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Der Kulturbetrieb in Heiligenhaus steht still

Viele Veranstaltungen fallen aus : Der Vorhang bleibt zu

Der Kulturbetrieb in der Stadt steht still. Nun steht fest: Auch das viertägige Heiligenhauser Stadtfest im Juni wird nicht stattfinden. Schon das Frühlingsfest des Stadtmarketings war abgesagt worden.

Hausmeister Thomas Schmidt ist zuständig für die Kant-Aula. „Jetzt ist Zeit für die Arbeiten, die sonst liegen bleiben: Die Decken reinigen, die Stühle nachziehen und die Technik warten.“ Ganz ruhig ist es hier aber nicht, die Aula wird jetzt öfter zum Konferenzraum, bleibt Blutspendelokal und seit Mittwochabend ist klar: Die Politik trifft sich zukünftig hier. „Aber der Vorhang für Kulturveranstaltungen bleibt erst mal geschlossen“, weiß Schmidt.

Der Club als pädagogische Einrichtung ist komplett geschlossen. „Das Kulturbüro ist aber geöffnet, auch wenn hier gerade renoviert wird, können hier Eintrittskarten zurück gegeben werden“, sagt Kulturchefin Almuth Schildmann-Brack. Bereits seit der ersten Veranstaltungsabsagen im März gingen hier auch schon regelmäßig Fragen der Bürger zum Stadtfest ein, nun ist die „bittere Entscheidung“, so Bürgermeister Michael Beck, klar: Auch das Stadtfest wird, wie bereits das Frühlingsfest des Stadtmarketings, nicht stattfinden können.

Das Stadtfest, das vom 11. bis 14. Juni geplant war, gilt als Großveranstaltung. Für die Absage habe es in Abstimmung mit dem Bürgermeister mehrere Gründe gegeben, wie Schildmann-Brack erläutert: „Bei einem Stadtfest sind die Menschen in der Innenstadt von Bahnhofstraße bis Kirchplatz üblicherweise dicht an dicht gedrängt. Gerade zu Hauptzeiten passt da oft kein Blatt Papier dazwischen.“ Das mache das Stadtfest aus und sei kaum anders lösbar. „Auch beim Getränkeausschank können wir nicht gewährleisten, dass Gläser wirklich einwandfrei hygienisch sauber werden.“ Die Entscheidung sei allen Beteiligten schwer gefallen. „Gerade auch mit Blick auf die zahlreichenden Künstler, Mitwirkenden, die sich wieder für ein erfolgreiches Stadtfest engagieren wollten“, sagt Fachbereichsleiter Thomas Langmesser.

Außerdem, erklärt Schildmann-Brack, würden die Partnerstädte fehlen. Und so sind alle Kultur-Veranstaltungen seit März bis Mitte Mai ohnehin schon abgesagt, auf „Hannes & Seppo“ am 27. Mai hofft die Kulturchefin noch. Ab September rechnet sie mit einer Rückkehr zu einem Kulturprogramm. Dazu denke man gerade darüber nach, wie man Abstandsregeln in den Veranstaltungsräumen einhalten könne und trotzdem die Wirtschaftlichkeit nicht aus dem Blick verliere. Gerade in der Aula sei es schon möglich, Abstände einzuhalten, beispielsweise durch Einbahn-Regelungen, weiß Hausmeister Schmidt, „aber es könnte trotzdem, etwa in den Pausen, zu „schwierigen Situationen“ kommen. Er fürchtet, dass die Stimmung bei solchen Veranstaltungen leidet.

„Wir sind aber dankbar, dass die Heiligenhauser unheimlich viel Verständnis für die Situation aufbringen“, so Schildmann-Brack. Auch wenn für so manchen Stammbesucher mit den abgesagten Angeboten auch ein nicht wichtiger Teil des Lebensinhaltes wegbreche. „Das sind bei ihnen Sozialkontakte, die einfach fehlen“, weiß die gelernte Sozialpädagogin. Sie denkt derzeit über Alternativen nach, die beispielsweise online abgerufen werden könnten, das müsse nun geprüft werden. „Vielleicht müssen wir auch einfach wieder kleiner denken und Möglichkeiten finden, zum Beispiel die Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Meaux auf anderen Wegen feiern.“ Denn Kultur, findet sie, sei eben auch ein Stück Normalität und für das System durchaus relevant.