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Die einstigen Westhäkchen stehen jetzt als Tinnitus auf der Bühne

Kabarett aus Ratingen : Zwischen Weltschmerz und Galgenhumor

Einige Mitglieder der ehemaligen, stadtbekannten Kabarettgruppe „Westhäkchen“ haben sich zu einem neuen Ensemble mit dem Namen „Tinnitus“ zusammengefunden. Am Freitag und Samstag haben sie Premiere.

„Die Geschichte der Westhäkchen war von heute auf morgen zu Ende, das konnten wir einfach nicht so stehen lassen“, findet Yannick, Mitglied des ehemaligen Ensembles. Und so ging es auch zehn weiteren Jungschauspielern. Für sie stand Mitte vergangenen Jahres fest: „Es muss irgendwie weitergehen.“ Das war die Geburtsstunde der Kabarettgruppe Tinnitus.

Ein Dutzend Kabarettisten haben sich unter dem neuen Namen zusammengefunden, zwei von ihnen sind neu dazu gestoßen. Lust auf Theater und Interesse an aktuellen Themen – das ist das, was die Ensemblemitglieder eint.

Und warum ausgerechnet „Tinnitus“? „Tinnitus wird durch Stress ausgelöst. Er zeigt, dass irgendetwas grundlegend falsch ist läuft. Das will auch Kabarett“, erklärt Paul die Namensfindung. Auch Vanessa findet den Namen passend: „Das Programm geht ins Ohr und wirkt dort nach. Es soll durchaus zum Nachdenken anregen.“ Die Gäste dürfen bei der Premiere also eine Mischung aus Unterhaltung und intellektueller Herausforderung erwarten.

Themen gibt es mehr als genug. „Jeden Tag prasseln so viele Eindrücke auf uns ein. Wir wollen diesen Themen Raum geben, anprangern und Hoffnung schenken“, umreißt Fiona das Spektrum. Yannick präzisiert: „Es geht um Klima, Kirche, Putin, Kapitalismuskritik oder Sexismus.“ Themen eben, die die jungen Leute beschäftigen und die Einzug in das aktuelle Programm „Wann hört‘s auf zu piepsen“ gefunden haben.

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Dabei geht es nicht alleine darum, das Publikum zu unterhalten: „Die erste Probe nach eineinhalb Jahren Pause war wie eine Therapiesitzung“, sagt Yannick. Denn hier kam alles auf den Tisch, was die Mitglieder aktuell beschäftigt und wurde gründlich durchdiskutiert. „Das hilft, Dinge besser zu verstehen und man lernt die Perspektiven der anderen, neue Ansätze und Standpunkte kennen“, so Vanessa. Pauline hat vor allem eins mitgenommen: „Selbstbewusstsein.“ Fiel es ihr früher schwer, etwas vor einer Gruppe vorzutragen, sieht sie jetzt einem großen Publikum gelassen entgegen.

Bevor ein Thema ins Programm aufgenommen wird, recherchiert das Ensemble gründlich. „Sobald die Grundidee steht, geht es darum, Informationen zu sammeln und den Text auszuarbeiten“, so Paul. „Wir wollen in künstlerischer Form aufarbeiten, was uns bewegt.“ „Wir haben uns bei all dem Weltschmerz eine Art Galgenhumor bewahrt“, glaubt Fiona. Das war immer das Erfolgsrezept der Westhäkchen: aktuelle Themen aus Sicht der jungen Bürger mit einer Prise Humor gewürzt. Manchmal ein Drahtseilakt und manchmal „über die Schmerzgrenze hinaus“, so Fiona.

Die Gruppe hofft jetzt, dass sich dieses Rezept auch auf Tinnitus übertragen lässt, wenngleich sich besonders hinter den Kulissen viel geändert hat. „Wir haben viel mehr Verantwortung“, erklärt die Truppe. Probte das Team im geschützten Rahmen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, ist es jetzt auf sich gestellt. „Wir müssen uns selbstständig um die Finanzen kümmern, eine Location finden, Termine für gemeinsame Proben vereinbaren, Technik organisieren und Karten verkaufen.“ Aus den Schauspielern werden so ganz nebenbei auch Jungunternehmer.

„Wir hoffen, mit dem neuen Namen einen Neuanfang machen zu können und an die Erfolge der Westhäkchen anknüpfen zu können“, so die Truppe. Nach der Premiere am Freitag, 20. und Samstag, 21. Mai im Kulturloft (wofür es übrigens noch Karten gibt) werden sie noch einmal bei der ZeltZeit und in der Stadthalle auftreten. Die neue Konstellation und der neue Name, so hoffen die Teammitglieder, werden ihnen auch jenseits ihrer Heimatstadt Türen öffnen. Tinnitus kann für Veranstaltungen gebucht werden.

Das Loslösen von der Schule hat auch Vorteile: Tinnitus ist offen für neue Mitglieder: „Das bringt neue Ideen und neue Talente“, so Paul. Einer, der sich dem Freundeskreis angeschlossen hat, ist Tassilo. Sein Berufswunsch war es, Schauspieler und Synchronsprecher zu werden. Jetzt steht er in Ratingen auf der Bühne und „es macht Spaß.“

Tinnitus wollen sich jetzt unter anderen Vorzeichen in der Kabarettszene behaupten. Ideen für Folgeprogramme gibt es jedenfalls noch genug: „Das nächste Programm ist im Grunde schon angelegt, weil wir gar nicht alle Themen unterbringen konnten“, so Pauline. Und eine kleine Lücke bleibt vor dem Auftritt immer noch übrig. „Wir wollen tagesaktuelle Themen auf jeden Fall noch mit unterbringen“, so das Team.