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Ratingen: Der Stadtteil West wird 50 Jahre alt

Ratingen : Der Stadtteil West wird 50 Jahre alt

1964 bot Düsseldorf der Stadt Ratingen ein Grundstück in Eckamp an. Anwohner Klaus Mönch erinnert sich.

West Fast wäre ein wichtiges Jubiläum in der Ratinger Stadtgeschichte sang- und klanglos verstrichen: Vor fast 50 Jahren, am 17. November 1964, wurde im Rat der Grundstein für die Entstehung von West gelegt. Im Streit um den Ausbau des Flughafens hatte Düsseldorf der Stadt Ratingen ein Grundstück in Eckamp angeboten: Wohnraum für 12 000 Menschen. An diese Geburtsstunde des heutigen Stadtteiles West erinnert Klaus Mönch, Jahrgang 1959 und dort aufgewachsen.

Mönch, der als Mitarbeiter der Stadt vor allem als Wetterfrosch sowie als Chef der Ratinger Kleingärtner bekannt ist, ist seinem Stadtteil, wo auch seine familiäre Wurzeln liegen, immer treu geblieben. Regelmäßig hält er Vorträge und publiziert über den Stadtteil. Gerne hätte er eine Feierstunde organisiert: "Meine Vision war es, die SPD-RatsMitglieder, die den historischen Beschluss gefasst hatten, zu einer Feststunde einzuladen. Leider sind sie alle bereits verstorben." Nun hofft er darauf, dass seine Abhandlung über die Entstehung von West noch Platz in der aktuellen Quecke der Lintorfer Heimatfreunde findet.

Rückblende: Nach dem Krieg musste auch Ratingen für die Flüchtlingsströme neue Wohngebiete schaffen. Am Heiderhof in Tiefenbroich kaufte die Stadt Ackerfläche für Wohnbebauung. Gleichzeitig wollte der Flughafen die Lohauser vom Lärm entlasten und die Piste nach Nordosten verlegen. Auch sollte im Rahmen des Ausbaus eine Brücke über die Bahn gebaut werden: Ratingen protestierte, weil damit auch Tiefenbroich stärker belastet und eine Verlängerung der Start- und Landebahn möglich wurde. Aus Lärmschutzgründen untersagte der Regierungspräsident, den Heiderhof als Wohngebiet auszuweisen. Und als Drittes dann das: Der Flughafen erhielt die Genehmigung für die Verlängerung der Startbahn und den Bau der Parallelbahn. Ratingen und das Amt Angerland (Breitscheid, Eggerscheidt, Hösel, Lintorf, Angermund und Wittlaer) zogen vors Verwaltungsgericht.

Es ging hin und her, aber nicht voran. Mönch: "In dieser festgefahrenen Situation bot die Stadt Düsseldorf am 13. November 1964 der Stadt Ratingen Grundstücke zum Kauf an." Die Landeshauptstadt hatte sich im Vorfeld von Eingemeindungen Grundstücke gesichert, auch in Eckamp, zwischen Autobahn, Kaiserswerther Straße, Westtangente und Volkardeyer Straße. Am 17. November tagte der Rat unter Vorsitz von Bürgermeister Peter "Harry" Kraft. Die SPD-Mehrheit beschloss, das Grundstück zurückzukaufen und der Neuen Heimat zu überlassen.

Die Rede war übrigens von "äußerst fairen Bedingungen". Man kannte sich hüben wie drüben.

Im Gegenzug stimmte man dem Bau der Parallelbahn zu. CDU und FDP hätten gerne kleinteiligen Städtebau mit mehr Einfamilienhäusern dort gesehen, konnten sich aber nicht durchsetzen. 1965 wurden Wohnflächen für etwa 12 000 Menschen ausgewiesen. Düsseldorfer Bürger bekamen übrigens ein Wohnbelegungsrecht für damals 1000 Wohnungen. Mönche erklärte: "Das Wohnbelegungsrecht besteht noch immer für die Häuser Berliner Platz 2 und 4."

Am 27. Mai 1966 wurde der Spaten geschwungen, ein Foto zeigt Peter Kraft am Rednerpult unter einem Schild der Neuen Heimat: "Großwohnanlage Ratingen West - Hier werden 4500 Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und Eigenheime gebaut."

Im Jahre 1975 trat dann die Kommunale Neugliederung in Kraft: Aus Eckamp und Neu-Eckamp wurde Ratingen West.

(RP)