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Fall aus Heiligenhaus - Afghane vor dem Landgericht

Heiligenhauer Asylbewerber vor dem Landgericht : Prozess-Auftakt nach Brandstiftung im Übergangsheim

Im Fall von Brandstiftung im Übergangsheim an der Ludgerusstraße muss sich ein 29-Jähriger vor dem Landgericht verantworten. Zeugen und Gutachterin kamen zu Wort.

Nein, ein gern gesehener Gast sei der 29-jährige Afghane nicht gewesen, vor allem nicht bei der Sozialagentur. So haben es Polizeibeamte ausgesagt, die nun als Zeugen in dem Prozess am Wuppertaler Landgericht gehört wurden, in dem sich der Angeklagte wegen Brandstiftung zu verantworten hat.

Von sich selbst überzeugt sei er gewesen („ich bin ein Geschenk Gottes an die Männer!“), dabei distanzlos gegenüber Frauen, die er andererseits verachtete habe. Blitzschnell aggressiv sei er gewesen und ein Störenfried bei vielen Gelegenheiten, so haben ihn die Zeugen beschrieben.

Die Brandstiftung am 21. März in seinem Zimmer im Übergangsheim Ludgerusstraße, die er eher selbstmitleidig gegenüber der Polizei kommentiert haben soll, scheint der vorläufige Gipfel eines immer weiter eskalierenden Verhaltens gewesen zu sein.

Heftige Beschwerden aus seinem bisherigen Wohnheim hatten das Sozialamt zu Konsequenzen veranlasst. Mit Unterstützung der Polizei wurde der Querulant „umgesetzt“: Ihm wurde ein Dreibettzimmer in der Ludgerusstraße zugewiesen, das er alleine bewohnen sollte. Der Protest im Polizeiwagen begann, als er merkte, wo es hingehen sollte. Er riss den Mund-Nasen-Schutz ab, schlug gegen die Vordersitze und wehrte sich, als er dort in den ersten Stock gebracht wurde – fing an zu schreien und warf den Zimmerschlüssel weg. Gegenüber den begleitenden Polizistinnen soll er deutlich geworden sein mit den Worten: „Ich habe Hunger, habe Durst und ich will jetzt eine Frau haben.“ Dazu kündigte er an, er werde Terror machen – ihm gefalle das Zimmer überhaupt nicht, die Matratze rieche nach Fäkalien.

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Bereits am Vortag war er von der Polizei in einer Bäckerei aufgegriffen worden, in der er randaliert hatte. Gleich zwei Einsatzwagen waren notwendig, um den Aufbrausenden zu Boden zu bringen und zu fesseln, das gleiche noch einmal auf der Wache. Dass dieser Vorfall mit der Brandstiftung zusammenhängen könnte – bei der drei Matratzen angezündet worden waren, die Fenster des Zimmers zersprungen, selbst die Zimmertür verbrannt und das Heim teilweise unbewohnbar wurde - war der Polizei nicht sofort klar. Der Randalierer nutzte mehrere Identitäten, erst beim Blick auf einen Briefumschlag bei seiner Durchsuchung und dem Abgleich in einer Falschnamen-Datei konnten die tatsächlichen Personalien festgestellt werden. Seine Reaktionen auf den Brand selbst und seine Festnahme sollen ähnlich aufbrausend gewesen sein. Zwischen distanzloser Ansprache der Polizistinnen („Ihr werdet mir die Füße küssen“) über Aggressivität gegenüber den Polizisten bis hin zur geäußerten Angst vor dem Gefängnis war alles vertreten - auch die Klage darüber, dass er sich seit zwei Jahren im Kopf kontrolliert fühle, da sei irgendwas, und er wolle nur noch Hause.

Die naheliegende Frage nach Alkohol- oder Rauschgifteinfluss, wie sie vor allem die Gutachterin an die Zeugen stellte, konnte keiner zweifelsfrei beantworten – in der Richtung sei er unauffällig gewesen. Über mögliche seelische Probleme wird sie im Gutachten berichten müssen.

Vor dem Landgericht Wuppertal ließ sich der Brandstifter nicht über seine Tat oder seine Motive aus – fatalistisch sein Satz: „Sie können mich verurteilen, zu was sie wollen. Ich habe nichts zu sagen.“ Ob er sein nach der Tat bei der Polizei abgelegtes Geständnis vor Gericht wiederholen wird, ist noch nicht klar. Sein Anwalt stellt aber in den Raum: „Er möchte seine Freiheit wiederhaben, dem ordnet er alles unter.“ Der Prozess wird fortgesetzt.