1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Lintorf: Der Spatzen-Chor sucht neue Stimmen

Lintorf : Der Spatzen-Chor sucht neue Stimmen

Beim Casting für die jüngsten Sänger der Musikschule geht es locker zu. Dafür sorgt Leiter Edwin Pröm.

"Könnt Ihr das noch ein bisschen lauter?" Aus zwölf Kinderkehlen schallt es Edwin Pröm entgegen: "Du da, Du kleiner Frosch..." Aber der Leiter des Kinder- und Jugendchors hat es ja nicht anders gewollt. Und so muss er dann doch ein bisschen schmunzeln: "Da muss ich ja gleich Angst haben, so laut, wie ihr seid."

Elf Mädchen und ein Junge zwischen fünf und neun Jahren haben sich in der Manege an der Jahnstraße eingefunden, um für den Chor der städtischen Musikschule vorzusingen: Die Ratinger Spatzen sind die Jüngsten, die in den verschiedenen Gruppen von Pröm singen. Neudeutsch heißt so etwas "Casting". Im Fernsehen ist das meist sehr unangenehm: Wer nicht so gut ist, der wird von der Jury gnadenlos runter gemacht. Hier ist das anders: "Wir werden alle, die hier sind, bei den Spatzen aufnehmen. Nur weil ein Kind heute zum Beispiel beim Singen nicht wirklich den Mund aufbekommt, heißt das nicht automatisch, dass es nicht singen kann", sagt Pröm. Vielmehr geht es ihm mit dieser Veranstaltung darum, dass der singende Nachwuchs einen ersten Kontakt zum Chor bekommt: "Es ist immer eine viel größere Überwindung, direkt zu einer normalen Chorprobe zu kommen, da die Kinder hier auf eine feste Gruppe stoßen. Hier sind erst einmal alle neu."

  • Nachwuchssänger in Leverkusen : Kinderchor sucht per Casting Talente
  • Ratingen : Ratinger Chor begeistert in der Stadthalle
  • Yassine Merzagua (am Ball) trug bereits
    Fußball-Oberliga : Ratingen 04/19 holt Yassin Merzagua zurück

Damit das Ganze auch kindgerecht bleibt, geht es an diesem Herbstnachmittag nicht nur ums Singen. Während die eine Gruppe probt, wird im Wintergarten der Manege kräftig gespielt, Kinderschminken steht auch auf dem Programm. Auf der kleinen Bühne hat Pröm mittlerweile die älteren Kinder um sich versammelt – alles Mädchen: "Das ist normal. Jungen müssen in diesem Alter in der Regel ganz gezielt angesprochen werden, ob sie in einen Chor kommen möchten", weiß der Chorleiter. Auch wenn es nicht darum geht, bei diesem Casting jemanden auszusortieren, so wird die Sache jetzt schon etwas intensiver: Können die Kinder sich kleinere Texte merken und Melodien erkennen?

Eine der Teilnehmerinnen ist die kleine Emilia. Sie ist mit Feuereifer dabei, als es darum geht, an der Lippenform von Pröm zu erkennen, welchen Buchstaben er gerade stumm spricht: "Das ist ein I." Auch wenn es nicht um richtig oder falsch geht, ein Lob gibt es trotzdem für sie.

Ob sie und die anderen Kinder sich im Chor etablieren können, wird sich in den nächsten Monaten zeigen: "Man kann grundsätzlich mit jeder Stimme arbeiten und sie verbessern", sagt Pröm, der viel mit Schulen und Kindergärten kooperiert – etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig: "Durch die Ganztagsschulen haben die Kinder viel weniger Freizeit. Das macht sich bei uns auch bemerkbar."

(RP)