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DJs dürfen seit Ausbruch der Corona-Pandemie nicht arbeiten

Kein Job für DJs in Coronazeiten : „Es ist alles weggebrochen“

Normalerweise reisen gut gebuchte DJs von Auftritt zu Auftritt, um auf Veranstaltungen und Feiern das Publikum mit Musik und guter Laune zu versorgen. Dann kam Corona. Für die ganze Branche heißt es: Von Vollgas auf Null.

Statt hinter dem Plattenteller zu stehen, hockt der Ratinger Mirko Köstring zu Hause. Seit drei Monaten ist er faktisch arbeitslos. „Es ist alles weggebrochen“, sagt der Diskjockey (DJ). Seit Mitte März hat er keinen einzigen Auftritt mehr absolviert und damit auch keinen einzigen Euro eingenommen.

Über die Lockerungen, die seit der vergangenen Woche in Kraft sind und die Feiern bis zu einer Personenzahl von maximal 50 bei private Festen oder 100 bei öffentlichen Veranstaltungen kann der Ratinger nur müde lächeln. „Die Kunden haben bis Oktober alles storniert.“ Geburtstage, Jubiläen, Firmenfeiern – in Mirko Köstrings Kalender herrscht gähnende Leere.

„Viele wollen mit den Auflagen einfach nicht feiern. Außerdem herrscht eine hohe Unsicherheit. Gelten die 50 Personen mit oder ohne Kellner, Fotograf, DJ? Wenn es um eine Hochzeitsgesellschaft geht, reduziert sich damit die Zahl der Gäste gewaltig.“ Köstring vermisst klare Ansagen und einen konkreten Fahrplan seitens der Politik. „Lockerungen bringen uns nicht weiter. Jeder kann das Virus in sich tragen. Wahrscheinlich können wir erst wieder arbeiten, wenn es einen Impfstoff oder ein Medikament gibt.“

Diese Theorie lässt ihn auch für den Ratinger Karneval schwarzsehen. „Wer denkt denn nach ein paar Bier noch an Corona?“, fragt sich der Diskjockey. Einen Funken Hoffnung hat er aber noch. „Es braucht ja seine Zeit, um zu planen und Verträge zu unterschreiben. Bis Mitte September muss in Sachen Karneval eine Entscheidung fallen.“ Könnten Weihnachtsfeiern die finanzielle Lücke im Budget wieder auffüllen? Mirko Köstring winkt ab: „Das sieht schlecht aus.“ Schließlich steckten auch viele Betriebe wirtschaftlich in der Klemme. „Ich persönlich glaube, dass sich das bis zum Frühjahr 2021 hinzieht, bis für uns alle wieder ein bisschen Normalität einkehrt.“

Für Mirko Köstring zahlt sich aus, dass er in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet hat. Rücklagen halten ihn über Wasser. Und „glückliche Lebensumstände“ wie er es nennt. Für sein Büro zahlt er keine Miete, es ist sein Eigentum. „Vor zehn bis 15 Jahren hätte das finanziell bei mir noch ganz anders ausgesehen“, gibt Köstring zu.

Immerhin: „Die Soforthilfe der Stadt Ratingen hat gut funktioniert, wenn auch ein bisschen zu bürokratisch.“ Mehr Flexibilität wünscht sich der Ratinger von der Politik. „Wir wurden einfach vergessen“, bedauert der DJ. Bei einer Hochzeit würden durchschnittlich 18000 Euro umgesetzt. „Die komplette Branche der Hochzeitsdienstleister steht still.“ Mit einer Demonstration vor dem NRW-Landtag unter dem Motto „Stand up for Love“ machte der gesamte Wirtschaftszweig erst vor wenigen Tagen auf sich aufmerksam.

Trotzdem ist es Zeit für einen Plan B. Für alle Fälle. „Ich sehe noch kein Licht am Ende des Tunnels“, so Köstring. „Etliche Kollegen werden auf der Strecke bleiben.“ Er selbst plant gerade eine Online-Hochzeitsmesse. Im Oktober will der Internetnutzer in eine virtuelle Welt entführen. Das geht auch in Corona-Zeiten.

(abin)