Die Barbie zieht in den Ratinger Trinsenturm

Ratingen : Die Barbie zieht in den Trinsenturm

Das restaurierte Gemäuer am Wehrgang beherbergt ein Jahr lang die langbeinigen Puppen. Zu sehen sind sie jeweils am Wochenende.

Hieße sie Barbara, wäre sie ein fleißiges Mädchen. Aber sie heißt Barbie und ist ein busy girl. Im Februar 1959 in den USA der Öffentlichkeit vorgestellt und vier Wochen später in Deutschland zum ersten Male verkauft, steht die fesche Maid dort wie hier nicht weit vor der Pensionierung. Aber im Trinsenturm ist sie erst einmal noch über alle Etagen als emsige Frau in Szene gesetzt. Nach einem knappen Jahr ist ihr Ratinger Domizil gründlich restauriert und jetzt wieder geöffnet worden.

Museumsleiterin Alexandra König und Wolfgang Diedrich, Erster stellvertretender Bürgermeister, wussten bei der Eröffnung liebevolle Worte über Turm und Spielzeug zu finden. Barbie, busy oder lazy, steht nämlich unter der Aufsicht des Vereins der Ratinger Puppen- und Spielzeugfreunde, der in eigener Verantwortung das städtische Spielzeugmuseum im 500 Jahre alten Turm betreibt. Vorsitzende Bettina Dorfmann und Gründerin des Vereins, Karin Schrey, platzierten die Puppen eigenhändig im restaurierten historischen Gebäude. Die fleißige Barbie und ihre 400 Spießgesellen gehört zu einer Ausstellung, die seit 15 Jahren durch die Lande tourt und hier nun ihre 34. Station hat.

Dafür bleibt sie aber auch ein Jahr in Ratingen. Und ist nicht nur an Wochenenden zu betrachten, sondern – nach Absprache – auch unter der Woche. Diese Puppen sind nämlich im Gegensatz zu all dem anderen Spielzeug im Turm, das der Stadt gehört, Eigentum der „Puppenmütter“ Schrey und Dorfmann.

Wobei Letztere sehr viel Begeisterung und Lebenszeit in ihre Barbie-Kollektion investiert. Rund 18.000 Barbies gehören ihr und haben bei ihr zu Hause ein Plätzchen gefunden. Da lohnt sich dann auch ein eigenes Barbie-Krankenhaus. Und in den Guinness-Büchern weltweit finden Bettina und Barbie Dorfmann immer wieder lobende Erwähnung.

Am Wochenende, als Turm und Ausstellung eröffnet wurden, knubbelten sich die Besucher auf dem Wehrgang – und sie kamen bei weitem nicht alle aus Ratingen. Wenn man die Zeit berücksichtigt, in der die ersten dieser dünnbeinigen und schmalhüftigen Puppen mit der ausladenden Oberweite gefertigt wurden, ist es völlig klar, dass sie in modischen Haushaltungen angemessen aussehende Kinder betreuten. Dann kam aber bald die Barbie im Beruf: dieselbe als im Büro Tätige, dann als Astronautin und Rennfahrerin. Es gibt eine Präsidentin im dunkel-blauen Kostüm und eine als Kanzlerin. Auch mal mit Ken und anderer Verwandtschaft lässt sich Barbie bestaunen – immer aber proper und ordentlich gewandet.

Die Barbie-Kennerinnen vermitteln Interessenten andere Termine, bei denen es um das Objekt ihrer Sammelbegeisterung geht, wissen über Puppenbörsen Bescheid und auch über Preise. Sie wissen, dass nicht jeder diese Puppen einzigartig findet – sind aber durchaus in der Lage, Barbie in dieser oder jener Kleidung als Repräsentantin einer ganz bestimmten Zeit und ihren Erscheinungen einzuordnen.

Zur Ausstellung gibt es einen umfangreichen Katalog zu 19,80 Euro. Er ist in der dritten Auflage vorliegend.

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