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Ratingen-Homberg: Früchte frisch vom Feld

Ratingen-Homberg : Früchte frisch vom Feld

Bei Alfons Hülskemper vom Brachter Hof in Homberg sind die Beeren los: die Erd- und bald die Himbeeren, dann die Heidelbeeren. Außerdem schießt der Spargel.

Alles in allem drei gefährlich klingende Monate, in denen unter Hochdruck die Ernte eingebracht werden muss, damit im restlichen Dreivierteljahr wieder Anlauf für die nächste Ernte genommen werden kann. Und wer dort im Hofladen kauft, der trifft sich mit den anderen Liebhabern heimischen Obstes.

Erdbeeren sind wirklich keine Früchte, deren Unversehrtheit und Geschmack lange Wege vertragen, auch wenn Züchter in Europas Süden immer wieder darauf hinarbeiten. Nun können Erdbeeren wirklich nicht zum Schleuderpreis abgegeben werden, weil sie von Beginn an bis zur süßen Reife sehr viel Handarbeit erfordern.

Sie werden einzeln gepflanzt, auch auf dem Brachter Hof mit Tunneln überspannt, die in den ersten Monaten jeden Sonnenstrahl in kuschelige Wärme verwandeln. Diese zusätzlichen Überdachungen müssen zum rechten Zeitpunkt geschlossen oder geöffnet werden, damit immer die richtige Temperatur herrscht. Einmal zu wenig belüftet kann bedeuten, dass im aufgeheizten Tunnel vermatschtes Grün liegt.

Wenn die Früchte aus der Familie der Rosengewächse reif sind, wird von Hand gepflückt und in Pappdosen abgepackt. In den nächsten Wochen sind auch "Selbstpflücker" auf den Feldern zugelassen. Alle Pflanzen werden nur so viel wie gerade mal erforderlich gespritzt. Rund zehn amtliche Kontrollen pro Saison überprüfen, ob die ohnehin strengen Vorschriften eingehalten werden.

Alfons Hülskemper, der jetzt auf Homberger Schollen köstlichste Früchte anbaut, wuchs auf einem Hof in Kirchhellen auf, absolvierte eine kaufmännische Lehre — was als Bauer wirklich nicht von Nachteil ist — und hängte eine landwirtschaftliche Ausbildung an. Sein Vater erwarb später die Hofstelle im Homberger Süden, die um 1840 erbaut worden war. Im Jahr 2000 wurde sie gründlich renoviert und ist, im Rahmen denkmalpflegerisch und baurechtlich eng gezurrter Grenzen, immer noch in der Veränderung. Die nächste Generation sitzt schon in den Startlöchern: Hülskemper jun. beendet bald seine Lehre auf einem Hof mit Obstanbau.

Gegenwärtig bietet Alfons Hülskemper vornehmlich Erdbeeren und weißen Spargel an. Dazu Schinken, Kartoffeln, Soßen, Wein, Eier und einige Sorten Eierlikör — auch köstlich auf Früchten. Die Beeren und das weiße Gemüse sind von den eigenen, hofnahen Feldern, das restliche Angebot mit Soße und Co ist, was auch die Etikettierung kundtut, zugekauft, damit die Kunden wegen eines Viertelliters Sauce hollandaise nicht stundenlang rumfahren müssen.

Außer den Feldern rund um den Brachter Hof werden Flächen in Mülheim, Essen und Düsseldorf bewirtschaftet, insgesamt gut 21 Hektar. Auf diese Fläche passen fast 30 Fifa-genormte Fußballplätze. Wenn man bei der Maßeinheit bleiben möchte, wachsen bei der Hülskemperschen Beeren-Aufteilung auf 20 dieser Plätze nur Erdbeeren. Die Heidel- oder Blaubeeren, die auf dem Brachter Hof verkauft werden, heißen auch Bick-, in manchen Regionen Schwarz- oder Mostbeeren. Sie wachsen in Kulturen an bis zu zwei Meter hohen Büschen, lassen, was den Vitamin-C-Gehalt betrifft, ziemlich viel Obst hinter sich und finden alle ihre örtlichen Abnehmer.

Vitamine gibt es ebenfalls reichlich im Spargel, den sich die Kunden auch schälen lassen können. Hülskemper hat diese Dienstleistung nicht "eingepreist", sondern nimmt nur von den Kunden 50 Cent pro Kilo, die nicht selber schälen wollen. Und nur für die sei schließlich die 23 000 Euro teure Schälmaschine angeschafft worden. Und samstags sind zwei Mitarbeiter da und schälen, sagt der Chef über viele ertragssichere Felder mit leckeren Früchten.

(gaha)