Ratingen: Einst Flöte, jetzt Kontrabass

Ratingen: Einst Flöte, jetzt Kontrabass

Lucas Chittka (11) hat beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert" den zweiten Preis erspielt. Musik ist neben Sport seine zweite Leidenschaft – aber warum hat er sich gerade das großmütterlichste aller Instrumente ausgesucht? Ein Portrait.

Herausforderungen sind in der Familie Chittka an der Tagesordnung. Man braucht nur nachmittags zum Wendehammer der Cromforder Allee zu kommen, da sieht man eine große Kinderschar im sportlichen Wettstreit in allen möglichen Disziplinen. Lucas Chittka, elf Jahre alt und der Älteste von vier Geschwistern, löst sich nur mit einem inneren Ruck vom Rollhockey, denn es wird Zeit, zum Kontrabass-Unterricht in die Musikschule zu radeln. Musik ist neben dem Sport seine zweite Leidenschaft, und dass er was kann, zeigt der zweite Preis, den er mit 20 Punkten kurz vor den Osterferien beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert" in Essen bekam. Allzu viel geübt hat Lucas dafür nicht: eine Viertelstunde, höchstens mal 20 Minuten, und das auch nicht jeden Tag. Seit letztem November ist er nämlich dem Tischtennissport verfallen, möchte dafür mit seinem Neusser Coach am liebsten täglich trainieren und hat der dortigen Schüler-B-Mannschaft zum Gruppensieg in der Kreisliga verholfen – sämtliche Einzelspiele gewonnen und nur ein Doppel verloren. Er liebt das Tempo bei diesem Sport, die schnelle Reaktion, die erforderlich ist wie damals beim Eishockey, das er in seinen Grundschuljahren bei der DEG Düsseldorf spielte. Musik ist wie Lesen der Ausgleich dazu und keineswegs nur eine vorübergehende Marotte. Lucas spielt Kontrabass nämlich schon seit fünf Jahren und freut sich über jedes neue Stück, das ihm sein Lehrer Jürgen Michel vorspielt. Da ist es egal, ob es Barockwerke von Telemann oder Händel sind, Tänze oder Filmmusik. Aber wie kommt ein Kind überhaupt auf die Idee, als Instrument den Kontrabass zu wählen, der einen stets überragt, auch wenn es zu Beginn ein Achtel-Bass war und jetzt ein Viertel-Bass ist? Der satte tiefe Klang ist es, der nicht nur Lucas, sondern wohl mehr noch seinen Vater ansprach. Der promovierte Volkswirt litt nämlich arg unter den hohen und vor allem scharfen Tönen, die der Filius im Vorschulalter beim Mutter-Kind-Flöten im Katholischen Familienbildungswerk auf der Blockflöte fabrizierte. Daraufhin liebäugelte Lucas mit der Trompete, aber da hätte er auf den Wechsel der Milchzähne warten müssen. So landete er bei dem Instrument, das Orchestermusiker liebevoll Großmutter nennen. Es könnte gut sein, dass er selbst bald in der Gruppe neue Herausforderung findet, denn sein Lehrer möchte in der Musikschule ein Kammerorchester gründen. Die Literatur im Sinfonieorchester dagegen wäre noch zu schwer.

Schwer ist auch stets der Transport der Bassgeige. Für den wöchentlichen Unterricht steht in der Musikschule zum Glück ein Mietinstrument zur Verfügung, aber für Wettbewerbe – auch beim diesjährigen Sparkassen-Förderpreis spielte sich der Junge in die Preisträgerklasse – muss die Mutter mit dem Bus parat sein. Sie würde ihn auch gerne im Oktober zum Kontrabass-Festival mit Wettbewerb nach Berlin fahren, wenn Lucas will.

(RP)