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Ratingen: Front gegen Bankenabgabe

Ratingen : Front gegen Bankenabgabe

Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert (HRV) wehrt sich gegen Bankenabgabe. Guter Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2010. Kreditklemme ist kein Thema.

Der Staat will mit einer Bankenabgabe die Kreditinstitute für die nächste Krise in die Pflicht nehmen. So sollen voraussichtlich alle Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken zukünftig in einen Restrukturierungsfonds einzahlen, der dann im Falle einer Bankenpleite die entstehenden Verluste übernimmt. Bei der jüngsten Krise mussten bekanntlich die Steuerzahler diese Kosten tragen. Widerstände gegen die Bankabgabe gibt es bei allen Sparkassen, so auch der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert (HRV).

"Für uns stellt sich die Frage, ob die Bankenabgabe der richtige Weg zur Lösung einer Krise ist. Wir sagen: Nein! Denn allein bei der Hypo Real Estate hätte es rund 100 Jahre gedauert, den Fonds bei der angedachten jährlichen Leistung aller Institute von rund 1,2 Milliarden so zu füllen, um den entstandenen Schaden aufzufangen. Wir meinen vielmehr, dass nach dem Verursacherprinzip vorgegangen werden sollte: Für risikoreiche Bankgeschäfte müssten die beteiligten Institute haften und ihre Aktivitäten mit entsprechendem Eigenkapital unterlegen", so Wolfgang Busch, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse HRV.

"Daneben ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass wir zahlen sollen, da derartige Risiken aus unserem Geschäftsmodell —Versorgung der mittelständigen Kundschaft- nicht resultieren können."

Sicherheit für alle Kunden

Busch weist in diesem Zusammenhang auch auf die Sicherheit für alle Sparkassenkunden hin. So gibt es für Sparer nicht nur die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 50 000 Euro, sondern darüber hinaus die Institutssicherung des Sparkassenlagers, die für darüber hinausgehende Beträge bei einer Institutspleite eintritt. Eine Tochtergesellschaft der Sparkasse HRV ist die WestLB in Düsseldorf.

Dieses Institut hat durch risikoreiche Geschäfte in den vergangenen Jahren hohe Verluste, die auch die Sparkasse HRV belastet haben, eingefahren. "Die WestLB sollte in den Bankenfonds einzahlen, solange das bisherige Geschäftsmodell dieser Bank noch existiert. Was unsere Haftung für die Düsseldorfer Bank anbelangt, bilden wir eine jährliche Rückstellung für sich eventuell noch ergebende Risiken, sind aber zuversichtlich, dass dieses Thema bald erledigt ist", so Busch. Es scheint sich abzuzeichnen, dass auch die Sparkassen um die Bankenabgabe nicht herumkommen.

Nur, wer zahlt die Zeche? Hierzu Busch: "Es gibt zwei Möglichkeiten. Sofern wir die Bankenabgabe aus unserem Gewinn bezahlen, können wir weniger ausschütten. Die zweite Möglichkeit ist, dass wir zusätzliche Erträge durch höhere Zinsen oder mehr Provisionen erwirtschaften müssen, was aber am Markt schwer durchzusetzen ist. Egal welcher Weg gewählt wird, es wird immer zu Lasten unserer Region gehen."

Freude kommt bei Busch bezüglich des ersten Halbjahres 2010 auf. "Unser Geschäft hat sich in den ersten sechs Monaten diesen Jahres — für uns überraschend nach dem letztjährigen Konjunktureinbruch — sehr gut entwickelt. Wir liegen im Ergebnis drei Prozent über vergleichbarem Vorjahreszeitraum."

Hohe Zuwächse konnte die Sparkasse dabei bei den Einlagen und im Bereich Altersvorsorge verzeichnen. Das Kreditgeschäft verläuft noch zurückhaltend, hier sind die Firmen angesichts des Konjunkturschocks des vergangenen Jahres noch nicht bereit, größere Investitionen einzugehen. Busch weist dabei auch noch einmal darauf hin, dass "eine Kreditklemme bei der Sparkasse HRV kein Thema ist".

(RP)