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Ratingen: Engpass im Stadtarchiv

Ratingen : Engpass im Stadtarchiv

Ex-Stadtarchivar Joachim Schulz-Hönerlage leitet seit Juli das Kreisarchiv in Mettmann und stellt derzeit die Weichen für dessen Zukunft. In Ratingen sieht es weniger gut aus: Schulz-Hönerlages Nachfolger Erik Kleine Vennekate kann derzeit nur tageweise im Archiv arbeiten.

Grund für den Engpass im Ratinger Stadtarchiv: Der Nachfolger von Erik Kleine Vennekate, der derzeit noch als Stadthallenmanager im Amt für Sport und Freizeit und parallel schon tageweise im Stadtarchiv arbeitet, ist noch nicht da. Kulturamtsleiterin Andrea Töpfer zeigte sich gestern auf RP-Anfrage zuversichtlich, dass das Problem bis zum Jahresende gelöst ist. Wer sich derzeit mit größeren Anfragen an das Archiv wenden will, sollte in jedem Fall einen Termin vereinbaren (siehe Infokasten), werde aber nach wie vor zeitnah bedient, betont Töpfer. Ob der Nachfolger Kleine Vennekates im Stadthallenmanagement von außen oder aus den Reihen der Stadtverwaltung kommt, wollte sie nicht verraten.

Erik Kleine Vennekate ist Diplom-Verwaltungswirt, aber auch Historiker. Neben seiner Arbeit bei der Stadt hat er Geschichte studiert und ein Praktikum im Stadtarchiv gemacht. Sein Vorgänger Joachim Schulz-Hönerlage, der das Ratinger Archiv lange Jahre gemeinsam mit Chefin Erika Münster leitete, ist seit bald vier Monaten neuer Kreisarchivar: "Ich habe mich gut eingelebt und die Einarbeitung kommt nach und nach. Das Arbeitsklima ist gut." Er verwaltet jetzt die etwa 2100 Regalmeter des Kreisarchivs mit Akten, Zeitungen, Fotos, Mikrofilmen und Plakaten. Ältestes Stück ist eine 1810 gedruckte Fassung des Code Napoleon.

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  • Peter Köppen.⇥RP-Foto: Archiv/Blazy
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Mit Landrat Thomas Hendele berät Schulz-Hönerlage derzeit, welche Themen das Kreisarchiv genauer beleuchten und welche Entwicklung es künftig nehmen soll. "Ich möchte die Wurzeln des Kreises aufarbeiten", sagt Hendele. Nicht aus allen Vorgängerinstitutionen des Kreises Mettmann liegen Akten vor, der ehemalige Rhein-Wupper-Kreis ist ein Beispiel. Die Geschichte des Kreises und seiner kreisangehörigen Städte ist vielschichtig. Schulz-Hönerlage sagt: "In Ratingen geht die Überlieferung bis ins Mittelalter zurück." Landrat Hendele ergänzt: "Velbert-Nierenhof liegt geschichtlich in Westfalen und Langenfeld ist mit rund 60 Jahren eine sehr junge Stadt." Beide sind sich einig: "Die kommunale Neugliederung von 1975 ist ein spannender Prozess." Eine zuletzt Anfang der 1990er Jahre veröffentlichte Geschichte des Kreises und seiner Städte soll fortgeschrieben werden. Zum 200. Jahrestag der Gründung der Landkreise in Preußen ist 2016 eine Publikation geplant. Sicher ist, dass die Akten zur geplanten CO-Pipeline Platz im Archiv einnehmen werden. "Dass drei Städte und ein Kreis so kritisch gegen einen Weltkonzern vorgehen, ist sehr selten", sagt Hendele. Das Kreisarchiv will Nachlässe von Personen archivieren, die für den Kreis eine besondere Bedeutung haben, etwa die Landräte. Hendele: "Von mir gibt es auch ein paar Kartons."

Auch die gesammelten Zeitungen, die seit 1850 im Kreisarchiv aufbewahrt werden, sind Schulz-Hönerlage wichtig: "Wie Nachlässe und Zeitzeugen bieten sie oft eine andere Sichtweise auf Dinge." Über seine Ziele sagt er: "Ich möchte die Ordnung und Struktur des Kreisarchivs erneuern, das Archiv weiter öffnen und in der Bevölkerung bekannter machen. Dass ich dabei eigene Vorstellungen mit einbringen kann, finde ich spannend."

Online-Recherche ermöglichen

Online-Recherche möchte er ermöglichen, denn "die große Öffentlichkeit erreicht man nur noch auf diesem Weg." Es ist eine gesetzliche Aufgabe für Gebietskörperschaften, ein Archiv zu führen. "Jeder Bürger hat das Recht, Archivgut einzusehen und zu nutzen. Ein Archiv ist eine demokratische Einrichtung, um Verwaltungshandeln nachzuvollziehen", sagt Schulz-Hönerlage. Er will Archivführungen, Ausstellungen und Vorträge organisieren, kann sich auch Führungen und Fahrten durch den Kreis mit historischen Themen vorstellen. Das Kreisarchiv, Düsseldorfer Straße 47 in Mettmann, ist montags bis donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

(RP/rl)