Fair-Trade-Town : Mehr fairer Handel

Lena Steinhäuser ist für das Thema fairer Handel bei der Stadtverwaltung zuständig. Ihre Stelle wurde gerade um zwei Jahre verlängert.

Die Stadt ist Nummer 560 auf der Liste der deutschen Fair-Trade-Towns, zertifiziert am 27. September vergangenen Jahres. Für Lisa Steinhäuser, Projektkoordinatorin in der Stadt Ratingen, kein Anlass, um sich auszuruhen, denn im Jahr 2020 steht die Rezertifizierung an. Die Auszeichnung wird nicht auf Lebenszeit verliehen, die Städte müssen vielmehr alle zwei Jahre nachweisen, dass sie ihren erreichten Standard auch halten oder sogar ausbauen können.

Und Lisa Steinhäuser hat den Ehrgeiz, noch ein Stück mehr fairen Handel in die Stadt zu holen. Ihre Stelle ist gerade um zwei Jahre verlängert worden, was sie sehr freut. Und sie hat schon so einige Ideen, wie noch mehr fair gehandelte Produkte in den Alltag der Stadtverwaltung integriert werden könnten. Beispielsweise beim Kauf von Arbeitskleidung, seien es nun die neuen Uniformen für die Feuerwehr, die Arbeitshose für den Hausmeister oder die Sicherheitsschuhe der städtischen Mitarbeiter. Informationen für die Beschaffer sind da das A und O. In einem Strategie-Workshop soll deshalb gezeigt werden, welche Siegel es gibt und welche relevant sind.

Ein weiterer Ansatzpunkt, um fair gehandelte Produkte salonfähig zu machen, ist der Sportunterricht an Schulen. „In Zusammenarbeit mit dem Sportamt werden fair gehandelte Bälle im Sportunterricht auf ihre Tauglichkeit getestet“, sagt Steinhäuser. „Die Stadt München kauft solche fair gehandelten Bälle bereits für ihre Schulen.“ Dort haben sie sich im Praxistest bewiesen.

Voraussetzung für die Zertifizierung zur Fair-Trade-Town war, dass im Büro des Bürgermeisters und bei Ratssitzungen fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt wird. Lisa Steinhäuser würde dies gerne auf alle Bereich der Stadtverwaltung ausweiten. Die städtischen Seniorentreffs haben die Idee längst aufgegriffen. Und denkbar wäre es nach Meinung von Lisa Steinhäuser, dass man dieses Angebot auch auf die künftige Kantine im neuen Rathaus ausdehnen könnte.

Allein aber kann Lisa Steinhäuser den eingeschlagenen Weg zum fairen Handel nicht weiter gehen. „Es ist wichtig, dass Leute aus der Steuerungsgruppe dabei bleiben“, sagt sie. Und natürlich die vielen Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinde, die regelmäßig nach den Gottesdiensten fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Tee und Schokolade verkaufen.

In den großen Supermärkten sind fair gehandelte Produkte längst Bestandteil des Sortiments. Steinhäuser möchte aber auch den Einzelhandel noch mehr ermutigen, ihr Angebot darauf einzustellen und damit zu werben. Denn auch wenn das Thema fairer Handel längst kein Nischenthema mehr ist, scheuen sich manche Händler dennoch, diese Produkte herauszustellen.

Mitmachen kann übrigens jeder. Das Cüppers-Berufskolleg hat sich beispielsweise erfolgreich als Fair-Trade-Schule beworben. Die Liebfrauenschule ist auf dem Weg dorthin. Aber auch Grundschulen, Kitas, Kirchen- oder Moscheegemeinden sind willkommen, die Fair-Trade-Gemeinde in Ratingen noch ein bisschen größer zu machen. Denn dann dürfte der Rezertifizierung garantiert nichts mehr im Wege stehen.