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Der Wald dient jetzt als Therapieraum

Interview mit Petra Glücksmann : Der Wald dient jetzt als Therapieraum

Die Expertin in Sachen Coaching, Paar- und Familientherapie geht wegen Corona mit den Klienten in die Natur. Beim gemeinsamen Spaziergang durch den Wald kommt das Gespräch schnell in Gang.

Petra Glücksmann ist Expertin in Sachen Coaching, Paar- und Familientherapie. Sie bietet Einzelpersonen, Familien und Paaren Unterstützung bei Wendemomenten im Leben. Die Corona-Kontaktsperre brachte die Therapeutin auf die Idee, die Therapien nach draußen in den Wald zu verlegen. Mit der Rheinischen Post sprach sie über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen mit den Klienten in der Natur.

Frau Glücksmann, seit wann arbeiten Sie in der Familien- und Paartherapie?

Glücksmann: Ich bin seit 2018 selbständig in eigener Praxis tätig. Eigentlich komme ich klassisch aus der Personalentwicklung.

Und wie sind Sie dazu gekommen, sich selbständig zu machen?

Glücksmann Ich habe mit Personalbetreuung angefangen und ab 2008 dann Personalentwicklung gemacht. Lange war ich auf der Unternehmerseite gewesen, habe Coaching gemacht. Irgendwann habe ich gedacht, es wäre schön, die Beratungskompetenz auf den privaten Sektor zu erweitern. Zuerst war ich ergänzend in der Jugendhilfe im Bereich „Aufsuchende Familientherapie“ tätig und habe viel auf der Eltern- und Paarebene gearbeitet. Dann kam ich in die Falle der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich hatte zwei kleine Kinder und habe gemerkt, das funktioniert so nicht. So wollte ich die Arbeitszeit verkürzen, doch mein Arbeitgeber hatte dafür wenig Verständnis. Ich habe damals leider am eigenen Leib erfahren, wie wenig Unterstützung man als Frau bekommen kann.

Was haben Sie unternommen?

Glücksmann: Ich wollte die Zügel selbst in der Hand haben und habe gekündigt. Dann habe ich eine lange Reise nach Peru gemacht, aus allem raus. Anschließend habe ich mich selbständig gemacht, meine eigene Praxis eröffnet.

Durch die Corona-Sicherheitsmaßnahmen haben Sie nach alternativen Coaching & Therapie-Möglichkeiten gesucht und bieten nun zusätzlich „Walk & Talk“ an.

Glücksmann: Ja, seit vier Wochen. Viele Klienten konnten nicht in die Praxis kommen, weil sie die Kinder betreuen mussten oder sie haben sich nicht reingetraut. Die Firmen sind auf Videocoaching umgestiegen, aber das ist kein Perspektivwechsel. Also dachte ich, wir gehen in den Wald. Das tut gut.

Wie läuft so eine Therapie im Wald ab?

Glücksmann: Wir treffen uns und gehen dann eine Runde. Ich weiß, wie lange man für die Runden braucht. Klienten können 60 oder 90 Minuten buchen.

Was ist anders als in der Praxis?

Glücksmann: Ich hab das Gefühl, es kommt schneller in den Fluss, es sprudelt schneller aus den Leuten. Schritt für Schritt. Im Wald gibt es viel, was man nutzen kann. Umgefallene Bäume sind Hürden und ich frage: Was brauchen Sie, um die Hürde zu überwinden? Oder wir gehen zu Weggabelungen. Dort kann der Klient es ausprobieren. Wie fühlt es sich an, in die eine Richtung zu gehen, wie, in die andere Richtung.

Wie kommt der Wald als Therapieraum bei Ihren Klienten an?

Glücksmann: Bisher super. Sie möchten es alle ausprobieren.

Werden Sie „Walk & Talk“ auch nach Corona noch anbieten?

Glücksmann: Auf jeden Fall. Mir fallen immer wieder neue Ideen ein, die wir einbinden können.

Und was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Glücksmann: Homeschooling mit den Kindern. Ich laufe gerne und bin in einer Laufgruppe. Außerdem habe ich angefangen, Tennis zu spielen. Das ist ein Kindheitstraum. Und es ist ein toller Familiensport.