) verjüngte sich auf 65 Jahre. Zusätzlich soll die Jugendabteilung noch stärker ausgebaut werden. Die nächste Show am 25. Januar ist das große Ziel für alle. "Es sind wieder Sänger um die 30 dabei", freut sich Ihle. Den Grund dafür sieht Chorleiter Roosen vor allem im neuen musikalischen Repertoire, das man revolutionär verändert habe: "Keiner will mehr was über die deutsche Eiche hören, die Sänger, die heute mit dabei sind, haben selbst in ihrer Jugend die Beatles gehört. Da knüpfen wir an und singen Michael Jackson, Elvis Presley, The Hollies oder Adele." Man muss die Musik fühlen können, glaubt Hannuschka.

Ihle gibt zu, dass es einigen Mitgliedern des alteingesessenen Verein nicht leicht gefallen ist, diese Veränderungen anzunehmen, er selbst schließe sich da nicht aus. "Wir sind immer noch im Prozess der Veränderung, doch dies ist einer der Wege, die wir haben beschreiten können, und es sieht gut aus, dass wir unser 150-jähriges Jubiläum in drei Jahren mit Glanz und Gloria feiern können."

Der Neustart erfolgte systematisch: neues Logo, neue Webseite und vor allem: eine neue Sprache. Der Vorstand ist zum Management geworden, das traditionelle 90-minütigem Konzert für Januar mutiert zur mehr als dreistündige Neujahrs-Show. "Die war ein voller Erfolg", resümiert Hannuschka, "deswegen machen wir mit dem Konzept auf jeden Fall weiter." Wohl bewusst, dass das in der Heiligenhauser Chorlandschaft durchaus kritisch beäugt wird.

(RP)