Ratingen: Eine Großbäckerei mit langer Tradition

Ratingen: Eine Großbäckerei mit langer Tradition

Die Geschichte der Harry-Bäckerei: Johan Hinrich Harie war der erste der Bäcker, auf die sich die erfolgreiche Firma beruft. Dieser Johan Hinrich wurde im Dreißigjährigen Krieg geboren, in karger Marschenlandschaft bei Bremerhaven, mit ein paar Kindern, die nicht alle lange lebten.

Kirchbücher liefern sparsam Familiendaten, niederländische Genre-Bilder vermitteln zum Teil romantische Eindrücke über das Leben der Zeitgenossen. So gibt es ein Bild mit einem Mann, der nicht nur hinter einer Auswahl von Brot und Gebäck hockt, sondern auch noch ins Horn tutet. Da gab es also schon Bäcker, die Brot für alle herstellen und per Horn mitteilten, dass es fertig war. Und es gab nicht nur die fleißigen Mütter.

Mitte des 17. Jahrhunderts also wanderte Harie von Bremerhaven nach Altona, kaufte Haus und Grund und offenbar auch die Verpflichtung, Brot zu backen. Eine Familie schickte sich an, sich in nicht einfachen Zeiten gut einzurichten - nebenbei nahm eine Dynastie ihren Beginn.

Wenn heute Stätten für Lebensmittelproduktionen besichtigt werden, gefallen neben weißen Anzügen vor allem unattraktive Haarnetze.

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde das Brot mit Pferdegespannen ausgeliefert. Foto: Harry Brot

Aber auch damals machten die Zünfte ihren Mitgliedern Auflagen für den Brotverkauf: Auf den heruntergeklappten Fensterladen, die eigentlich nur die nicht verglasten Stellen gegen Regen und Kälte abschlossen, mussten weiße, frische linnene Tücher ausgebreitet werden, auf denen die frischen Brote angeboten wurden. Im Sommer wurde ein zweites Tuch erforderlich, das vor dem Straßenstaub schützte.

Altona fiel an die dänische Krone, die Bürgerschaft wurde wohlhabender, die Essgewohnheiten verfeinert. Wer kennt es nicht - heute ist es irgendwo wie damals. Während Johan Hinrich noch Harie hieß, schrieben sich seine Söhne 1688 schon Harry.

Die Pest und die Schweden gingen über Altona hinweg - die Harrys widerstanden und blieben Bäcker. Die Bäckerlehrlinge schafften gegen geringen Lohn und mussten sich auf die Wanderschaft begeben - hatten ihre Meister doch meist große Familien und rekrutierten aus der Kinderschar ihre Nachfolger. Die Harrys heirateten möglichst nicht unter Stand, waren fleißig, und hatten viele Kinder, von denen etliche auch nicht alt wurden. Die aber, die ihre zarten Jahre überlebten, schafften oft in der elterlichen Bäckerei. Es gab Getreidesorten für die Armen - nämlich Roggen, es kam mit dem Ende der Französischen Revolution Weizenbrot in Mode, das Brot des Adels.

Napoleon verging, Weizen blieb. Fürs weiße Brot wurden die höchsten Preise verlangt, für das gröbere nicht.

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Immer noch in Altona gut niedergelassen, kam den Harrys auch noch ein Müller in die Familie - das war Anfang des 19. Jahrhunderts in der fünften Generation. Bald gab es allein in Altona vier Geschäfte, wurde die Technik mit Knetmaschinen und Backöfen zur beginnenden Rationalisierung eingebaut. Und Harrys Schiffszwieback reiste mit der Marine in die entlegensten Ecken der Erde.

Besonders respektiert wurde Johanna Harry, die als Witwe das Geschäft 37 Jahre mit strenger Hand weiter führte. Sie wurde natürlich genauer betrachtet als ihr verstorbener Mann Franz Andreas. Sie ließ sich zwar morgens mit einer großen Horch-Limousine in die Firma fahren, war sich aber nicht zu schade, bei Bedarf selber helfend einzugreifen.

Es gab außerdem auch mal eine Harry-Tochter, die mitten aus dem Medizin-Studium ins heimische Unternehmen wechselte, was sicherlich als Zeichen großer Verantwortung für die Fortführung eines familiären Unternehmens zu werten ist. Immerhin verstand sie auch den Job, den sie dort machte.

Immer noch in familiärer Hand, wurde das Harry-Unternehmen dann im Jahr 1963 aus Kostengründen auf die grüne Wiese verlagert. Harry belieferte Geschäfte, hatte keine eigenen Filialen. Harry expandierte, auch in neuen Ländern - in Leipzig, Magdeburg, baut in Soltau und erweitert zwei Jahre später, im Jahr 2010, für eine Tiefkühlbäckerei. In Berlin wir derweil mächtig modernisiert.

Gebacken wird am Standort Ratingen seit 1980 rund um die Uhr auf sieben Backstraßen: so genannte Ganzbrote, Toastbrot, Sandwichbrot, Brötchen zum Fertigbacken und verschiedene Sorten Schnittbrot.

Harry beliefert von hier aus mit 165 Frischdiensttouren im Vertriebsbereich Ratingen täglich rund 2000 Kunden mit frischem Brot und Brötchen. Das Liefergebiet erstreckt sich bei über Rheinland-Pfalz und Teile von NRW, Hessen und Baden Württemberg.

(gaha)
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