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Heiligenhaus: Ende der Fastenzeit auf Türkisch

Heiligenhaus : Ende der Fastenzeit auf Türkisch

In der Moschee der türkischen Gemeinde Ditib an der Bahnhofstraße hatten die Mitglieder zum Fastenbrechen nach dem Ramadan Gäste eingeladen, unter anderen auch den Bürgermeister. Das Speisen in der Gemeinschaft ist ein festes Ritual.

Es ist Ramadan, der Fastenmonat im Islam. Für die Muslime der ganzen Welt eine besondere Zeit. Von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang üben sie sich in Askese. "Das Fasten hat viele Bedeutungen. Allen voran ist es eine spirituelle Reinigung, eine innere Einkehr. Und wir gedenken der Menschen, die nicht genug zu essen haben", so erklärt es der Imam der türkischen Gemeinde in Heiligenhaus, Sinan Güler.

Es ist Freitagabend, 20.55 Uhr, kurz nach Sonnenuntergang. Nun steht das Fastenbrechen an, das Sinan Güler mit einem Gebet eröffnet. In der Moschee der türkischen Ditib-Gemeinde an der Bahnhofstraße haben die Mitglieder Gäste eingeladen, um gemeinsam zu speisen. Die Gäste an diesem Abend sind keine Muslime, sondern Vertreter aus dem Rathaus, außerdem von THW, DRK und Polizei. Zu lockeren Gesprächen werden Köstlichkeiten aus der türkischen Küche gereicht. "Wir freuen uns, dass wir unsere deutschen Freunde an unserer Freude am Ramadan teilhaben lassen können. Alle Menschen sind verwandt und so speisen wir im Kreis der Familie", sag Mehmet Yildirim, Geschäftsführer des Ditib-Verbandes. Mit rund 900 angeschlossenen Gemeinden ist die Ditib, die türkisch islamische Union der Anstalt für Religion, der größte türkische Kulturverein in Deutschland. Nach eigener Aussage vertreten sie rund 70 Prozent der in Deutschland lebenden Türken. Das Fasten gehört zu den Hauptpflichten eines Muslimen, davon ausgenommen sind Kinder bis 14 Jahre, Alte und schwer Arbeitende. Kranke dürfen ebenfalls nicht fasten: "Im Koran steht ausdrücklich geschrieben: Wer krank ist und fastet, der begeht Sünde." Das erzählt Ludger Freese, christliches Mitglied der Ditib-Gemeinde. Seit 2008 ist der Sparkassenbetriebswirt aktiver Teil der Gemeinde. Er hilft, wenn es Fragen rund um Behördenbesuche oder Formulare gibt. "In der Gemeinde fühl ich mich sehr wohl." Er weiß um die Probleme der Muslime in Deutschland, trotzdem: "Fanatismus ist wirklich kein Monopol des Islam, man schaue doch nur mal nach Nordirland." Die Heiligenhauser Ditib-Gemeinde sei seiner Erfahrung nach eine offene Gemeinschaft, in der politische Diskussionen nur im begrenzten Rahmen erwünscht sind.

Enger Kontakt zum Rathaus

Der Islam ist in Heiligenhaus präsent, das weiß auch Bürgermeister Jan Heinisch. "Im Gegensatz zu anderen Städten pflegen wir einen engen Kontakt zu der türkischen Gemeinde, das ist keine Selbstverständlichkeit. Es liegt natürlich auch immer an dem handelnden Vorstand, der sich öffnet." So herrsche ein enger Austausch zwischen der Gemeinde und dem Rathaus. "Ein Mehrwert für beide Seiten. Wir wurden daher auch nicht schriftlich, sondern persönlich von Vertretern der Gemeinde eingeladen, bei ihrem letzten Besuch im Rathaus." Vor dem Fasten selbst hat der erste Mann der Stadt großen Respekt: "Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man den ganzen Tag nichts essen darf."

(sade)