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Erik Kleine Vennekate pendelt wöchentlich von Ratingen nach Meppen

Ein Ratinger auf Reisen : Ex-Stadtarchivar hat neuen Wirkungskreis

Erik Kleine Vennekate arbeitete lange Jahre im Ratinger Stadtarchiv. Beruflich sucht er nun im Emsland eine neue Herausforderung. Privat ist er seiner Heimatstadt treu geblieben. Das bedeutet: pendeln.

Für manch einen ist die Spitze der Veränderung, wenn er die Wände des Wohnzimmers farngrün anstreicht. Für andere sind es die Haarfarbe oder die neue Frisur. Manch eine hat den neuen Weg eingeschlagen, wenn sie sich vom bisherigen Ehemann trennt. Also – da gibt es einiges. Und da gibt es einen, der hat in der späteren Jugend – mit der Heirat – seinen Kindernamen abgegeben und den seiner Frau angenommen. Und im vergangenen Jahr als flotter Fünfziger einen Job begonnen, dem er sich gut zwei Autostunden von Ratingen widmet. Allerdings in der Heimat seiner Frau. Die wiederum ist in seiner Heimat Ratingen geblieben.

Was sich so verwegen anhört, ist das derzeitige Leben von Erik Kleine Vennekate. Er ist seit dem letzten Jahr in Meppen beruflich verankert, im Archiv der Kreisverwaltung Emsland. Die Kreisverwaltung in Meppen ist etwa so groß wie die in Ratingen, das Einzugsgebiet allerdings mit gut 320.000 Einwohnern doch schon üppiger.

Das Archiv erinnert sich, wie jedes Archiv, ewige Zeiten zurück, wenngleich es erst seit 30 Jahren im Aufbau ist. Doch dort haben schon gleich modernste Arbeitsmittel Einzug gefunden, ist eine erfreuliche Kooperation üblich. Als er sich vor geraumer Zeit umtat, um nach einer Veränderung Ausschau zu halten, stieß Kleine Vennekate auf den Job, den er nun mit großer Begeisterung ausfüllt. Familiär war man sich schon bald einig: Die Ehefrau hat eine Beschäftigung in Ratingen, die sie schätzt, die Kinder sind das, was man „groß“ nennt, und die Arbeitszeit stimmt auch.

Jeden Donnerstag steht die Heimreise nach Ratingen an – freitags wird im Home gearbeitet – und montags geht es in der Früh wieder für 180 Kilometer auf die Piste. Alles machbar – allerdings kaum mit dem Zug, denn der erfordert doch zu umständliche Strecken. In Meppen geht’s dann wieder aufs Fahrrad.

Kleine Vennekate ist Diplom-Verwaltungswirt und kannte das Ratinger Rathaus bestens. Er, der frühere Stadthallen-Manager, hatte zeitweise seine Arbeitszeit eingeschränkt, an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Geschichte studiert, seine Magisterarbeit über Justizopfer im Dritten Reich geschrieben und dann seine Kenntnisse als kompetenter Stadtarchivar in die städtische Verwaltung eingebracht. Das alles geschah in erfreulicher Zusammenarbeit mit Dr. Erika Münster-Schröer, der Archiv- und Bibliotheksleiterin und mit seinem Mitarbeiter Heiko Knappstein. Das kleine Team hat erfreuliche Projekte verwirklicht, auf die Ratingen wirklich stolz sein kann.

Ob es die Zeiten rund um den Ersten und auch den Zweiten Weltkrieg ging, um Projekte kooperativer Digitalisierung im Internet, wo in vergleichenden Veröffentlichungen auch andere Kommunen mitteilten, was wann bei ihnen eine Rolle spielte – Kleine Vennekate war zuverlässig dabei. Und wenn sich ein Historiker erinnert, dann passiert das weniger in Jahrzehnt-Sprüngen – dann wird in Jahrhunderten gedacht.

Kleine Vennekate wohnt auch weiterhin in Ratingen. Er freut sich gleichermaßen auf seinen neuen Wirkungskreis, wo er als flotter Fünfziger immerhin noch 15 Jahre zu arbeiten hat. Die Kreisverwaltung Emsland ist mit 1.300 Mitarbeitern etwa so groß wie die Stadtverwaltung Ratingen und betreut 320.000 Bürger. „Und ich hatte Lust auf etwas Neues in einem gut aufgestellten Archiv mit größerem Team. Obwohl ich natürlich einiges in Ratingen zurücklasse und wir hier tolle Projekte gemacht haben“, meinte er 2019 vor seinem Weggang.

Auch wenn Erik Kleine Vennekate „so weit weg“ arbeitet, kann man das doch eher locker sehen: Er ist an vier Abenden pro Woche in seinem Ratinger Zuhause. Und das ist eine Zahl, auf die ein außerhalb epidemischer Zeiten beruflich tätiger Familienvater manchmal gar nicht kommt. Dazu hat er Spaß an seinem Job. Ob den alle die Berufstätigen haben, die Tag für Tag nach höchstens einer halben Stunde am Schreibtisch sitzen?