Ratingen: Disco ohne Hörschaden

Ratingen : Disco ohne Hörschaden

In den Discos soll endlich "Ruhe" einkehren. Dass der Lärm reduziert wird, wünschen sich zumindest die Gesundheitsminister der Länder. Am Mittwoch wollen sie prüfen, ob eine Regelung, die Betreiber der Tanzlokale in Sachen Beschallung Grenzen setzt, möglich wäre. Ihrem Vorschlag nach sollen künftig nur noch 100 Dezibel aus den Lautsprechern schallen.

Auf die Frage, ob der Zulauf Disco-geschädigter Patienten in seiner Ratinger Praxis hoch ist, antwortet Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Frank Sluka: "Hoch ist etwas übertrieben." Eine Regelung, mit der das Risiko eines Hörschadens verringert werden kann, hält er dennoch für sehr sinnvoll.

Denn Sluka weiß um die Dunkelziffer: "Nicht alle Jugendlichen, die nach der Disco kaum noch hören können, gehen zum Arzt." Würde man die Hörleistung des Ohrs unmittelbar nach dem Besuch im Nachtclub messen, könnte man vielen Jugendlichen Schwerhörigkeit attestieren.

Von dieser erholen sich die meisten aber im Laufe der nächsten Tage — und starten bald in den nächsten Partyabend. "Dann werden die Hörzellen nach und nach zerstört und von denen haben wir nur eine begrenzte Anzahl."

Momentan, so schätzt er, würden in deutschen Discos um die 120 Dezibel angeschlagen. Die einzige Möglichkeit, nach einer langen Nacht unbeschadet den Heimweg anzutreten, sehen Spezialisten derzeit in einem Hörschutz.

Von hauseigenen Watte-Methoden rät Sluka dabei dringend ab. Ohrstöpsel seien besser. Wichtig ist für ihn und seine Kollegen, dass die Regelung nicht nur Discobesitzer, sondern auch Veranstalter von Life-Konzerten in ihre Schranken weist.

Berufsgenossenschaften haben ihre Schlüsse bereits gezogen: An Baustellen darf die Belastung nicht höher als 90 Dezibel sein.

(RP)
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