Ratingen: Dreiklang im Turm

Ratingen : Dreiklang im Turm

„Trio-Logie“ Alte Architektur, Literatur und Kunst – harmonisch vereint. Die Galerie Kunstturm zeigt in Kooperation mit dem Literaturkreis ERA die Ausstellung der Künstler HU. Kipp und Hans-Jürgen Lange.

Harmonisch, fast so, als wären sie für einander bestimmt, wirken die Stahlskulpturen neben den abstrakten, teilweise maritimen Bildern in den alten Mauern des Trinsenturms. Mit Wortspielereien, die Räume und Formen beschreiben, als auch Farbklängen überzeugten die beiden Künstler HU. Kipp und Hans-Jürgen Lange am Sonntagnachmittag die Gäste der Vernissage der Galerie Kunstturm, die in Kooperation mit dem Literaturkreis ERA entstand.

Schon seit längerem beschreiten die beiden Künstler einen gemeinsamen Weg. „Nicht, dass wir uns gesucht hätten. Vielmehr haben wir uns gefunden“, sagt Lange. Kennen gelernt haben sich die Beiden über den „Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Bezirksgruppe Osterholz in Worpswede“. Schnell hätten sie gemerkt, dass sie auf ein und derselben „Wellenlänge“ arbeiten, so Kipp – er dreidimensional mit dem Werkstoff Stahl und Lange zweidimensional mit dem Pinsel. Dabei korrespondieren ihre Werke teilweise ganz zufällig. Gegensätzlichkeiten scheinen nur aufzutreten, wenn man die Werke getrennt von einander betrachtet.

Die abstrakten Stimmungsbilder Langes zeigen ganz divergente Motive und Techniken. Mal sind sie bestimmt durch graphische Elemente und entsprechen den Werken Kipps durch die Wiederholung von Formen. Andere, wie seine persönliche Interpretation der Komposition „Rhapsodie in Blue“, sind ganz eigenständig, und erinnern an orchestrale Farbklänge. „Genau diese Unterschiede versuche ich mir beizubehalten. Ich habe mich bemüht einen Querschnitt der letzten sechs Jahre zu zeigen“, erklärt er.

Besonders auffällig ist das Zusammenspiel der Künstler bei den maritimen Stücken. Kipps Skulpturen scheinen sich in den Bildern Langes wieder zu finden. „Segmentkreis mit Kugel“ titelt die Skulptur, die der Betrachter als Segelschiff assoziiert, weil daneben das Werk Langes „Auf großer Fahrt“ hängt. Gezeigt ist ein abstrahiertes Segelschiff, das von Nebelschwaden umgeben ist. Faszinierend ist das Spiel, das die beiden Künstler treiben.

Ganz ähnlich verfahren sie mit der Titelwahl. Langes „Kreuzwege“ sind harmonische Farbflächen, die durch ihre Anordnung ein Kreuz ergeben. Der Titel lenkt bewusst die Gedanken auf das religiöse Thema, das nicht im Entferntesten angedeutet ist. Auch in Kipps Werken finden sich diese Wortspiele wieder, so in der Arbeit „Trio-Logie“, die die „drei“ geometrischen Grundformen „logisch“ kombiniert. Genau mit diesen Arbeiten überzeugten sie vor einigen Jahren auch Barbara Ming und Ulrich Scharfenroth vom Literaturkreis ERA. In einem Urlaub auf der Suche nach einem Restaurant entdeckten sie durch Zufall die Galerie „Art99“ in Worpswede, in der die beiden ausstellten. Heute gibt es zwischen dem Verein und dem Kunstzentrum einen regen Austausch und die Ausstellung im Trinsenturm als auch das Begleitprogramm mit insgesamt sechs Veranstaltungen, ist ein Ergebnis der Künstlerfreundschaft Worpswedes und Ratingens.

(RP)