Weiterdenken in der Niederberger Industrie KI - mehr als eine Zauberfomel

Heiligenhaus · Fachtagung „Künstliche Intelligenz in der industriellen Fertigung“ bei der Schlüsselregion - was Firmenvertreter bei den Gastgebern lernten.

 Peter Jülicher, Kira Jülicher und Maximilian Reinhold (von rechts) der Firma Cours führten die Besucher der Schlüsselregion-Fachtagung. durch ihre Produktion.

Peter Jülicher, Kira Jülicher und Maximilian Reinhold (von rechts) der Firma Cours führten die Besucher der Schlüsselregion-Fachtagung. durch ihre Produktion.

Foto: RP/A. Blazy/Schlüsselregion

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Campus-Standortsprecher Professor Markus Lemmen künftigen Absolventen nicht hervorragende Berufsaussichten prognostiziert. Die andere Seite der Medaille: In wenigen Jahren werde eklatanter Fachkräftemangel herrschen. Der Campus der Hochschule Bochum hat sich in seinem Studienangebot auf ein Thema besonders eingestellt: Künstliche Intelligenz. Das ist kein Stück Zukunftsmusik, wie die jüngste Veranstaltung des Unternehmensnetzwerks Schlüsselregion erkennen lässt.

Einen Text von ChatGPT erstellen lassen - das kennen mittlerweile viele und nutzen es im Alltag. Doch wie lässt sich Künstliche Intelligenz (KI) auch in der Arbeitswelt einsetzen? Und kann KI noch mehr, insbesondere in der industriellen Fertigung? Diese Frage hat die Fachtagung des Firmennetzwerks Schlüsselregion mit einem klaren Ja beantwortet. Anhand ganz konkreter Beispiele aus der Praxis konnten die 40 Teilnehmenden erfahren, wie andere Betriebe Künstliche Intelligenz bereits nutzen.

Insbesondere das KI- und Automationsprojekt der Velberter Cours GmbH & Co. KG war ein großes Thema der Fachtagung. Cours hat ein in der Galvanotechnik erstmalig eingesetztes Konzept entwickelt, mit dem die gesamte Fertigungsplanung KI-gestützt funktioniert. Ein elementarer Bestandteil sind autonome mobile Roboter, die mittels SLAM-Algorithmus und LiDAR-Sensorik bestückte Warenträger durch die Halle fahren.

Im theoretischen Vortrag berichteten Kira Jülicher und Maximilian Reinhold von Cours im Detail von dem Konzept und der vorangegangenen Planung. Im Anschluss konnten sich die Teilnehmenden die Projektergebnisse vor Ort im Betrieb anschauen - angefangen bei der Vorbereitung der Ware mit einem smarten Hebekippgerät, über die automatisierte Bestückungsrobotikanlage, die direkt an die Galvano-Gestellanlage angebunden ist, bis hin zur Intralogistik, die nun vollständig durch die autonomen mobilen Roboter abgebildet wird.

„So können wir effizienter arbeiten, Ressourcen sparen, unsere Arbeitsplätze attraktiver gestalten und uns gegen den drohenden Fachkräftemangel wappnen“, sagte Jülicher. Dass die neue Technik große Chancen bietet, führte auch Carsten Will von der AS Glas- und Gebäudereinigung aus, die mittels KI ein neues Geschäftsfeld aufgebaut hat. Die Velberter Reinigungsfirma nutzt Künstliche Intelligenz, um Schulungsvideos automatisiert in alle gewünschten Sprachen zu transformieren. Das klappt so gut, dass AS diese Technologie auch anderen Firmen der Branche als KI-Dienstleistung anbietet.

Und auch Dr. Philipp Sieberg von der Schotte Automotive GmbH & Co. KG hat bei sich im Betrieb Chancen der KI erkannt und berichtete bei der Schlüsselregion über sein aktuelles Projekt: Sein Team entwickelt ein KI-gestütztes Tool für die Disposition. Darin fließen Unternehmensdaten aus der Vergangenheit ein, aber auch Wetterdaten, die für weltweite Lieferketten relevant sein können, oder die aktuelle Unternehmenssituation. Das soll die Planung von Lieferungen und Aufträge vereinfachen und die Disponenten entlasten. „Dabei binden wir unsere Beschäftigten von Anfang an in dem Prozess ein, wir wollen den Disponenten ja nicht ersetzen, sondern bestmöglich unterstützen“, erklärt Dr. Sieberg.

Dr. Alexander Dominicus von der Hochschule Bochum zeigte dann Möglichkeiten auf, wie ChatGPT im beruflichen Kontext genutzt werden kann, etwa zum Formulieren von Texten, Erstellen von Excel-Tabellen oder zur komplexen Datenanalyse. „Ich muss erstmal herausfinden, dass es in meinem Berufsalltag Vorgänge gibt, die ich optimieren kann. Das Problem selbst dann mittels KI zu lösen, ist meist sehr einfach“, so Dr. Dominicus.

Insgesamt - so das Fazit der Organisatoren - zeigte die Fachtagung, dass Künstliche Intelligenz weit über bereits laufende Automatisierungsprozesse hinaus geht und dem drohenden Fachkräftemangel an einigen Stellen entgegenwirken kann.

(RP/köh)
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