Ratingen: Eine Wochenendschule für Flüchtlinge

Ratingen : Eine Wochenendschule für Flüchtlinge

Jeden Sonntag holen Lernhelfer die Kinder ab und bringen sie zur Diakonie am Maximilian-Kolbe-Platz.

West Wenn die Mitarbeiter der Wochenendschule mit dem Auto kommen, dann stehen die Kinder oft schon vor dem Flüchtlingsheim Am Sondert und warten ungeduldig. Jeden Sonntag holen die Lernhelfer die Kinder ab und bringen sie zum Maximilian-Kolbe- Platz: In den Räumen der Diakonie bekommen die Kinder Hilfe bei ihren Hausaufgaben, üben Deutsch, kochen und spielen zusammen.

"Die Kinder kommen gerne", betont Maria Zhukovsky, eine von fünf Betreuern. Denn auch wenn das Wörtchen "Schule" im Namen steckt – in der Wochenendschule geht es vor allem um das Miteinander: "Die Kinder malen, basteln, vor Weihnachten haben wir Plätzchen gebacken und vor Ostern Eier bemalt", berichtet Zhukovsky.

Die Wochenendschule existiert seit Dezember vergangenen Jahres und ist ein gemeinsames Projekt der Diakonie und der Stadt Ratingen. Im Herbst waren zahlreiche neue Asylbewerber aus den Balkanstaaten nach Ratingen gekommen, darunter auch viele Kinder. Nach dem nordrhein-westfälischen Schulgesetz gilt für sie die Schulpflicht. "Die Schulen waren damit ziemlich überfordert", sagt Zeliha Yetik, Integrationsbeauftragte der Stadt. Die Lehrer seien bemüht, doch der Wissensstand der Kinder unterscheide sich stark.

Zeitgleich meldete sich eine Frau, die anonym bleiben möchte, bei der Stadt: Sie habe in einem Bericht in der Rheinischen Post gelesen, dass im Flüchtlingsheim Am Sondert Freizeitmöglichkeiten für Kinder rar seien und habe Geld zur Verfügung, mit dem sie helfen wolle. Gemeinsam mit der Diakonie entwickelte die Stadt daraufhin die Idee zur Wochenendschule. Finanziert wird das Angebot von der privaten Spenderin, aus Mitteln des Bildungs-und Teilhabepakets und mit Spenden der evangelischen Versöhnungskirchengemeinde.

Zwischen zehn und 18 Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften Am Sondert, Am Sandbach und der Martinschule in Tiefenbroich kommen jeden Sonntag in die Wochenendschule. Die meisten stammen aus Serbien und Mazedonien, vereinzelt auch aus Ghana. Nicht immer sei das gemeinsame Lernen und Spielen leicht, sagt Ingrid Esken, Leiterin der Jugendhilfe in der Region Ratingen bei der Neander-Diakonie. "Es gibt Streitereien, zum Teil mit religiösem Hintergrund oder wegen der Hautfarbe."

Viele Kinder müssten erst lernen, wie sie mit Konflikten umgehen, sagt auch die Integrationsbeauftragte der Stadt, Zeliha Yetik. "Gerade die Kinder mit Roma-Hintergrund haben in ihrem Heimatland Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht." Daneben belaste die Kinder auch ihr unsicherer Status: Viele können jederzeit abgeschoben werden.

Obwohl das Projekt erst kurze Zeit läuft, gibt es bereits positive Rückmeldungen aus den Schulen. "Wir wünschen uns, dass die Kinder gestärkter und selbstbewusster in die Schule gehen", sagt Ingrid Esken –auch wenn sie dort nur eine kurze Zeit bleiben könnten.

(xax)
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