Filmvorführung: Ein Film über den Ratinger Filmemacher

Filmvorführung : Ein Film über den Ratinger Filmemacher

Hans Kürten war kein Ratinger Original. Aber er war eine schillernde Gestalt in der Stadt. Sein Schaffen wird nun dokumentiert.

Der Techniker und Kraftfahrzeug-Gutachter, Flieger und Filmemacher ist vielen Ratingern noch lebhaft in Erinnerung. Jetzt ist das Stadtarchiv mit einem Dokumentarstreifen an die Öffentlichkeit getreten. Gezeigt werden 95 wacker zusammengefügte Minuten, die aus dem angekauften Material des "Bürgers der alten bergischen Hauptstadt" - Originalton Kürten - stammen.

Um es gleich zu sagen: Es ist kein wohltemperierter Werbefilm für Ratingen, auch kein didaktisch wertvoller, nicht mal ein künstlerisch bedeutsamer Weiterbildungsstreifen. Aber er ist ein hoch interessantes Zeugnis der Zeiten von 1959 bis 2000. Wer denn Augen hat zu sehen, der findet eine Menge. Hier erkennt man vielleicht die Oma beim Karnevalsumzug, dort Opa Helmut, sportgestählt, beim Staffellauf nach Maubeuge. Und immer wieder leuchten die Zeichen der Zeit.

Am Kulturtag wurde der Film erstmalig gezeigt. Dr. Erika Münster-Schröer gab eine fachliche Einführung. Foto: Blazy Achim

Den Ratingern war Kürten vor allem deshalb bekannt, weil er - vornehmlich bei Großveranstaltungen des Winter- und Sommer-Brauchtums - mit großem Getöse die Bildfläche betrat.

Nun hatten die Kameras früherer Zeit auch beachtliche Ausmaße, wurde er von Licht- und Ton-Mitarbeiter begleitet, dabei gerne auch von hübschen, jungen Frauen. Doch es gab eigentlich niemanden, der je die aufgezeichneten Filme zu sehen bekommen hätte. "Hat der überhaupt einen Film drin" war ein geflügeltes Wort. Nun hatte er wohl immer einen Film drin, den er zu Hause weitgehend ungeschnitten und eher ohne Text in Filmrollen versenkte und aufbewahrte. So kamen fast 1000 Rollen zusammen. Zusammenhanglos, manchmal mit erheblichen Leerstellen, zu 50 Prozent mit Ablichtungen des Ratinger Brauchtums belichtet, zur anderen Hälfte mit dem, was man öffentliche Events nennen kann.

Das Ratinger Archiv kann sich rühmen, weit und breit den größten Fundus an Foto- und Filmmaterial in seinen Schränken zu haben und somit die Historie visualisieren zu können.

So ist auch das Kürten-Material zu verstehen. "Wir haben bewusst nicht jede Persönlichkeit mit eingeblendetem Namen versehen", erklärt Archivleiterin Dr. Erika Münster-Schröer, die die Filme für die Stadt angekauft und dieses Dokumentarwerk letztlich angezettelt hat, und: "Noch ein Name und noch einer hätte den Film zerlegt. Und grundsätzlich sind wir in der sehr aufwändigen Phase beim Zusammenstellen des Films zum Schluss gekommen, dass man nichts mehr erklären soll, was man sehen kann."

Zu den besonders anrührenden Szenen gehört der Empfang von Bürgermeister Harry Kraft für die Spätheimkehrer, die, gerade der Hölle entronnen, im feinen und zu großen Anzug beisammen sitzen, gehört die unglaubliche und sichtbare Begeisterung der Ratinger für ihren Karneval, der nach dem Krieg neu entstand. Damals, und das kam auch in Erinnerung, gab es sogar noch Mottowagen.

Schon 1979 beim Kommunalwahlkampf klopften Mandatsbewerber in seltsam mutierter Sprache Sprüche, die sich ums Kind, um Spielstraßen und "Bürger" drehten und die heute auch noch nicht verfangen dürften.

Zwölf Themenbereiche werden präsentiert, Karneval und Schützen sind die größten. Immer wieder taucht aber auch Hans Kürten auf, der mehr oder weniger gewählt die dargestellte Geschichte erläutert und durchblicken lässt, wie er sich die dargestellte Wirklichkeit untertan gemacht hat.

Sehr gut passen dazu die eingestreuten Stellungnahmen von Zeitgenossen wie Dr. Alfred Dahlmann, dem früheren Stadtdirektor, und Wolfgang Diedrich, ehedem Bürgermeister, von Volker Boix und Clemens Michels, Kulturamtsleiterin Andrea Töpfer. Auch die fachlichen Mitarbeiter des Archivs - Erik Kleine Vennekate, Heiko Knappstein und Karen Funken - können Erhellendes zur Erstellung der Dokumentation beitragen, tun das zum Teil mit sehr klaren Worten. Für die Redaktion sind Erika Münster-Schröer und Erik Kleine Vennekate verantwortlich, Schnitt und Ton machte Daniel Oberbanscheidt, Sprecher ist Stefan von Cassenberg.

Nicht falsch wäre es für jüngere Semester, sich den Streifen in Begleitung eines im besten Fall eingeborenen Ratingers anzuschauen. Wer allerdings beim Anblick von Schützen und Jecken nicht gleich alle Schotten dicht macht, bekommt aber einen sehr guten Eindruck von den Zeiten, wie sie einmal waren, und von einem Mann, der sich ihrer angenommen hat und sie schwarz-weiß und farbig haltbar machen wollte.

Natürlich ist die Geschichte hinter der Geschichte auch wunderbar: Es gab schriftliche Regieanweisungen, die zum Brüllen sind, Erzählungen über manche Szene, versehentlich mitgeschnittene Dialoge, die keiner glauben mag. Alles in allem: Kürten ist noch unvollendet.

(RP)
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