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Erinnerungen an früheren Ratinger Wirtschaftsboom

Ratinger Wirtschaftsgeschichte : Industriepfad macht Geschichte lebendig

Stelen erzählen Kapitel stolzer Industriegeschichte. Sie erinnern an erfolgreiche Innovationen und Produktionsstätten, aber auch an menschliche Schicksale. Nun wurden vier weitere Informationstafeln auf Cortenstahl vorgestellt.

Michael Lumer, der Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde und Heimatpflege Ratingen, war am vergangenen Samstag ganz in seinem Element und mittendrin in einer Gästeschar, die aufmerksam lauschte.

Corona hatte die offizielle Einweihung weiterer Stelen wegen massiver Beschränkungen vor längerer Zeit verhindert, jetzt konnte das Ganze endlich nachgeholt werden. Informationstafeln auf Cortenstahl mit Rostpatina erinnern an Ratinger Industriegeschichte, die bedeutend war, die enorme Strahlkraft hatte und voller Innovationen steckte.

Man nehme nur die Deutsche Last-Automobil-Aktiengesellschaft (DAAG), die zwischen 1910 und 1930 existierte. Eine Stele erinnert an dieses Unternehmen, das zu seiner Zeit der wichtigste und größte Arbeitgeber der Stadt war – mit rund 1200 Mitarbeitern. Mit der Übernahme der Aktienmehrheit durch die Firma Krupp aus Essen verschwand die DAAG von der Bildfläche. Viele Menschen verloren ihre Arbeitsplätze.

Die Informationstafel berichtet verständlich und skizzenhaft, wie die Produktion damals brummte, welche Tatkraft (heute würde man sagen: Power) im Unternehmen steckte. Da wurden unzählige Lkw und Busse hergestellt, zum Beispiel auch für den Zirkus Sarrasani.

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Lumer stellte drei weitere Stelen in Ost vor: Düsseldorfer Eisenhütten-Gesellschaft, Balcke-Dürr und Ratinger Maschinenfabrik und Eisengießerei AG. 16 Stelen gibt es nun auf dem Ratinger Industriepfad, weitere sollen hinzukommen.

Die Idee, diesen lehrreichen Pfad einzurichten, entstand im Zusammenhang mit der Ausstellung „Antrieb und Spannung – 250 Jahre Industriegeschichte Ratingen im LVR-Industriemuseum, Textilfabrik Cromford“ (September 2010 bis Mai 2011). Lumer hat die Stationen des Industriepfads kenntnisreich zusammengestellt – und seit 2010 bietet er auch Fahrradtouren zu ausgewählten Stationen an.

„Michael Lumer ist sozusagen der Architekt des Industriepfads“, betonte Olaf Tünkers, Vorsitzender des Unternehmensverbandes Ratingen. In seiner Firma werden die Stelen hergestellt.

Auch dies ist wichtig zu wissen: Der Industriepfad stellt nicht nur historische Standorte, sondern auch in jüngerer Zeit entstandene Industriekomplexe vor – wie zum Beispiel die Ansiedlungen auf dem ehemaligen Balcke-Dürr-Gelände. Außerdem werden nicht mehr existente Standorte wie die Bergbauanlagen in Lintorf einbezogen.

Ein eigener Arbeitskreis kümmert sich beharrlich um die Weiterentwicklung des Industriepfads. Ihm gehören an: Freunde und Förderer des Industriemuseums Cromford, LVR-Industriemuseum, Textilfabrik Cromford, Verein Lintorfer Heimatfreunde, Verein für Heimatkunde und Heimatpflege Ratingen, Ratinger Jonges und Unternehmensverband Ratingen.

Und so war klar, dass sich zahlreiche Vertreter dieser Vereine und Institutionen zur offiziellen Vorstellung der Stelen einfanden. Am Ende war der Wissenshunger gestillt. Felix Kels (Edeka Kels) lud anschließend noch zu einem Imbiss ein. Und dabei konnte man weiter über vergangene Zeiten plaudern. Botschaft: Der Industriepfad hält die Erinnerung an lokale Wirtschaftsgeschichte wach.

Und man freut sich schon jetzt auf die nächsten Stelen, denn die Ratinger Industriegeschichte hat noch viele Facetten.