Ratingen: Er brachte die Wasserburg auf Vordermann

Ratingen: Er brachte die Wasserburg auf Vordermann

Architekt Bruno Lambart wird am Dienstag 90 Jahre alt. Ihm gehört nicht nur die Burg, sondern auch ein Eifel-Schloss.

Wenn Heiner Geißler (84) über Helmut Schmidt (95) sagt, "der steht unter Denkmalschutz", dann ist das ein Geplänkel zwischen alten Knaben. Wenn man diesseits hohen Alters einen Lebensjubilar mit 90 Jahren sieht, ist Hochachtung angebracht - vor dem Alter, der Lebensleistung. Und, wie im Fall von Bruno Lambart, vor seiner aktuellen Befindlichkeit und all dem, was ihn ausmacht. Am 10. Juni feiert er seinen Geburtstag.

Vor 40 Jahren trat er in das Bewusstsein der meisten Ratinger, als er das ramponierte "Haus zum Haus" in den Wiesen seitlich des Hauser Rings zu einem symbolischen Preis übernahm und es für teuer Geld aus-, auf- und umbauen ließ. Eigentlich war er nur auf der Suche nach einem angemessen großen Raum für sein Architekturbüro gewesen. Nun war er auch noch Burgherr mit trutzigem Ambiente.

"Ich bin ja hier eigentlich der Hausmeister", wirft er jetzt ins Gespräch ein, denn außer der Burg ist er auch noch Besitzer eines Schlosses. Das wuchs ihm und seiner Frau Christa Sommerfeld-Lambart in Gelsdorf am Fuße der Eifel später zu und bietet im Herrenhaus nicht nur dem in Ratingen ansässigen Ehepaar bei Bedarf eine Wohnung, sondern etlichen Familien als direkten Nachbarn oder nebenan in der Vorburg ein Zuhause.

Während ihn also hier eine prosperierende Fast-Großstadt umgibt, sind es in Rheinland-Pfalz gut 1400 Mitbürger, eine Bankfiliale in der Dorfmitte mit Parkplatz und Bankautomat und etliche Bauernhöfe.

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Lambart erlebte seine Jugend in einem guten Elternhaus mit dem älteren Bruder, mit Mutter Franziska, Vater Friedrich, einem Lehrer in der Eifel, in Baumberg und Düsseldorf. Man war zwar sparsam, unternahm aber auch für damalige Verhältnisse weite Reisen an den Bodensee und in den Schwarzwald, ließ die Söhne Tennis spielen und ermöglichte eine ordentliche Ausbildung am Hohenzollern- (dem heutigen Görres-)Gymnasium in Düsseldorf. 1942 wurde dem Pennäler ein Notabitur bescheinigt "einfach so, auf einem simplen Zettel", Bruno Lambart wurde Soldat in Russland und Frankreich, erlebte Krieg und Grauen.

1945 wurde das Abitur nachgeholt, damit Bruno Lambart später das Architekturstudium in Stuttgart aufnehmen konnte. Auch das kostete natürlich wieder, so dass die Anstellung an der Hochschule mit 300 Mark wie ein warmer Regen wirkte. Mutig gründete er 1952 ein Büro in Stuttgart, zwei Jahre später in Düsseldorf.

Die erfolgreiche Teilnahme an öffentlichen Wettbewerben brachte manch einträglichen Bauauftrag - vom Kindergarten bis zur Universität. Es gab zudem Preise jeglicher Art. Das Ehepaar Lambart erinnert sich daran, dass nächtelang Wettbewerbe "geschrubbt" und auf den letzten Drücker zur Post gebracht wurden.

Das ist nun Geschichte. Es gibt vier mittlerweile ziemlich erwachsene Kinder, dazu neun Enkel und einen Urenkel. Und einen Jubilar, der manchem, auch jungen Mann eine ganze Menge an Schlagfertigkeit und vor allem an Charme eine Menge vormacht.

(gaha)
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