Heiligenhaus: Ein Jahr Bürgerbus - die Nachfrage steigt

Heiligenhaus : Ein Jahr Bürgerbus - die Nachfrage steigt

Zwei Dutzend ehrenamtliche Fahrer sind vor allem an den Markttagen Mittwoch und Samstag stark gefordert.

"Wer als Kind davon geträumt hat, einmal Lokomotivführer zu werden, es aber dann nicht geworden ist, findet seine Traumerfüllung im Rentenalter als Bürgerbusfahrer." So sieht es der Bürgerbusfahrer Joachim Gottwald — sein leicht augenzwinkernd vorgetragenes Bekenntnis hat er zu einem besonderen Datum schriftlich auf Karton mitgebracht. Seit genau einem Jahr fährt der Bürgerbus durch die Stadt. Das war an der Haltestelle Basildonplatz Anlass für eine erfreuliche Zwischenbilanz.

Gottwald ist einer von zwei Dutzend Fahrern, die ihre Runden ehrenamtlich durch die Stadt drehen — im Auftrag des Bürgerbus-Vereins. Dessen Vorsitzender Rolf Watty hatte zum einjährigen Bestehen Zahlen mitgebracht: "An 300 Tagen ist der Bürgerbus bisher unterwegs gewesen, drehte acht Runden pro Tag — also bisher 2400. Insgesamt hat der Bus über 10 000 Fahrgäste befördert." Damit ist eine Prognose übertroffen: "Wir haben mit durchschnittlich drei Fahrgästen pro Rundfahrt gerechnet", sagt Watty.

Statistisch nicht erfasst ist ein weiterer Erfahrungswert: "Unsere Fahrer werden allgemein als freundlich und hilfsbereit gepriesen", so der Vereinsvorsitzende. Für Fahrer wie Volker de Nardi ist das eine Selbstverständlichkeit: "Wir fahren ganz ruhig und helfen Passagieren beim Ein- und Aussteigen, sind auch mit Rollatoren und dergleichen vertraut." Eine regelrechte Ausbildung fürs Bürgerbusfahren gibt es nicht. Wohl aber vor dem ersten Einsatz eine Runde mit Prüfer durch den Ort und vorab medizinische Untersuchungen, das wars. Keine guten Nachrichten hat der Verein für alle, die sich als Bürgerbusfahrer etwas hinzuverdienen wollen. Watty: "Alle Fahrer arbeiten ausschließlich ehrenamtlich." Fahrer Manfred Steinhaus findet das genau richtig: "Wir sind stolz darauf, nicht für Entlohnung unterwegs zu sein." Der Verein selbst kann nach wie vor Unterstützung gebrauchen, setzt auf mehr Hilfe durch die heinische Wirtschaft. Werbeflächen auf dem Bus wären vorhanden, außerdem in der Druckversion des neuen Fahrplans, der im Januar herausgegeben wird. "Dass sich hier der Werbeerfolg kaum in Euro und Cent bemessen lässt, ist uns klar", sagt Watty. "Aber es kann ja auch darum gehen, ein Zeichen zu setzen." Insgesamt sehen die Finanzen so aus, dass man nach den Worten des Vereinsvorsitzenden denkt, "über die Runden zu kommen". Der neue Fahrplan wird eine zusätzliche Fahrt an den Markttagen Mittwoch und Samstag enthalten. Denn auch das lehrt inzwischen die Erfahrung: An diesen Tagen reicht die Kapazität des Busses nicht immer. Die Fahrer mussten gelegentlich Passagiere stehen und warten lassen.

Unterschiedlich gefragt sind einzelne Haltestellen. Während an der Hülsbecker Straße offenbar kaum Bedarf besteht, ist der Zuspruch in den Stadtteilen Nonnenbruch und Wassermangel groß. Trotzdem will man alle Haltestellen behalten — um den Fahrtakt zu halten.

(RP)