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Ehemaliger Diplomat berichtet von Erfahrungen in der Ukraine

Polit-Talk : Ex-Diplomat Freudenberg: „Ukraine gibt nicht auf“

Unter dem Motto „Griese trifft ....“ lädt sich SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese regelmäßig Gäste zum lockeren Polittalk ein. Diesmal hatte sie mit Michael Freudenberg, der als Diplomat während der Euro-Maidan-Proteste in Kiew war, einen ausgewiesenen Experten eingeladen, der heute seinen Ruhestand in Heiligenhaus verbringt.

() Er erzählte davon, was er als Leiter der Wirtschafts- und Wissenschaftsabteilung der deutschen Botschaft über die Geschichte und die Gegenwart der Ukraine gelernt hat. „Die Zivilgesellschaft in der Ukraine war immer stärker als in Belarus und in Russland. Vor allem die jungen Menschen waren von Europa begeistert.“ Aber der Apparat habe den Weg in die EU behindert. „Und es holperte, weil der Rechtsstaat nicht funktionierte“, so Freudenberg.

Der jetzige Krieg habe schon 2014 begonnen, als Russland die Krim und Teile der Ostukraine besetzte, stellte Freudenberg fest. Der Westen habe gehofft, Russland mit diplomatischen Mitteln stoppen zu können. „Das war ein guter Ansatz. Aber er hat nicht gefruchtet“, meinte Freudenberg.

„Die Ukraine hat schon immer auf Deutschland gezählt“, so Freudenberg. „Aber wir haben uns weggeduckt, denn wir haben immer auf das deutsch-französische Tandem gesetzt. Was wir bei den Sanktionen auf den Weg gebracht haben, ist eine ganze Menge. Aber es fehlen noch die oberen zehn Prozent. Die Industrie und die deutschen Banken wehren sich dagegen mit Händen und Füßen. Ich fürchte, dass die Sanktionen noch lange bestehen bleiben. Und bei einem Frieden wird es davon abhängen, ob er mit oder ohne Sanktionen stattfindet.“

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Selenski habe sich inzwischen aus der Oligarchenwirtschaft gelöst, ist Michael Freudenberg überzeugt. Er sprach sich dafür aus, zum Aufbau der ukrainischen Wirtschaft eine Art Marshallplan zu entwickeln. „Auch für den Aufbau der Demokratie“, betonte Griese. In der Diskussion mit dem Publikum konnte Freudenberg keinen Optimismus verbreiten: „Ich fürchte, je sturer sich Putin anstellt, umso länger wird der Krieg andauern. Die Ukrainer werden nicht aufgeben.“