Ratingen: "Der Chor ist kein Selbstläufer"

Ratingen: "Der Chor ist kein Selbstläufer"

CDU und BU hatten 30.000 Euro als Zuschuss für den Knabenchor Hösel beantragt – und sie scheiterten zweimal. Förderverein und Kuratorium gehen angesichts der politischen Debatte in die Offensive: Qualität hat ihren Preis.

CDU und BU hatten 30.000 Euro als Zuschuss für den Knabenchor Hösel beantragt — und sie scheiterten zweimal. Förderverein und Kuratorium gehen angesichts der politischen Debatte in die Offensive: Qualität hat ihren Preis.

Die finanzielle Lage der Stadt war auch gestern — einen Tag nach Verabschiedung des Etats 2010 — reine Nebensache. Es ging erneut um die Zukunft des Knabenchors Hösel und um die Frage, wie hoch der Zuschuss für eine Chorgemeinschaft von hoher Qualität sein darf. Wie bereits berichtet, waren CDU und BU mit dem Vorstoß, 30 000 Euro als Zuschuss für den Chor fließen zu lassen, gescheitert — und zwar zweimal innerhalb einer Ratssitzung. Zweifellos ein Politikum, das die Gemüter im Stadtparlament stark erhitzte. CDU und BU hatten in Vorbesprechungen offenbar alles auf den Weg gebracht: Doch bei der ersten Abstimmung gab es einige Abweichler. Dies hatten weder die beiden Fraktionen noch der Chor auf der Rechnung.

Der Entschuldungsplan

Alexander von der Groeben, erster stellvertretender Fraktionsvorsitzender der BU und Vorsitzender des Kuratoriums des Knabenchors, hatte sich aus möglichen Befangenheitsgründen erst gar nicht der Abstimmung gestellt. Der Politiker betonte gestern im RP-Gespräch, dass der Knabenchor Hösel in der öffentlichen Wahrnehmung polarisiere. Es komme eben nicht überall gut an, Eliten zu bilden, erklärte von der Groeben, der anfügte, dass der Chor neben der Ausbildung der Kinder auch eine soziale Verantwortung habe. Die Arbeit auf hohem Niveau habe ihren Preis, betonte von der Groeben, "da können Konzertreisen auch schon einmal mit 30 000 Euro zu Buche schlagen".

  • Ratingen : Unternehmen Knabenchor

Kulturdezernent Dirk Tratzig hatte im Rat erklärt, dass der Chor erhebliche Schulden habe. Es gebe aber bereits einen Plan, den Berg an Verbindlichkeiten abzuarbeiten, so Tratzig.

Dr. Hans Kraft ist als Vorsitzender des Fördervereins dafür zuständig, Geld zu sammeln. Doch dies sei — auch im finanzkräftigen Stadtteil Hösel — sehr schwierig. Mit Blick auf große Sponsoren- und Spendenbeiträge betonte Kraft: "Der Chor ist kein Selbstläufer." Anders ausgedrückt: "Die Leute rennen uns nicht gerade die Bude ein."

Rund 75 Mitglieder gehören zurzeit dem Förderverein an. Im Vorstand arbeiten neben Kraft noch Julia Woeste (zweite Vorsitzende) und Schatzmeister Bernd Grübel. Den zweiten Versuch von CDU und BU, doch noch 30 000 Euro für den Chor einzuheimsen, nannte Kraft einen "sehr gewagten Schritt". Der Chor befinde sich mit seinem hohen Anspruch und seinem Finanzrahmen auf einem schmalen Grat, urteilte der frühere SPD-Landtagsabgeordnete. Einsparungsmöglichkeiten gebe es womöglich bei Reisen und Auftritten.

(RP)