Ratingen: Ein Stück Dschungel auf der Naturbühne

Ratingen: Ein Stück Dschungel auf der Naturbühne

Blauer See: Vor 1200 Besuchern begeisterte das Ensemble von Theater Concept mit einer temporeichen Inszenierung

"Kinder sind ein ehrliches Publikum. Wenn ihnen langweilig ist, werden sie unruhig und achten nicht mehr auf das Stück", hat Jan-Philip Hilger vor einigen Tagen im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt. Der Hauptdarsteller des neuen Stücks auf der Naturbühne am Blauen See wusste also genau, worauf er sich einlässt - und wurde bei der Dschungelbuch-Premiere zusammen mit seinen Kollegen vor allem mit viel Stille auf den mit 1200 Besuchern ausverkauften Rängen belohnt. Denn die rund zweistündige Inszenierung zog nicht nur die Kleinen, sondern auch so manchen Erwachsenen schnell in ihren Bann.

Im Schlaf bekommen Menschenkind Mogli und Panther Bagheera Besuch von der Schlange Kaa. Foto: Janicki, Dietrich (jd-)

Woran das lag? Wahrscheinlich ist es gar nicht möglich, einen Punkt herauszugreifen, wahrscheinlich ist es eher die Summe vieler Kleinigkeiten. Da wären zum Beispiel die tollen Kostüme, die die Darsteller wirklich zu den Tieren werden lassen, die sie spielen. Unglaublich alleine die Leistung von Susann Sinnemann, die die Schlange Kaa darstellte - wie man sich in einem gut drei Meter langen Kostüm so grazil bewegen kann, bleibt wohl ihr Geheimnis. Aber auch die anderen Kostüme waren von einer wunderbaren Detailverliebtheit - Respekt! Den hatten sich auch die Bühnenbauer verdient, die diesmal wirklich die fast komplette Breite ausgenutzt hatten - inklusive Hängebrücke über den Teich und Seilbahn, an der die Geier gekonnt auf die Bühne fliegen.

Das Bühnenbild bot aber nicht nur etwas fürs Auge, sondern stand Pate für viel Bewegung bei den Schauspielern, die ihre Freude am Spiel sichtbar unters Volk brachten. Wen man Hauptdarsteller Hilger alias Mogli klettern, hangeln und rutschen sah, merkte man ihm einfach an, dass ihm das Spaß machte. Wenn man allerdings bedenkt, dass das Dschungelbuch bis Mitte Oktober aufgeführt wird, könnte man sich schon ein bisschen Sorgen um den Ratinger Jung' Hilger machen. Bei Wind und Wetter mit nacktem Oberkörper spielen zu müssen, ist schon eine Herausforderung.

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Skeptisch dürfte manch Besucher gewesen sein, dass der Disney-Verlag, der die Rechte an dem Stück besitzt, Theater Concept nicht die Erlaubnis erteilte, die Original-Musikstücke zu verwenden. Ist das Dschungelbuch ohne das weltberühmte "Probier's mal mit Gemütlichkeit" von Bär Balu überhaupt einen Besuch wert? Nach der Premiere gab's darauf nur eine Antwort: Ja. Denn die extra für diese Inszenierung komponierten Lieder vermitteln die Aussage aus dem Film genauso intensiv, erzeugen genauso viel Atmosphäre und machen einfach Spaß.

Und der übertrug sich schnell auf die Tribüne - erst recht natürlich, als es wie in all den Jahren zuvor die obligatorischen Stürze ins kühle Nass des Teichs zwischen Tribüne und Bühne gab. Wer aber in diesem Jahr den Abflug ins Wasser macht, das sei an dieser Stelle nicht verraten. Am Ende gab es verdienten lang anhaltenden Applaus - und das nicht nur für die Darsteller, sondern auch für alle anderen Beteiligten. Beste Voraussetzungen also, dass Theater Concept den Vertrag auch über 2016 verlängern wird.

(wol)
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