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Ratingen: Die Mühle ist jetzt ein Denkmal

Ratingen : Die Mühle ist jetzt ein Denkmal

Die ehemalige Papiermühle am Hauser Ring wurde in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Ob und wie das leerstehende Gebäude, das dem Grafen Spee gehört, genutzt werden kann, ist noch offen. Ideen gibt es viele.

"Jetzt kann die Mühle nicht mehr abgerissen oder baulich verändert werden", freuen sich Helmut Neunzig und Hanna Eggerath (Ratinger Linke). Die beiden Hobbyhistoriker haben sich mehrere Monate durch etliche Archive gearbeitet, um die Geschichte der ehemaligen Papiermühle zu erforschen und damit die Aufmerksamkeit des Landeskonservators Walter Buschmann zu gewinnen.

Ihre Rechnung ist aufgegangen: In seinem Gutachten, das Grundlage der Denkmaleintragung ist, schreibt Buschmann: "Die Fabrikanlage am Hauser Ring 70 ist — insoweit Industriegeschichte und Industriearchitektur Teil der Menschheitsgeschichte ist — bedeutend für die Geschichte des Menschen. Als wichtiger Teil der Ratinger Stadt- und Mühlengeschichte ist die Anlage am Angerbach auch bedeutend für die Geschichte der Städte und Siedlungen."

So bedeutsam die große und zentrumsnahe Anlage auch nach Einschätzung des Konservators ist — seit die dort ab 1957 angesiedelte Reparaturwerkstatt des Autohauses Giertz Ende 2007 auszog, steht sie leer und ist vom Verfall bedroht. Neunzig und Eggerath wollen dies abwenden, ein Geschichtsbewusstsein in der Stadt wecken und für neue Nutzungsmöglichkeiten werben: für die Einrichtung eines Museums zur Dokumentation der Papierherstellung im 19. Jahrhundert und/oder den Einzug des Stadtarchivs beispielsweise.

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Andere Ratinger wie Roland Siebeck, dessen Familie dort von 1916 bis 1957 Armaturen produzierte, könnten sich die Aufteilung des Gebäudes in Wohneinheiten vorstellen. Der Verein der Freunde und Förderer des Industriemuseums Cromford, der nach einem neuen, dauerhaften Präsentationsort für die Exponate der Ausstellung "250 Jahre Ratinger Industriegeschichte" sucht, hatte die alte Mühle zuletzt als "interessanten Leerstand" im Blick.

Viele gute Ideen also, aber der Besitzer, Graf Spee, gibt sich bislang verschlossen. Roland Siebeck fragte dort an, bekam den zuständigen Verwalter aber niemals ans Telefon. Helmut Neunzig und Hanna Eggerath schickten dem Grafen ihre gesamte Forschung mit Fotos und Dokumenten, bekamen aber keine Antwort. Auf RP-Anfrage hieß es gestern in der Spee'schen Zentralverwaltung in Düsseldorf, die Pläne für die Mühle wären noch nicht ausgereift und der zuständige Verwalter sei erst kommende Woche wieder zu erreichen.

Da die Stadt Ratingen auf Anfrage erklärte, "keine Kaufabsichten" zu haben, müsste jetzt schon ein solventer Privatinvestor ins Spiel kommen, um den Verfall des Denkmals zu stoppen, sagt Helmut Neunzig. Im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim, erzählt Neunzig, habe die Bahn AG ein denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude an einen privaten Investor verkauft, der dort auch kreativen Unternehmen, Künstlern und Vereinen Raum biete. Ein Glücksfall, den es wahrlich nicht alle Tage gibt — aber die mühlenbegeisterten Ratinger Hobbyhistoriker geben die Hoffnung nicht auf, dass am Hauser Ring doch noch einmal neues Leben ins alte Gemäuer kommt. Frage des Tages

(RP/rl/anch)