Ratingen Einzelhandel will nicht in die Kirchgasse

Ratingen · Im Sommer sollte Baubeginn für das neue Wohn- und Geschäftshaus sein. Das Problem: Händler zeigen kein Interesse.

 Blick von der Oberstraße auf die Suitbertus-Stuben (links) und das geplante Wohn- und Kaufhaus an der Ecke Kirchgasse/Turmstraße. Das Problem: Bisher gibt es keine Interessenten für großflächigen Einzelhandel.

Blick von der Oberstraße auf die Suitbertus-Stuben (links) und das geplante Wohn- und Kaufhaus an der Ecke Kirchgasse/Turmstraße. Das Problem: Bisher gibt es keine Interessenten für großflächigen Einzelhandel.

Foto: Interboden

Vanja Schneider kann den Ärger in den Kreisen von Politik und Verwaltung durchaus verstehen. Beim geplanten Wohn- und Geschäftshaus an der Kirchgasse kommt man einfach nicht zu Potte. Und dies liegt nicht etwa an der Nachfrage mit Blick auf Wohnungen. Die ist definitiv da. 150 Anfragen gebe es bereits, betont der Geschäftsführer der "Interboden Innovative Gewerbewelten GmbH & Co. KG". Dabei handelt sich um Personen, die um die 50 Jahre und älter sind, die mitten in der Stadt leben und wohnen wollen, die kurze Wege suchen.

Dieser Trend passe bestens zum geplanten Objekt in der Altstadt. Doch der Einzelhandel sei der Knackpunkt, erklärt der Diplom-Ingenieur. Interboden habe zwei Makler beauftragt, die sich um die Akquise kümmern sollten. 300 Adressen wurden ermitteln, zahlreiche Gespräche geführt. Am Ende stand man mit leeren Händen da. Anders ausgedrückt: Der Einzelhandel winkt bei der Kirchgasse eindeutig ab.

Aus Sicht von Schneider hat dies mehrere Gründe: Viele Händler fordern objekteigene Stellplätze (möglichst auch sichtbar). Die eingeschränkte Einsehbarkeit des Eingangs von der Oberstraße aus ist ein großes Hindernis. Die von Verwaltung und Politik geforderte FlächenMindestgröße (700 Quadratmeter) sei so nicht vermittelbar, betont Schneider. Eine Zusammenlegung mehrerer kleiner Geschäfte zu einer großen Fläche lasse sich auch nicht umsetzen, unterstreicht der Geschäftsführer, der sich seit 23 Jahren um Projekte dieser Art kümmert. "Alle potenziellen Handelsnutzer wollen den Eingang an der Ecke Turmstraße/Kirchgasse haben", betont Schneider.

Was bedeutet dies für die weiteren Planungen? Schneider ist sicher, dass es keinen Sinn macht, an der Größe der erdgeschossigen Handelsfläche festzuhalten. "Wir haben im Mai einen Änderungsantrag zum Bebauungsplan eingereicht, der bisher noch nicht beschieden wurde", erzählt Schneider. Selbstverständlich werde man sich mit der Genehmigung dieses Änderungsantrages weiterhin verpflichten, im erdgeschossigen Eckbereich eine konkrete Ladennutzung umzusetzen, die dem Standort und der Qualität des Projektes entspricht. Die Vorgabe der Mindestgröße von 700 Quadratmeter würde allerdings entfallen. Der Beginn der Baumaßnahme sei aber erst mit der Zustimmung zum Änderungsantrag realistisch planbar. Schneider betont: "Es macht keinen Sinn, an den Vorgaben eines Bebauungsplanes festzuhalten, der an der heutigen und perspektivischen Nachfrage vorbei geht." Das Projekt werde so weiterhin zeitlich unnötig belastet, fügt er hinzu.

Beim Einzelhandel gibt es auch mit Blick auf die Mietpreise klare Probleme. "Manche wollten höchstens 15 Euro pro Quadratmeter zahlen", sagt Schneider, "wir müssen mindestens 20 Euro oder mehr verlangen." Er will den Wohnflächenanteil nun weiter vergrößern — dies auf Kosten der Einzelhandelsfläche. Nun müssen Politik und Verwaltung entscheiden. Weitere Gespräche stehen an, unter anderem mit dem Ersten Beigeordneten Klaus Konrad Pesch und im Arbeitskreis.

(RP)
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