Heiligenhaus: "Die Ausleihe boomt"

Heiligenhaus: "Die Ausleihe boomt"

Seit einem Jahr leitet Isabella Friedlein die Bücherei, gerade wurde ihr Vertrag bis 2011 verlängert. Die Regale des Hauses sind gut gefüllt, doch bleiben Wünsche offen: das Ferienprojekt "Sommerclub" etwa, das in Heiligenhaus mangels Personal nicht angeboten werden kann.

Digitale Medien sind mehr denn je auf dem Vormarsch. Werden sie in Zukunft Bücher als das Gedächtnis der Menschheit verdrängen? Futurologen sind sich längst einig und bejahen diese Frage. Wie sieht das die Leiterin der Stadtbücherei, Isabella Friedlein? "Ich wage da keine Prognose, meine Fantasie reicht nicht aus um mir das vorzustellen". Noch braucht sie das nicht, denn das gedruckte Wort hat nach wie vor einen großen Stellenwert in der Heiligenhauser Bibliothek. 30 000 Printmedien umfasst der aktuelle Bestand und die Zahl der digitalen Medien (Musik-CD's, Hörbücher und Filme) liegt bei 4000.

Die Ausleihe boomt, vor allem spannende Unterhaltungsliteratur, ebenso Kinder- und Jugendbücher erfreuen sich großer Nachfrage. "Bei letzteren macht sich die seit Jahren angebotene Leseförderung mit Veranstaltungen, Klassenführungen etc bemerkbar", betont die Diplom-Bibliothekarin, wobei die Shooting-Stars "Erst ich ein Stück, dann Du" mit wechselnden Leserollen beliebte Dauerbrenner sind.

Bei den Erwachsenen spielen vor allem die "Spiegel"-Bestsellerlisten eine große Rolle. Spannende Unterhaltung in Form von Thrillern und Krimis mit historischem, psychologischem oder soziologischem Hintergrund stehen ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Anspruchsvolle Kost ist meist dann gefragt, wenn sie in den Medien angepriesen wird, wie jüngst die "Atemschaukel" von Nobelpreisträgerin Herta Müller.

Die Ausleihe von Sachbüchern ist weit zurückgegangen. "Das Internet als schnelle Informationsquelle wird bevorzugt", meint Friedlein. Ratgeber auf allen Wissensgebieten stehen allerdings nach wie vor hoch im Kurs. Und welches sind die Lieblingsbücher der Büchereileiterin? Ferdinand von Schirachs "Verbrechen" und "Du stirbst nicht" von Katharina Schmid.

Isabella Friedlein, die nach dem Studium des wissenschaftlichen Zweiges als Diplom-Bibliothekarin bis Ende 2007 in Universitätsbibliotheken arbeitete, zieht nach einem Jahr Tätigkeit in der Heiligenhauser Stadtbücherei Bilanz: "Die Nähe zum Publikum und die Vermittlung von Literatur haben für mich einen größeren Reiz als die fachspezifisch, wissenschaftliche Arbeit."

Gerade wurde ihr Vertrag bis August 2011 verlängert. Ihre Pläne für die nahe Zukunft: Gerne würde sie in der Bücherei das Ferienprojekt "Sommerclub" anbieten, das wegen Personalmangel zur Zeit nicht möglich ist. Als Service für die Leser wäre ein via Internet verfügbarer Bestandskatalog prima, ebenso wie die Erweiterung von BibNet-Onleihe – und mehr Geld für Öffentlichkeitsarbeit.

(RP)