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Die Lintorfer haben Schwein gehabt

Archiv der Heimatfreunde : Die Lintorfer haben Schwein gehabt

Im Archiv der Lintorfer Heimatfreunde ist eine potentielle Erklärung der Herkunft des Ausdrucks zu finden. Gesichert ist sie allerdings nicht.

Der Ausdruck „Schwein gehabt“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig benutzt, wenn eine Sache gut ausgegangen ist, obwohl man eigentlich nicht mehr damit gerechnet hat oder wenn jemand das erzielte Glück nicht verdient hat.

Woher dieser Ausdruck kommt, dafür gibt es viele Theorien. Eine bezieht sich auf Sportspiele im Mittelalter, bei denen auch der Verlierer mit einem Schwein als Trostpreis beglückt wurde, ohne etwas Herausragendes dafür geleistet zu haben. Eine andere Theorie beruht auf Kartenspielen vergangener Zeiten, bei der die Spielkarte „Ass“ im Volksmund auch „Sau“ oder „Schwein“ genannt wurde. Und da diese Karte bei vielen Spielen der höchste Trumpf ist, hatte der Spieler, der diese gezogen hatte, eben „Schwein gehabt“.

Auch im Archiv des Vereins Lintorfer Heimatfreunde (VLH) gab es Ende der Sechziger-/ Anfang der Siebziger eine potentielle Erklärung über die Herkunft dieses Ausdrucks. Mehrere Abhandlungen berichteten über ein großes Ereignis, das sich Mitte des 18. Jahrhunderts auf dem Platz zwischen der St. Anna Kirche und dem Dickelsbach abspielte, dem sogenannten Schweineaufbrand.

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Am Aufbrandtag wurden traditionell schon seit dem Mittelalter im Herbst jedes Jahres die Schweine, wenn sie mit einem speziellen Brandzeichen versehen worden waren, vom Kirchplatz zur Mast in den Wald getrieben. Laut den Aufzeichnungen war Lintorf zu dieser Zeit eine „armselige Streusiedlung geplagter freier oder halbfreier Kötter“ (Dorfbewohner mit geringem Landbesitz). Und wer bei diesem Ereignis ein oder mehrere Schweine dabei hatte, „der gehörte schon zu den glücklichen, den bevorzugten Köttern der Hohnschaft“ (ländliche Verwaltungseinheit). „Die Erklärung klingt passend, aber bewiesen ist diese Theorie natürlich nicht“, sagte Barbara Lüdecke, Vorsitzende des VLH.

Im Ersten Weltkrieg hat Lintorf übrigens noch einmal „Schwein gehabt“. Es fehlten Lebensmittel und Viehfutter. Der Graf von Spee kam 1917 darum der Bitte der Gemeinde nach, noch einmal die Nutztiere unter Aufsicht von Schweinehirt Peter Füsgen in seinen Wald treiben zu dürfen.