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Ratingen: Die Mühle und ihre Freunde

Ratingen : Die Mühle und ihre Freunde

Verwaist, aber nicht vergessen ist die alte Papiermühle am Vermillionring/Ecke Hauser Ring (bis 2007 Ford Giertz). Es gibt interessante Ideen für eine neue Nutzung. Der Besitzer weiß noch nichts davon.

Bei so einem stattlichen Industriegebäude, auch noch mit Originalfensterbögen, geht Historikern, Heimatfreunden und überhaupt allen Freunden der Architektur von gestern das Herz auf. Die Stadt soll sie endlich als Denkmal schützen, die alte Papiermühle am Hauser Ring, sagen beispielsweise Helmut Neunzig und Hanna Eggerath (Ratinger Linke). Das historische Gebäude drohe ja bereits zu verfallen, obwohl es doch ein hervorragender Ort für die Dokumentation der Papierherstellung im 19. Jahrhundert wäre. Außerdem für Seminarräume und, warum eigentlich nicht, als neue Heimstatt für das in beengten Verhältnissen residierende Stadtarchiv auf der Mülheimer Straße.

Die Vorteile lägen auf der Hand: Das Gebäude sei groß, stadtgeschichtlich bedeutsam und liege außerdem noch nah am Stadtzentrum, betonen Neunzig und Eggerath. Schon sehen sie die alte Mühle eingebunden in das Industriepfad-Projekt des Heimatvereins. Mit dem Besitzer, dem Grafen Spee, haben sie aber noch keinen Kontakt aufgenommen — noch nicht, sagen die beiden, die sich in die Geschichte des Gebäudes eingearbeitet und sogar den Landeskonservator auf die Mühle aufmerksam gemacht haben — um den Verfall abzuwenden und ein Geschichtsbewusstsein in der Stadt zu wecken, wie die beiden Heimatforscher sagen.

Um den Erhalt der Mühle sorgt sich auch Roland Siebeck, dessen Familie dort von 1916 bis 1957 Armaturen produzierte (RP berichtete). Die baut der Urenkel des Firmengründers Alois Siebeck zwar heute an der Straße Am Sandbach in West. Sein Herz hängt aber an der alten Papierfabrik, zumal Teile von ihr im Zuge einer Wohnbebauung im Umfeld der neuen Polizeihauptwache abgerissen werden sollten. Diese Pläne sind vom Tisch, was auch Erika Münster freut, Leiterin von Stadtarchiv und Medienzentrum. Das Gebäude sei ein bedeutendes Zeugnis der Stadt- und Industriegeschichte, sagt sie. Nach der Baumwollspinnerei Cromford repräsentiere es den zweiten wichtigen Wirtschaftszweig in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Verwaltungen und Zeitungen brauchten seinerzeit schon massenhaft Papier.

Für Siebeck ist das Gebäude ein bedeutsames Stück Familien- und Unternehmensgeschichte. Er könnte sich die Aufteilung des Gebäudes in Wohneinheiten vorstellen, denkt außerdem an einen historischen Mühlen- und Industrieweg, wie er auch Erika Münster vorschwebt: "Von Bagel über Obercromford, Cromford und Haus zum Haus reihen sich kultur- und wirtschaftsgeschichtliche Bauten aneinander, die sich mit den neu entstandenen Bürogebäuden in Kontrast setzen lassen."

Siebeck hätte auch schon Exponate für einen solchen Mühlenweg, zumal seine Firma Ventile für Bergbau, Industrie, Stadtwerke und Ölplattformen herstellt. Zum Beispiel einen zwei Tonnen schweren Hochdruck-Schieber aus dem Bergbau im Ruhrgebiet, der bis Anfang Mai im Cromford-Park im Rahmen der Sonderausstellung "250 Jahre Ratinger Industriegeschichte" zu sehen war. Aus dieser Ausstellung heraus ist ohnehin ein neues Interesse an der alten Papiermühle erwachsen. Der Verein der Freunde und Förderer des Industriemuseums Cromford sucht nämlich einen neuen, dauerhaften Präsentationsort für die vielen Exponate der Ausstellung — und hat die alte Mühle am Hauser Ring als "interessanten Leerstand" im Blick. Diese Form der Nutzung schwebt auch dem Heimatverein vor, der maßgeblich an der Ausstellung beteiligt war.

Wie Helmut Neunzig und Hanna Eggerath könnten die Aktiven sich außerdem den Einzug des Stadtarchivs vorstellen. "Das Gebäude sieht noch fast so aus wie auf dem Bild im Stadtmuseum von 1860. Da könnte richtig was draus werden", sagt Michael Lumer vom Heimatverein, der jetzt Gespräche mit den im Stadtrat vertretenen Parteien führen will. Man darf also gespannt sein, wer demnächst beim Grafen Spee vorstellig wird — und mit welchem Ergebnis.

(RP)