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Ratingen: Die Taube symbolisiert den Heiligen Geist

Ratingen : Die Taube symbolisiert den Heiligen Geist

Die christliche Kunst benutzt das Bild der Taube überall da, wo vom Heiligen Geist gesprochen wird.

Tauben sind ohne Zweifel Gottes Werk und Teufels Beitrag. Und beides ist zur gleichen Zeit in den Ratinger Kirchen auszumachen. Natürlich präsentiert Pfingsten als christliches Fest am 50. Tag der Osterzeit, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, die Entsendung des Heiligen Geistes und feiert das Mysterium des Heiligen Geistes. Und den in Gestalt von Tauben.

 Kreuzigungsmotiv im Altarraum von St. Peter und Paul.
Kreuzigungsmotiv im Altarraum von St. Peter und Paul. Foto: Blazy Achim

Gleichzeitig aber werden Tauben, auf dem Markusplatz gleichermaßen unbeliebt wie auf der Oberstraße, auch in der altehrwürdigen Kirche St. Peter und Paul mit Nagelbrettern in den Fenstern und an Vorsprüngen an gemütlichen Pausen gehindert. Heiliger Geist: ja, kackende Tauben: nein.

 Tier- und Menschenfiguren in St. Jacobus in Homberg.
Tier- und Menschenfiguren in St. Jacobus in Homberg. Foto: Blazy Achim

Um 1900 stand an der Oberstaße (am heutigen Arkadenhof) noch das "Gasthaus zum Heiligen Geist", das schon um 1362 als ,casa sancti spiritus' im Stadtbuch verzeichnet ist und das vor allem als Pilgerhaus zur Pflege der Kranken diente. "Das Haus bestand bis 1854 in der alten Form zum Nutzen der ganzen Stadt", wie es in einem Bericht heißt. Die Tradition des "Gasthauses zum hl. Geist" wurde von den Armen Schwestern vom hl. Franziskus 1854 übernommen. 1888 wurde dort der erste Neubau des St. Marien-Krankenhauses errichtet. Ein großer Teil des Kapellen-Fensters findet sich heute im kleinen Saal des katholischen Pfarrzentrums an der Turmstraße.

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Die christliche Kunst benutzt das Bild der Taube überall da, wo vom Heiligen Geist gesprochen wird, auch, wenn in anderen biblischen Geschichten nur an ganz wenigen Stellen ausdrücklich von einer Taube gesprochen wird. Auch in Darstellungen der Dreifaltigkeit wird der Geist als Taube zwischen den zwei Personen von Vater und Sohn dargestellt. Das sieht man zum Beispiel im Kreuzigungsfenster im Chorraum von St. Peter und Paul, gleich unterhalb der Rosette. Die drei großen Fenster von Walter Benner im Chorraum (Weihnachten - Ostern - Kreuzigung) waren bereits 1949/50 von den Kaiserswerther Werkstätten Wilhelm Derix ausgeführt worden.

Die einzige neutestamentliche Stelle, in der die Taube ausdrücklich in geistlichem Zusammenhang erwähnt wird, ist die Schilderung der Taufe Jesu, als er nach der Taufe den Geist wie eine Taube über sich kommen sieht.

Als Symbol des Heiligen Geistes erscheint die Taube auf Darstellungen des Pfingstereignisses. Und in Szenen der Verkündigung der Geburt Jesu kommt der Geist in Taubengestalt vor.

Die Taube ist ebenfalls Zeichen christlicher Einfalt, Symbol für Liebe, Reinheit, Treue und Unschuld. Der Maler und Glaskünstler Günter Grote (1911-1985) wiederum hat 1956 im Zuge einer Kirchenrenovierung von St. Jacobus d. Ä. alle Fenster in der Homberger Kirche gestaltet, darunter auch die beiden Fenster im Turmbereich mit den Themen "Pfingsten" und "Evangelistensymbole". Unterhalb des Pfingstfensters befindet sich über dem Portal zur Kirche ein fast halbrundes Fenster, auf dem sich die Strahlen des Pfingstfensters fortsetzen und das damit in direkter Beziehung zum "Geistfenster" steht. Der ehemalige Pastor Dr. Kurt Peter Gertz hat im aktuellen Kirchen-Heft "Bileams Esel" beiden Fenstern eine ausführliche Geschichte gewidmet.

Der Pfingstsonntag fällt stets auf die Zeit zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni. In Italien (mit Ausnahme von Südtirol) wurde der Pfingstmontag als gesetzlicher Feiertag vor einigen Jahren abgeschafft. Es gibt allerdings Versuche, den christlichen Feiertag wieder einzuführen, zusammen mit anderen kirchlichen Feiertagen. In Frankreich ist der Pfingstmontag seit 2008 wieder Feiertag. Und genau so, wie die Taube ihre Bedeutung hat, entspricht auch den liturgischen Farben ein Sinn: Rot, die Farbe des Blutes, Feuers und Sinnbild des Heiligen Geistes, wird in der katholischen Kirche zu Pfingsten, am Palmsonntag, Karfreitag, Kreuzerhöhung, an den Festen der Märtyrer und zur Firmung getragen. Also auch morgen und übermorgen.

(RP)