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Fasten mit Gedanken und Worten

Angedacht : Sich selbst sortieren: Fasten mit Gedanken und Worten

Kaum jemals zuvor hat mich der Beginn der Fastenzeit so berührt. Ob es um die Ereignisse in Hanau oder in Volkmarsen ging: Es ist so deutlich, dass der Wurm drin ist in unserem Land.

Bei Mitbürgern mit ausländischen Wurzeln mussten wir erst einmal wieder mit einem Lächeln und Gesprächen Vertrauen schaffen. Und viele von uns haben zunehmend das Gefühl: Solche Nachrichten sollte es nicht geben – in dem Land, das wir uns seit 1945 aufgebaut haben.

Es passt nicht. Wir waren schon weiter in der Qualität des Zusammenlebens. Umso wichtiger kann die Fastenzeit für uns werden. Nicht als Gelegenheit, endlich einmal längst fälligen Verzicht wahrzumachen. Sondern als eine Gelegenheit, uns selbst zu sortieren und über unsere Gedanken und Worte Gericht zu halten.

Dabei kann dann das körperliche Fasten sicher helfen – aber es braucht nicht die Hauptsache zu sein. Kehren wir vor allem um mit Gedanken und Worten! So wie wir es hören, wenn wir das Aschenkreuz als Zeichen der Buße bekommen: „Kehr um und glaube an das Evangelium.“

Was denke ich eigentlich? Sind mir andere Menschen egal oder vielleicht sogar lästig? Will ich im Grunde schon lange nicht mehr, dass es anderen so gut geht wie mir?

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Will ich überhaupt Kontakt, Austausch mit Menschen, die nicht zum Familien- oder Freundeskreis gehören? Wie viel von dem, was andere mir sagen, nehme ich wahr? Wieviel Kritik höre ich so, dass ich sie für mich selbst annehme und fruchtbar mache?

Dann kann ich auch über meine Worte nachdenken: Wie viel Zeit und Aufmerksamkeit nehme ich mir im Gespräch mit anderen Menschen? Was sage ich ihnen – und wie viel davon bezieht sich wirklich auf den Gesprächspartner und nicht nur auf mich? Wie viel Mut mache ich, wie viel Hilfe bin ich bereit zu geben? Wie viel will ich wirklich von dem Menschen wissen, der mir gegenübersteht?

Es sind eine Menge Fragen. Aber wir haben ja auch viel Zeit, bis die Karwoche beginnt, bis Karfreitag und Ostern die Abgründe und Höhen des Lebens ausloten. Ob wir Ostern wohl sagen können: Mein Fasten hat mir gut getan – vor allem aber anderen Menschen?