Ratingen Die neue Fraktion

Düsseldorf · Einzelkämpfer Manfred Evers (Ratinger Linke) hat mit Sadiye Cemaloglu Unterstützung bei der Ratsarbeit bekommen. Sie bilden nun die kleinste Fraktion im Rat der Stadt Ratingen. Im RP-Gespräch erläuterten sie ihre Ziele.

Am Montag ist mal wieder Schlüsselübergabe im Ratstrakt. Dann beziehen Manfred Evers (52) und Sadiye Cemaloglu (31) ihre neuen Fraktionsräume. Bekanntlich haben die Ratinger Linken mit dem zweiten Ratsmandat Fraktionsstatus erlangt — und einer Fraktion stehen eben auch eigene Räumlichkeiten zu.

Doch auch politisch wollen Evers und Cemaloglu von sich reden machen: Sie hoffen darauf, in möglichst vielen Ausschüssen vertreten zu sein. In einem RP-Gespräch sprachen die beiden über ihre Ziele.

Während Evers, Justizangestellter beim Landgericht in Düsseldorf, seit fünf Jahren als Einzelkämpfer im Rat immer wieder von sich reden macht, betritt seine junge Kollegin Neuland. Zumindest, was die Ratsarbeit angeht. Denn als zweite Vorsitzende des Alevitischen Kulturvereins kennt sie sich mit Politik, und besonders der Jugendpolitik bestens aus.

Ihr Vater stammt aus der Türkei, er kam 1972 nach Ratingen. Die sympathische junge Frau ist stolz auf ihren deutschen Pass und verweist stets auf ihre Herkunft. Denn die alevitisch-kurdische Minderheit in der Türkei gelte traditionell als links. Die Religion sei nicht das Hauptthema, Kopftücher auch nicht. "Aleviten müssen nicht integriert werden", sagt sie selbstbewusst. Dennoch setze man sich für Integration gerne ein. Schon mit 16 Jahren engagierte sich Cemaloglu in der Jugendarbeit des Kulturvereins als Jungvorsitzende, seit drei Jahren ist sie im Vorstand des Vereins.

Soziale Gerechtigkeit

Seit drei Jahren studiert die Lintorferin Bildungswissenschaften. Ihre politische Richtung ist ganz klar: "Wir stehen für soziale Gerechtigkeit. Wir wollen die Stimme erheben für die sozial Schwachen." Besonders in West sehe man ein großes Betätigungsfeld: Das sei ein sozialer Brennpunkt.

Was bedeutet das konkret? "Wir wollen die diskriminierenden Sozialgutscheine für Flüchtlinge in Ratingen abschaffen", sind sich beide einig — und liegen damit auf der Linie von SPD und Grünen. Berührungsängste kennt man von den Linken nicht.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die neue Fraktion gerne den Vorschlag des gescheiterten CDU-Bürgermeisterkandidaten Stephan Santelmann aufgreift, der einen Bürgerhaushalt für Ratingen gefordert hatte. "In Köln und Berlin und anderen Städten funktioniert das ganz gut. Es ist wichtig, dass Bürger mitbestimmen können", sagte die 31-Jährige. Evers ergänzte: "Wenn die Bürger an Entscheidungen teilhaben können, dann ist auch später die Akzeptanz für die beschlossenen Projekte auch viel größer."

Die Suche nach Mehrheiten wird im Vordergrund stehen: Wie beispielsweise bei der Linken-Forderung nach Re-Kommunalisierung der Stadtwerke. Also Rückkauf der Anteile vom RWE. Evers: "Wir haben keine Probleme damit, mit anderen zusammenzuarbeiten, um unsere Ziele durchzusetzen."

Es gibt aber auch Themen, da bleiben die Linken linientreu. Mit ihnen werde es keinen dritten Bürgermeister geben ("Doch nicht für eine 93 000-Einwohner-Stadt!"), und auch die Verlagerung des Ausländeramtes nach Mettmann hält die zweiköpfige Fraktion für einen großen Fehler, den man aber nach der einjährigen Testphase noch rückgängig machen könnte.

Klare Prinzipien hat Evers auch, was die vielen Einladungen angeht, die eine Fraktion erreicht: Beim Gästeschießen werde man ihn nicht mit einem Schießgewehr sehen, sagte er.

(RP)
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