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„Der Computer macht das, was Du willst“

Europäische Informatik Olympiade : „Der Computer macht das, was Du willst“

Die Haanerin Lea Herrmann hat bei der Europäischen Informatik Olympiade für Mädchen Bronze gewonnen. Doch vom Wettbewerb nimmt sie viel mehr mit als „nur“ eine Medaille.

Wenn ein grünes Lämpchen aufleuchtet, weiß die Wettkämpferin: Es hat funktioniert. „Das ist immer ein Erfolgserlebnis“, sagt Lea Herrmann – und verdeutlicht: „Der Computer macht das, was Du willst.“ Und das tat er zuletzt ziemlich oft: Denn die 18-jährige Haanerin gewann vor kurzem für Deutschland die Bronzemedaille bei der „1. European Girl’s Olympiad in Informatics“, kurz: EGOI. Die hätte eigentlich in Zürich die weibliche Informatiker-Elite im Schulalter versammeln sollen. Corona hielt die Teilnehmerinnen allerdings in ihren jeweiligen Ländern – was angesichts der virtuellen Thematik schade, aber wohl verkraftbar war.

43 Nationen waren mit ihren je vierköpfigen Teams vertreten und, anders, als man es von einem europäischen Wettstreit vielleicht erwarten würde, auch Brasilien und Japan. Die deutsche Delegation stellte sich den Prüfungen an zwei Wettbewerbstagen in Bonn – im Hauptquartier der „Bundesweiten Informatikwettbewerbe“ (BWINF). „Dort saßen wir mit Sichtschutz und Abstand zwischen uns an den Computern“, erzählt Lea Herrmann.

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In der Olympiade selbst gibt es zwar nationale Mannschaften mit besonders talentierten Programmiererinnen, letztlich kämpft aber jede für sich um die Plätze. Vergeben werden dabei allerdings mehr als nur eine Bronze-, Silber- und Goldmedaille. „Ab der oberen Hälfte des Teilnehmerfeldes gibt es mindestens Bronze“, erklärt Herrmann.

Über jeweils fünf Stunden galt es, verschiedene Programmieraufgaben zu lösen. Erklärtexte führten dabei in die jeweilige Fragestellung ein. „Anschließend musste man die Programme einreichen, und die gaben dann Antworten aus, anhand derer man wusste, ob man effizient programmiert hat“, erklärt die frisch gebackene Abiturientin am Haaner Gymnasium. Ihre Begeisterung für das Thema entwickelte sie dort im Zuge des Informatikunterrichts. „Ich habe eigentlich nur drei Jahre Programmiererfahrung“, betont sie.

Umso erstaunlicher ist also der Werdegang: Gemeinsam mit einer Freundin bewarb sie sich für den Bundeswettbewerb im vergangenen Jahr – und landete unter weit mehr als 1000 Teilnehmern geschlechterübergreifend auf Platz sieben. Unter den noch eher raren weiblichen Teilnehmern eroberte sie den Spitzenplatz. „Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich meiner EGOI mitmachen möchte“, erzählt sie.

Gemeinsam mit dem deutschen Team nahm sie an wöchentlichen Fortbildungen teil, ehe die große Zeit begann. Bevor es zum Wettbewerb an die Rechner ging, standen aber erst einmal ganz analoge Erlebnisse auf dem Programm: „Wir haben uns mit dem Team aus Luxemburg getroffen, gemeinsam den Kölner Dom besucht und waren im Freibad“, erzählt Lea Herrmann. Dass sie – und ihre Kollegin Katharina Bade letztlich Bronze für Deutschland gewonnen hatten, erfuhr sie erst am Abend nach dem zweiten Wettbewerbstag. Doch mitgenommen hat Herrmann noch viel mehr: „Ich habe sehr viel gelernt“, sagt sie. Studieren wird sie in Saarbrücken – wie könnte es nach all den Erfahrungen anders sein – Informatik. Wohnen wird sie dort in einer WG mit anderen Teilnehmerinnen am internationalen Programmierwettstreit. Und für die BWINF motiviert sie in Online-Vorträgen andere Mädchen, sich künftig mit der Konkurrenz zu messen: „Es gibt eben noch nicht so viele, die das machen.“