1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Ratingen: Ein Minarett für Ratingen

Ratingen : Ein Minarett für Ratingen

Der Gebets-Turm misst 28 Meter, vom Boden bis zur Spitze, die Kuppel ist metallbeschlagen: Nach fünf Jahren Planung hat der Türkisch-Islamische Kulturverein seiner Moschee jetzt eine charakteristische Architektur verpasst.

Es hat sich etwas verändert im Stadtbild, ganz deutlich sogar: Wer dieser Tage auf der Süd-Dakota-Brücke in Richtung Innenstadt unterwegs ist, dessen Blick bleibt automatisch linkerhand hängen – an einem 28 Meter hohen, gertenschlanken Bauwerk und einer metallbeschichteten Dach-Wölbung. Nach fünf Jahren Planung und einigen Verzögerungen hat der Türkisch-Islamische Kulturverein seinem Gotteshaus an der Straße Am Westbahnhof eine charakteristische, orientalisch anmutende Architektur verpasst.

Massive Stahlbetonbögen

Die groben Arbeiten im Außenbereich sind erledigt: der Aufsatz des etwa 13 Meter hohen Minarett-Turms auf einen schon vorher existenten Wendeltreppen-Schacht, der Bau der sieben Meter hohen und 12,50 Meter breiten Moschee-Kuppel genauso wie die Konstruktion der massiven Stahlbetonbögen rund um das Gebäude. Klinker, eine hochmoderne Wärmedämmung, Brandschutz, Lüftung – mindestens 650 000 Euro werden die Arbeiten insgesamt kosten. Das jedenfalls hatte der Vorstand des Kulturvereins Mitte vergangenen Jahres geschätzt.

  • Monheim : So soll Monheims künftige türkische Moschee aussehen
  • Hilden : Morgen ist der "Tag der offenen Moschee"
  • Vertreter von Ditib-Gemeinde, türkischem und deutschem
    Hilden : Viele Nettigkeiten zum Moschee-Baustart

Bereits im Jahr 2004 waren die Umbauarbeiten vom Rat genehmigt worden. Die seinerzeit ausgearbeiteten Pläne scheiterten allerdings an zu hohen Kosten. Damals sollten dem optisch bislang eher schlichten dreistöckigen Moschee-Bau an der Süd-Dakota-Brücke gleich mehreren Kuppeln aufgesetzt werden. Die jetzt umgesetzte und von der Stadt ebenfalls genehmigte Eine-Kuppel-Lösung ist quasi die abgespeckte Wunschversion. Finanziert wird der Umbau zu einem großen Teil aus Spenden der Gemeindemitglieder, für die Restsumme wurde ein Kredit aufgenommen.

Die Projekt-Planung hat Enver Ünal, türkischstämmiger Architekt aus Düsseldorf, übernommen. Ratingens erstes Minarett ist auch sein erstes. "Letztlich", sagt er, "bedarf es dafür keiner speziellen Kenntnisse. Aus Architekten-Sicht ist ein Minarett ein Bauwerk wie jedes andere auch. Wichtig ist, dass sauber gearbeitet wird." Ende April, Mitte Mai, schätz Ünal, seien die Hauptbauarbeiten abgeschlossen. Kleinigkeiten, wie zum Beispiel der Einbau ein Aufzugs, würden wahrscheinlich im Laufe des Jahres erledigt.

Moderne Seminarräume

Neu ist auch, dass im dritten Obergeschoss der Moschee künftig moderne, mit PCs ausgestattete Schulungs- und Seminarräume für Jugendliche zur Verfügung stehen. "Die Jugendarbeit", sagt Zeliha Yetik, Integrationsbeauftragte der Stadt, "wird von der Stadt bezuschusst. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um religiösen Unterricht, sondern um Jugendarbeit im eigentlichen Sinne – Hausaufgabenhilfe zum Beispiel." Die biete die Gemeinde schon seit einigen Jahren an, bislang allerdings nur in behelfsmäßigen Räumen. Das soll sich jetzt ändern.

Was das Thema "Lautsprecher am Minarett" betreffe, sagt Yetic, seien von Seiten der islamischen Gemeinde bislang keine Wünsche geäußert worden. Der Muezzin wird demnach in Ratingen wohl auch weiterhin nicht öffentlich zum Gebet rufen. Wer Interesse habe, sich die umgestaltete Moschee anzuschauen, sei willkommen, sagt die Integrationsbeauftragte. "Das ist auch ein Grund, warum die Moschee umgebaut wurde: Weil man wahrgenommen werden und einladen will."

(RP)