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Firma Wilhelm Winter aus Ratingen besteht seit 75 Jahren

Unternehmen in Ratingen : Ratinger Firma liefert in die ganze Welt

Seit 75 Jahren baut die Firma Wilhelm Winter Pumpen und Maschinen. Betriebe in den ganz entlegenen Winkeln der Welt gehören zu ihren Kunden, aber auch Nato oder Bundeswehr. Eine traditionsreiche Firmengeschichte.

Jost Winter erinnert sich noch gut an den Tag, an dem er entschied, das Unternehmen seines Vaters Wilhelm Winter zu übernehmen. Der Vater war ein erstklassiger Ingenieur, hatte das Unternehmen Maschinenbau Winter gleich nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Taufe gehoben. In seinem Wohnhaus an der Homberger Straße plante er Pumpen für die Landwirtschaft.

Es dauerte nicht lange, bis sich der Ratinger als „Pumpen-Willi“ in der Branche einen Ruf erworben hatte. Schon bald fertigte er in einer benachbarten Scheune die ersten Maschinen selbst. Das anfängliche Portfolio bestehend aus Ölmühlen, Rübenpressen und Fäkalienpumpen wurde kontinuierlich erweitert.

Sohn Jost, ohnehin im elterlichen Betrieb groß geworden, trat in die Fußstapfen des Vaters und wurde ebenfalls Ingenieur. Schon als Kind schaute er den Mitarbeitern in der heimischen Werkstatt über die Schulter. 1964 trat er ins Unternehmen ein und übernahm schließlich 1973 die alleinige Geschäftsführung. Es gab durchaus einige Ratinger, die ihm die Führung des Unternehmens nicht zutrauten. „Das schaffst du nie“, sagten sie.

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Jost Winter ließ sich nicht beirren. „Das war eine aufregende Zeit“, sagt er heute. Er knüpfte Kontakte zu Kunden, putzte regelrecht Klinken, um seine Produkte an den Mann zu bringen, reiste durch die ganze Welt, um neue Märkte zu erschließen. „Manchmal war es auch ein bisschen gefährlich“, so Jost Winter im Rückblick. Doch der Erfolg gab ihm recht. Seine Maschinen stehen in Kairo, Neu-Delhi und fast allen europäischen Ländern.

Winter hatte ein Auge für mechanische Probleme und deren Lösungen. So wurde ein Besuch auf der Hannover Messe eher zufällig zu einem festen Standbein in der Produktpalette der Firma. Ein Übertragungswagen fuhr den ganzen Tag über das Gelände, um sich immer neu zu positionieren. Winter erfasste das Problem schnell: „Ich baue euch einen Positionnierer für die Antenne, dass diese sich dreht“, versprach er, fuhr nach Hause und machte sich ans Werk. Winters Rotoren funktionierten so gut, dass bald Rundfunkanstalten, Post, Bundeswehr, Bundesmetzagentur und Nato aufmerksam wurden. Sie alle zählen heute zu Kunden des Ratinger Unternehmens.

Die Maschinen wurden im Laufe der Jahre immer größer und damit auch die Fertigungshallen. Heute gehören mehrere Gebäude an der Dechenstraße zum Betrieb. Winter Maschinenbau fertigt und montiert Anlagen zur Blechverarbeitung zum Beispiel für die Herstellung von Heizkörpern, hydraulische Prüfeinrichtungen für Großrohre, Hydraulikaggregate und -zylinder zum Einsatz in Müllverbrennungsanlagen, Antennenrotoren und -steuerungen, Outdoorgetriebe oder bietet Sonderlösungen für die unterschiedlichsten Problemstellungen an.

Im heimischen Betrieb hielt ihm Ehefrau Sigrun den Rücken frei. Sie kümmerte sich um die Buchhaltung, Auftragsabwicklung, Übersetzungen und den Export. Hin und wieder begleitete sie ihren Mann auf seinen Auslandsreisen. Viele Kunden hielten der Firma jahrzehntelang die Treue, wurden zum Teil sogar Freunde. So stand für einen befreundeten Schaustellerbetrieb aus Düsseldorf stets die Werkstatttür offen. Mussten zwischen zwei Veranstaltungen Teile des  Riesenrads repariert werden, war die Familie Winter zur Stelle.

Inzwischen führen die Söhne Thomas und Stefan Winter das Unternehmen weiter. Bei einigen Kunden hat ebenfalls längst ein Generationenwechsel stattgefunden. „Kurze Wege, schnelle Lösungen, Verlässlichkeit und Vertrauen“, umschreibt Stefan Winter das, was die Kunden an dem Familienbetrieb schätzen. Auch wenn es ein paar Jahre dauert, bis sich ein Geschäftspartner wieder meldet. „Kunden haben zu uns Kontakt aufgenommen, weil die Maschine einen Firmenschild mit der Aufschrift Wilhelm Winter trug“, berichtet Thomas Winter.

Jost Winter, der vor einigen Tagen seinen 84. Geburtstag feierte, kann über die Zweifler von damals heute lächeln. Seine Firma feiert ihren 75. Geburtstag und steht wirtschaftlich gesund da. Der Einsatz hat sich gelohnt. „Ich war mehr als 50 Jahre in der ganzen Welt unterwegs, habe viele Menschen kennengelernt“, resümiert er heute. Die Lust am Reisen ist geblieben. Sofern Corona nicht dazwischenfunkt, sind Jost und Sigrun Winter auch heute noch gern unterwegs. Einen eigenen Parkplatz in der Firma – den hat Jost Winter aber heute noch, auch wenn die Söhne die Geschäfte führen.