Emily hat trotz Handicap ein Handicap

Sport : Emily hat trotz Handicap ein Handicap

Emily Träm ist leidenschaftliche Golferin. Am Samstag wird sie an der „matchball-trophy“ auf der Anlage des Golfclubs Hösel teilnehmen.

Eins haben alle Menschen mit Down-Syndrom gemein: Sie zeigen sehr deutlich ihre Gefühle, sind in jeglicher Hinsicht authentisch – und das gilt auch für Emily Träm. Die Laune der 23-Jährigen ist gerade ziemlich im Keller, es regnet auf dem Platz, es windet, es ist kalt und nun soll die junge Golferin auch noch freundlich lächelnd in die Kamera schauen. „Mann, das ist doof hier, das Wetter“, mokiert sie mit klaren Worten und zieht sich die Mütze noch ein wenig tiefer ins Gesicht, „und ich lasse die Mütze auf, basta.“

Dann aber sind die Bilder im Kasten und mit der Möglichkeit, nun endlich ins Trockene und Warme zu kommen, steigt auch ihre Stimmung – und vor allem: ihre Gesprächigkeit. „Hier ist es viel schöner“; schwärmt Emily und lacht erleichtert, als sie ihren Golfwagen mit den Schlägern unter einem Vordach abstellen und ins Trockene kann. Vor allem aber kann auch Billy jetzt nicht mehr nass werden. „Das ist mein Aufpasser auf dem Platz. Der ist immer lieb zu mir“, erklärt die Ratingerin und streichelt mit der Hand über einen braun-weißen Plüschhund, schenkt ihre Aufmerksamkeit dann aber ihrer Golfausrüstung.

„Ich habe ein 7er Eisen und einen Putter und wenn du Golf spielst, musst du darauf achten, dass du, wenn du so machst“ –  Emily stellt sich wie zu einem Abschlag auf und schwingt den imaginären Schlager durch die Luft, „nicht jemanden damit haust.“ Ist ihr das etwa schon mal passiert? „Nein“, schießt es erschrocken aus ihr heraus, „ich hab ja den Billy immer dabei. Der passt auf.“ Emily grinst dabei verschmitzt, „Der muss aber hier bleiben, zuhause habe ich einen richtigen Hund“, sagt sie.

Dann steuert sie zielstrebig ein schwarzes Ledersofa in der Vorhalle des Clubhauses an, setzt sich hin, streckt sich, gähnt. „Ich bin müde von den vielen Fragen“, erklärt Emily, „gleich sage ich nichts mehr“. Angesprochen auf andere Hobbys aber fangen ihre Augen wieder an zu leuchten. „Oh ich habe sehr viele. Ich gehe reiten auf dem Carolinenhof, ich liebe Musik und ich tanze, und ganz besonders mag ich Helene Fischer.“

Die junge Frau nimmt ihre Mütze vom Kopf, lehnt sich gemütlich zurück, man spürt: ihr schießen plötzlich sehr viele Gedanken durch den Kopf. „Ich finde Rechnen ganz toll, ich kann gut rechnen und nach der Arbeit ruhe ich mich aus.“

Am Samstag wird Emily nun ihr bereits zweites Turnier spielen, ein vollinklusives 18-Lochturnier, organisiert von der Initiative „Jeder-hat-ein-handicap“ .Nein, aufgeregt sei sie eigentlich nicht, erklärt sie nach einer kurzen Bedenkzeit. „Ich trainiere samstags hier, manchmal alleine, dann gehe ich gerne in die Hütten, die auf dem Platz stehen, wenn es kalt ist. Oder manchmal habe ich eine Trainingsstunde bei Frank.“

Mit wem sie gemeinsam spielen wird, das weiß sie noch nicht, vielleicht ja mit ihrem Vater, der sie zum Golfsport gebracht hat. „Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich sie nicht eher mal mitgenommen habe“, reflektiert Michael Träm, „denn sie macht das wirklich super. Das ist wie mit dem Skifahren, da hat Emily ein echtes Talent.“

Für Emily reicht es jetzt, sie ist müde, der Tag war lang, die Beantwortung der Fragen ein wenig anstrengend. Sie setzt ihre Kappe auf, atmet einmal tief durch und winkt zum Abschied. „Jetzt eine Fanta und dann fahre ich nach Hause. Tschüss.“

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