Interview Torsten Schams Feuerwehr: Digitalfunk geht Ende 2016 in Betrieb

Ratingen · Der Kreisbrandmeister hebt den Nutzen der neuen Technik hervor. Auf die Kommunen kommen indes hohe Kosten zu.

 Torsten Schams ist Kreisbrandmeister, Dienstsitz Mettmann

Torsten Schams ist Kreisbrandmeister, Dienstsitz Mettmann

Foto: Janicki

Herr Schams, im Kreis Mettmann befindet sich eine von vier Leitstellen in NRW, in denen die Umrüstung auf digitalen Funk als Pilotprojekt läuft. Wie geht es voran?

Schams Wir gehen davon aus, dass die Migration der Digitalfunk-Schnittstelle der Kreisleitstelle im Herbst abgeschlossen ist. Gesteuert vom Innenministerium entwickeln wir zusammen mit den Feuerwehren, den Hilfsorganisationen und der Industrie den Standard, der künftig landes- und bundesweit gelten soll. Die Umstellung ist ein Bundesprojekt, das auf Landesebene umgesetzt wird. Derzeit läuft der erweiterte Probebetrieb. Ich rechne damit, dass im Dezember der "First Call" über Digitalfunk abgesetzt wird.

Die Kommunen hinken teilweise hinterher. Erst kürzlich hat Monheim 160 000 Euro nachträglich in den Haushalt aufgenommen, um die Systemumstellung zu finanzieren. Ratingen ist hingegen schon deutlich weiter. Woran liegt das?

Schams Die Beschaffung der Digitalfunktechnik und die Schulung der Einsatzkräfte obliegt originär der kommunalen Selbstverwaltung, so dass die Gründe für eine spätere Beschaffung der notwendigen Technik von hier aus nicht beurteilt werden können. Da die Städte im Südkreis nicht auf die Kreisleitstelle aufgeschaltet sind und eigene Nachrichtenzentralen betreiben, müssen hier gegebenenfalls individuelle Lösungen geschaffen werden, welche erhöhten Aufwand bedeuten würden. Trotzdem wird auch dort der digitale Funk eingeführt. Auch die Haushaltslage der jeweiligen Städte spielt eine Rolle. Für die Umstellung auf digitalen Funk müssen die Kämmerer viel Geld in die Hand nehmen.

Wofür wird das Geld ausgegeben?

Schams Es werden derzeit im Kreis Mettmann etwa 350 Funkgeräte fest in Fahrzeugen verbaut. Hinzu kommen etwa 650 Funkgeräte für den Handsprechfunkbetrieb. Alleine daraus ergeben sich Kosten in Höhe von 1,5 bis 1,8 Millionen Euro. Auch die Schulung des Personals sowie die Unterhaltung des Systems kostet Geld.

Welche Vorteile bietet die neue Technik für die Abläufe im Rettungswesen insgesamt?

Schams Am Ende der Entwicklung soll ein bundesweit einheitliches Netz entstehen, das Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und andere Hilfsorganisationen auch im Rahmen des Katastrophenschutzes verbindet. Das erleichtert viele Abläufe enorm. Die Sprachqualität ist bedeutend besser, und es gibt keine Probleme mehr mit analogen Systemen, die nicht kompatibel sind, wenn man von Stadt zu Stadt oder darüber hinaus zu einem Einsatz fahren muss. Das digitale Netz ist verschlüsselt und kann nicht ohne weiteres abgehört werden.

Wie ist der genaue Zeitplan?

Schams Wann genau Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz in den endgültigen Betrieb einsteigen, ist noch nicht genau vorherzusagen. Die derzeitigen Planungen gehen davon aus, dass bis Ende des Jahres 2016 alle 53 nichtpolizeilichen Leitstellen in Nordrhein-Westfalen (NRW) betriebsbereit sein werden. Im Moment suchen wir noch Lösungen für einige Detailfragen.

DIE FRAGEN STELLTE D. AUDERSCH.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort