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Ein Grabmal für die Pastoren-Gattin

Wichtig für die Ratinger Geschichte : Ein Grabmal für die Pastoren-Gattin

Der evangelische Pfarrer Stephan Weimann aus Tiefenbroich erinnert an die Geschichte des Grabmals auf dem evangelischen Teil des Ehrenfriedhofs. Das Grabmal ist ein wichtiges Denkmal der Ratinger Geschichte.

Die Entdeckung der Gruft auf dem evangelischen Teil des Ehrenfriedhofs war eine Überraschung. Das dortige Grabmal dagegen ist jetzt schon ein wichtiges Denkmal der Ratinger Geschichte. Darauf macht der evangelische Pfarrer aus Tiefenbroich, Stephan Weimann aufmerksam, der sich mit dessen Geschichte bestens auskennt.

Was sich hinter dem Name der Pastorin Wilhelmine Petersen, geborene Hengstenberg verbirgt, sei in den Aufzeichnungen des früheren Pfarrers und Chronisten Johannes Sjuts nachzulesen. Darauf weist  Stepfan Weimann in diesem Zusammenhang hin.

„Helena Wilhelmina Hengstenberg war die Tochter des Pfarrers der reformierten Kirchengemeinde Ratingen, Gottlieb Christoph Hengstenberg und der Wilhelmine Teschemacher. Sie heiratete am 6.Februar 1822 den lutherischen Pfarrer Gottfried H.Th. Christian Petersen“, erklärt Weimann.

Dass der reformierte Pfarrer von Ratingen der Schwiegervater des lutherischen Pfarrers von Ratingen war, sei eine Außergewöhnlichkeit gewesen. 1817, fünf Jahre vor der Hochzeit hätten sich aber die reformierte und die lutherische Gemeinde Ratingen zu einer unierten Gemeinde vereinigt. Die Union fand in den vom preußischen König beherrschten Gebieten und auf Wunsch von König Friedrich Wilhelm III. statt. „In Ratingen war kein Druck erforderlich: Die Gemeinden schlossen sich freiwillig zusammen und erhielten dafür die Unionsmedaille. Bis zum Dienstende von Gottlieb Christoph Hengstenberg wirkten beide Pfarrer, der reformierte und der lutherische gemeinsam in der neuen unierten Gemeinde“, so Weimann weiter.

Wilhelmine Petersen bewohnte vor ihrer Hochzeit wahrscheinlich gemeinsam mit ihren Eltern das alte, heute nicht mehr vorhandene Pfarrhaus an der reformierten Kirche an der Lintorfer Straße. Im Jahr 1828, als ihr Vater Gottlieb Christoph Hengstenberg sein Amt niederlegte, zog Wilhelmine Petersen mit ihrem Mann, der nun der alleinige Pfarrer der unierten Gemeinde war, wieder dort ein. Sie habe also ganz in der Nähe ihrer späteren Grabstätte gewohnt“, erklärt Weimann. 1837 wurde das baufällige alte Pfarrhaus allerdings durch das noch jetzt stehende Pfarrhaus ersetzt.

Wilhelmine Petersen sei vier Stunden nach der Geburt ihres neunten Kindes am 5. April 1840 im Alter von 38 Jahren gestorben. Ihr Vater folgte ihr im Alter von 77 Jahren am 4. März 1841. Die Familie Hengstenberg-Petersen errichtete im Jahr 1843 über ihrer Familiengruft auf dem 1784 außerhalb der Stadtmauer angelegten Friedhof ein mit ihrem Wappen geziertes „gothisches“ Denkmal. Am 1. November 1852 legte Petersen sein Amt nieder. Er starb am 23.Dezember 1853.

Die Angaben, so Weimnann, stammen aus der Chronik des ehemaligen Ratinger Pfarrers Johannes Sjuts. Stephan Weimann freut sich,  dass das historisch sehr interessante Grabmal nun wieder hergerichtet ist. „Es ist und bleibt auch ein Denkmal der Gemeinschaft zwischen Reformierten und Lutheranern, die wir heute als so selbstverständlich ansehen – obwohl sie eine jahrhundertelange Gegnerschaft ablöste“, erkärt der evangelische Pfarrer.