Ein Buch gegen das Nazi-Vergessen in Heiligenhaus

Heiligenhaus : Ein Buch gegen das Nazi-Vergessen

Rainer Köster stellt am Sonntag sein Buch über Widerstand und Verfolgung in Heiligenhaus von 1933 – 1945 vor.

„Die Moorsoldaten“ ist heute eines der bekanntesten Lieder des Widerstandes gegen die Nazis. Uraufgeführt wurde es 1933 im niedersächsischen KZ Börgermoor von einem 16-köpfigen Gefangenenchor. Verfasst von Häftlingen, zeichnet das Stück bis heute in poetischer Wortgewalt das Lagerleben nach, aber auch die Hoffnung auf Freiheit.

Der Autor Rainer Köster hat für sein gerade erschienenes Buch über Widerstand und Verfolgung in Heiligenhaus 1933 bis 1945 eine der wohl hoffnungsvollsten Zeilen aus dem Lied als Titel gewählt: „Ewig kann’s nicht Winter sein“. In dem Werk spürt der Velberter den Geschichten von über 180 Menschen nach, die in Heiligenhaus geboren sind oder zumindest zeitweise gelebt oder gearbeitet haben und die im sogenannten dritten Reich unter dem Regime in verschiedenster Weise zu leiden hatten. „Dabei reicht die Spannbreite von – damals ganz bestimmt nicht – ‚einfachen Verhören‘ bei der Polizei oder der Gestapo über sogenannte ‚Schutzhaft’, Gefängnis -und Zuchthausstrafen bis hin zu Einweisungen in Konzentrations- und Vernichtungslager sowie vollstreckten Todesurteilen“, sagt der ehemalige Gesamtschullehrer.

Am Sonntag, 19. Mai, 11 bis 13 Uhr, wird er sein frisch aus dem Druck gekommenes und im Selbstverlag erschienenes Buch im Heiligenhauser Museum Abtsküche vorstellen. Das Manuskript basiere auf ersten Recherchen in den Jahren 1982 und 1983 für seine VHS-Vortragsreihe „Heiligenhaus im dritten Reich“. Die letzten Nachforschungen erfolgten bis Anfang 2019. „Die meisten Unterlagen stammen aus noch erhaltenen Gestapo- und Justizakten des NRW-Archivs Duisburg, sind also im Originalschreibstil der Naziorgane von damals verfasst und ziemlich akribisch geführt“, so Köster, der für die Linksfraktion im Mettmanner Kreistag sitzt.

Ihn bewegte beim Schreiben vor allem das Leid der Menschen, „die von den Nazis und ihren Helfershelfern wegen heute unvorstellbarer „Delikte“ wie etwa anderes Aussehen, anderer Glaube, andere Herkunft, verbotene Menschlichkeit und Liebe denunziert und zumeist grausam verfolgt wurden.“ Eine Triebfeder auch für seine Forderung nach mehr Stolpersteinen für die Opfer des Regimes, die im Kulturausschuss derzeit diskutiert werden. „Ich halte es angesichts eines bedrohlich anwachsenden rechtspopulistischen und rechtsradikalen Trends zur Verharmlosung des sogenannten dritten Reiches  oder sogar der klammheimlichen bis zur offenen Sympathie mit dem Naziregime für dringend notwendig, auch heute noch und erneut die Tatsachen von damals öffentlich zu machen – auch in einer damals kleinen Stadt wie Heiligenhaus.“

Das seien zum Teil erschütternde Schicksale vor Ort  gewesen, betont er. „Niemand soll sagen, man habe nicht gewusst, wohin menschenverachtender Rassismus führen kann.“ Mitnehmen sollen die Menschen aus dem Buch, „dass sich diese furchtbare Unterdrückung nicht wiederholt – auch nicht teilweise oder so ähnlich. Wer unsere persönlichen Freiheiten bewahren will, muss den heutigen ‚Rechtspopulisten‘, Rassisten und Rechtsradikalen mutig und entschlossen entgegentreten“.