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Breitscheid: Frau Professor Jazz erzählt

Breitscheid : Frau Professor Jazz erzählt

Ilse Storb ist nicht nur Europas einzige Professorin für Jazzforschung, sondern auch eine welt- und wortgewandte Entertainerin, wie sie im evangelischen Gemeindezentrum Breitscheid bewies. Fortsetzung folgt im September.

Bevor das Konzert mit Ilse Storb, einzige Professorin für Jazzforschung in Europa und gebürtige Essenerin, im evangelischen Gemeindezentrum überhaupt begonnen hatte, war bereits klar: Neben der Musik liebt diese weltgewandte Frau das Unterhalten und Erzählen. Deswegen wollte sie ihr Konzert auch nicht in der "wunderschönen Waldkirche" geben. "Da kommt man ja gar nicht an die Leute ran, und ich würde mich dem Publikum doch am liebsten auf den Schoß setzen", sagte Storb, bevor es losging.

Ilse Storb hat sogar Stefan Raab in seiner Sendung "TV total" an die Grenzen seiner Schlagfertigkeit gebracht. Dass sie schon im Fernsehen war, hat sie ihrem beachtlichen Lebenslauf zu verdanken. Sie wurde für ihre Arbeit für die "Völkerverständigung durch Musik" mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, hat einen Doktor- und einen Professorentitel, schrieb mehrere Bücher, reiste um die ganze Welt und ist mittlerweile bald 83 Jahre alt – was man ihr weder ansieht noch anmerkt.

Dabei war ihr Weg als Frau im Jazz nicht immer leicht. "Da ich im Dritten Reich geboren wurde, standen mir nur die Türen zum klassischen Piano offen, Jazz war natürlich strengstens verboten." Doch auch in der heutigen Zeit werde der Jazz diskriminiert, meint Storb: "Versuchen Sie mal, eine Doktorarbeit über Jazz in Europa loszuwerden, das ist praktisch unmöglich." Sie promovierte über Debussy, dessen Stück "Voiles" zu ihrem Programm gehört. Auch musikalisch agierte Storb sehr impulsiv und außergewöhnlich. Mitgebracht hatte sie Jürgen Koch, Hobbysaxophonist und hauptberuflich Ingenieur, der auch bei klassischen Stücken zu Beginn des Abends, beispielsweise bei Bachs Violin-Konzert Nr.1 oder einem Adagio von Albinoni, gemeinsam mit Storb ein Duett am Piano spielte. Wie man als Ingenieur zum Saxophonspieler wird, wollte Storb auch noch erzählen: "Die Idee kam ihm in einem Traum, vorher hat er noch nie Saxophon gespielt". Die Synthese von Piano und Saxophon, das kein klassisches Instrument ist und erst lange nach Bachs Zeiten erfunden wurde, geriet erstaunlich gut. In "The Duke meets Darius Milhaud and Arnold Schönberg" von Dave Brubeck gelang es Storb, Jazz und Klassik auf dem Klavier zu vereinen. "Klatschen sie bitte schon mal vorher, denn das ist sauschwierig", verkündete sie und spielte dann die für den Komponisten typische Vereinigung verschiedener Jazzstile so gut, dass sie auch nachher gewaltigen Applaus bekam. Bleibt zu hoffen, dass zu ihrem nächsten Konzert (siehe Infokasten) mehr Zuschauer kommen.

(lub)